Der nächste Morgen begann, wie so viele andere zuvor – mit dem sanften Licht der Morgensonne, die durch die Vorhänge sickerte, und dem leisen Zwitschern der Vögel, die den neuen Tag begrüßten. Doch während die Welt um uns herum in gewohnter Harmonie erwachte, fühlte ich mich wie eine Fremde in meiner eigenen Haut. Die Unruhe, die mich gestern übermannt hatte, war nicht verschwunden. Im Gegenteil, sie hatte sich wie ein Schatten in meinen Gedanken eingenistet und wurde mit jedem Atemzug stärker.
Nathon schlief noch neben mir, sein Atem ruhig und gleichmäßig, doch ich konnte nicht länger liegen bleiben. Vorsichtig schlüpfte ich aus dem Bett, zog mir eine Strickjacke über und ging hinaus auf die Veranda. Die kühle Morgenluft war angenehm auf meiner Haut, aber sie schaffte es nicht, die Beklommenheit zu vertreiben, die sich tief in meinem Inneren festgesetzt hatte.
Ich ließ meinen Blick über den stillen See wandern, der in der Morgensonne glitzerte, als hätte er keine Ahnung von der inneren Unruhe, die mich heimsuchte. Alles wirkte so friedlich, so unberührt. Aber gerade dieser unerschütterliche Frieden verstärkte den Druck auf meiner Brust. Wie konnte die Welt so ruhig sein, während in mir ein Sturm tobte?
„Lena?“ Nathons Stimme klang verschlafen, und ich drehte mich um, um ihm ins Gesicht zu sehen. Er stand in der Tür, die Haare noch zerzaust, seine Augen müde, aber wachsam. In seinem Blick lag eine unausgesprochene Frage, die mich durchbohrte.
„Ich wollte dich nicht wecken“, sagte ich und wandte mich wieder dem See zu. „Ich brauchte nur etwas frische Luft.“
Er trat zu mir und legte sanft seine Hände auf meine Schultern. „Du warst schon gestern Abend so still“, sagte er leise, während er mich umdrehte, um mir in die Augen zu sehen. „Ich kann sehen, dass dich etwas beschäftigt, Lena. Bitte, rede mit mir.“
Ich suchte nach Worten, nach einem Weg, das Chaos in meinem Kopf zu ordnen, aber alles, was ich fand, war Stille. Eine überwältigende Stille, die alle meine Gedanken verschlang. „Es ist schwer, das zu erklären“, begann ich zögernd. „Es fühlt sich an, als ob wir auf etwas zusteuern, das alles verändern könnte. Ich kann es nicht genau benennen, aber dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt… es lässt mich einfach nicht los.“
Nathon zog mich sanft in seine Arme und hielt mich fest. „Wir haben schon so viel zusammen durchgestanden, Lena“, flüsterte er in mein Haar. „Was auch immer kommt, wir werden es gemeinsam schaffen. Ich bin hier, und ich lasse dich nicht allein.“
Seine Worte waren wie ein Balsam, der für einen Moment die Angst linderte. Aber tief in mir wusste ich, dass das nicht ausreichen würde. Der Schatten, der über uns lag, ließ sich nicht einfach wegreden. „Ich weiß“, antwortete ich schließlich, löste mich aus seiner Umarmung und versuchte, mich zu sammeln. „Aber ich brauche etwas Zeit für mich, um meine Gedanken zu ordnen. Vielleicht kann ich dann besser verstehen, was in mir vorgeht.“
Nathon nickte, ein Ausdruck von Verständnis und Sorge in seinen Augen. „Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Aber vergiss nicht, dass ich hier bin, wenn du bereit bist zu reden.“
Ich bedankte mich leise, bevor ich mich wieder umdrehte und zum See hinunterging. Der schmale Pfad, der zum Ufer führte, war von Morgentau bedeckt, und das Gras hinterließ kühle Spuren auf meinen nackten Füßen. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde er mich tiefer in meine eigenen Gedanken führen, weiter weg von der Realität, die ich mit Nathon teilte.
Am Ufer angekommen, setzte ich mich auf einen großen, glatten Stein und ließ meine Füße ins Wasser gleiten. Das kalte Wasser schien meine Haut zu beleben, aber die Schwere in meinem Herzen blieb. Ich starrte auf mein Spiegelbild im Wasser, das durch die leichten Wellen verzerrt wurde, und fragte mich, wie es so weit kommen konnte.
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Heartstrings in the U.S
RomanceDie 17-jährige Lena beginnt ihr Austauschjahr in einem beschaulichen amerikanischen Städtchen, wo sie von der Familie Collins aufgenommen wird. Zwischen den alltäglichen Abenteuern und dem neuen Leben entwickelt sie eine unerwartete Verbindung zu Na...
