Kapitel 38

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Die Rückfahrt aus dem Ferienhaus war von einer seltsamen Stille geprägt. Der Himmel war grau, als ob er unser gemeinsames Schweigen spiegeln wollte. Die Bäume und Hügel, die an uns vorbeizogen, wirkten wie eine träge Leinwand, die sich endlos zu wiederholen schien.

Nathon saß am Steuer, seine Augen konzentriert auf die Straße gerichtet. Er hatte seit dem Morgen kaum ein Wort gesagt, abgesehen von kurzen, höflichen Antworten auf Lauries Fragen. Es war, als ob der Kuss, den wir geteilt hatten, eine unsichtbare Barriere zwischen uns errichtet hätte.

Ich saß neben ihm, den Blick aus dem Fenster gerichtet, um meine eigenen Gedanken zu ordnen. Aber die Erinnerung an den Kuss, an das kurze Aufleuchten von Intimität, war allgegenwärtig. Es war nicht nur die Tatsache, dass wir uns geküsst hatten, sondern auch die Reaktion darauf – seine plötzliche Distanz und das Gefühl, dass er sich von mir zurückzog, fast so, als hätte er Angst vor dem, was geschehen war.

Ethan, der auf der Rückbank saß, war in sein Spiel vertieft und schien die Spannung zwischen uns nicht zu bemerken. Laurie, auf dem Beifahrersitz, sah ebenfalls ab und zu zu Nathon, aber sie stellte keine Fragen. Sie schien die Veränderung in seiner Stimmung bemerkt zu haben, entschied sich jedoch, nicht nachzuhaken.

„Sind wir bald da?“, fragte Ethan schließlich und unterbrach damit die Stille.

„Noch etwa eine Stunde“, antwortete Nathon knapp, ohne den Blick von der Straße abzuwenden.

Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog. Die Distanz zwischen uns fühlte sich schmerzlich an, wie eine Lücke, die ich nicht überbrücken konnte. Es war frustrierend, ihn so verschlossen zu sehen, nachdem wir uns für einen kurzen Moment so nahe gewesen waren. Der Kuss hatte so viel gesagt, was wir beide nicht in Worte fassen konnten, aber jetzt schien Nathon diesen Moment am liebsten auslöschen zu wollen.

„Alles okay bei dir?“ Ich wagte schließlich, ihn leise zu fragen, ohne die anderen aufmerksam zu machen.

Er zögerte, bevor er antwortete, und seine Stimme war fest, fast abweisend. „Ja, alles gut.“

Aber das war es nicht, das wusste ich. Es lag eine Schwere in seiner Antwort, eine Unausgesprochenheit, die mich quälte. Ich wollte ihn fragen, warum er so war, was er dachte, aber die Worte blieben mir im Hals stecken. Stattdessen ließ ich die Stille zurückkehren, uns beide wieder umhüllen.

Als wir schließlich zu Hause ankamen, war es fast dunkel. Laurie und Ethan stiegen aus, um die Koffer hereinzubringen, während Nathon und ich einen Moment länger im Auto sitzen blieben. Die Spannung war fast greifbar, und ich wusste, dass dies meine einzige Chance war, das, was zwischen uns stand, anzusprechen.

„Nathon...“ Ich drehte mich zu ihm um, in der Hoffnung, dass er mich ansehen würde.

Er atmete tief ein, seine Finger fest um das Lenkrad gekrallt. „Lena, ich...“ Er hielt inne und schüttelte dann den Kopf, als könnte er die Worte, die er sagen wollte, nicht finden. „Es tut mir leid. Ich brauche einfach etwas Zeit.“

Zeit. Das Wort klang endgültig, als würde er damit sagen, dass alles, was passiert war, besser vergessen werden sollte. Es schnitt tiefer, als ich erwartet hatte. Aber ich nickte, obwohl es mich innerlich zerbrach. „Okay“, flüsterte ich nur.

Er sagte nichts mehr und stieg aus dem Auto, ohne mich anzusehen. Ich blieb noch einen Moment sitzen, versuchte, die Tränen zurückzuhalten, die in meinen Augen brannten. Es fühlte sich an, als hätte ich ihn für immer verloren, bevor wir überhaupt richtig begonnen hatten.

Ich holte tief Luft und folgte ihm dann ins Haus, versuchte, die Fassade aufrechtzuerhalten. Doch der Kloß in meinem Hals und das schwere Gefühl in meiner Brust ließen mich nicht los.

Der Abend verlief in einer merkwürdigen Normalität. Laurie bereitete Hot Dogs vor, und wir alle setzten uns zusammen an den Tisch. Doch während Laurie und Ethan sich über die vergangenen Tage unterhielten, blieb Nathon stumm, vermied meinen Blick und sagte nur das Nötigste.

Ich spielte mit meinem Essen, der Appetit war mir längst vergangen. Immer wieder versuchte ich, zu ihm hinüberzusehen, aber er wich meinen Blicken konsequent aus. Es war, als hätte er beschlossen, eine Mauer zwischen uns zu errichten, und ich wusste nicht, wie ich sie einreißen konnte.

Als der Abend sich dem Ende zuneigte, zog ich mich früh in mein Zimmer zurück. Der Gedanke, Nathon aus dem Weg zu gehen, erschien mir im Moment als die beste Lösung, auch wenn es mir das Herz brach. Es war zu viel passiert, und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte.

Ich lag wach, starrte die Decke an und dachte an all die Momente, die wir geteilt hatten. Die kurzen Blicke, die zufälligen Berührungen, der Kuss, der alles verändert hatte. Wie konnte etwas so Schönes so viel Schmerz verursachen?

Doch die Antwort blieb aus, und die Stille in meinem Zimmer war das Einzige, was mir Gesellschaft leistete.

Heartstrings in the U.SGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt