Harry sitzt nervös an einem kleinen Tisch im Café Lemoncake. Er ist gerne hier. Die Wände sind mit bunten Bildern geschmückt, und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und warmen Croissants erfüllt den Raum. Doch heute kann ihn die gemütliche Atmosphäre nicht beruhigen. Die ständige Wiederholung der letzten Nacht spukt in seinem Kopf umher.
Er hat nicht geplant, bei Louis zu landen und er hat keine Ahnung, wie er damit umgehen soll.
Als die Tür aufgeht und Lottie eintritt, atmet Harry zittrig ein. Sie strahlt. Das ist ein gutes Zeichen, oder? Vielleicht weiß sie ja doch nichts?
„Harry!", ruft sie und winkt ihm zu. Er erwidert das Lächeln, auch wenn sein Herz noch immer rast. „Hey, Lottie!"
Sie setzt sich ihm gegenüber und bestellt sofort einen großen Kaffee und ein Avocado-Toast. „Ich hoffe, du hast nicht zu lange gewartet!", sagt sie fröhlich. Harry schüttelt den Kopf und versucht, seine Nervosität zu verbergen. „Nein, ich bin gerade erst angekommen."
Die Kellnerin bringt ihre Bestellungen und während sie beginnen zu essen, kann Harry nicht anders, als sich zu fragen, wie er das Gespräch lenken soll. Doch Lottie nimmt ihm diese Entscheidung ab. „Du glaubst nicht, was für eine Nacht es war! Die Silvesterparty war der Hammer! Und rate mal, was passiert ist?"
Ihr Gesicht strahlt vor Aufregung.
„Ähm, ich weiß nicht...", antwortet Harry und versucht, seine Stimme unbeschwert klingen zu lassen. „Was denn?"
„Lewis ist passiert."
Der Lockenkopf macht große Augen und neugierig sieht er seine beste Freundin an.
„Lass dir nicht alles aus der Nase ziehen."
„Vielleicht war ich ein bisschen beschwipst und vielleicht habe ich dann endlich den ersten Schritt gemacht und habe Lewis meine Gefühle gestanden."
Lotties Augen leuchten so sehr, dass die Aufregung auf Harry übergeht. Die gemeinsame Nacht mit Louis rückt dabei in den Hintergrund und die Angst, dass Lottie es weiß, scheint nicht mehr vorhanden zu sein.
„Und wie hat er reagiert?"
„Er hat gelächelt und mich dann geküsst."
Harry rümpft seine Nase und stupst seine beste Freundin mit dem Fuß an.
„Und das bedeutet?"
Die Blondine beißt von ihrem Toast ab und spricht kauend weiter.
„Daff heifft, dass wir fufammen sind."
Urgh. Harry hasst so etwas.
„Charlotte."
Die Blondine schluckt den Bissen herunter und grinst.
„Das heißt, dass wir zusammen sind. Zumindest hat er mich den ganzen Abend nicht mehr losgelassen und mich immer wieder geküsst."
„Das freut mich für dich."
Die Freunde essen in Ruhe auf und bestellen sich ein weiteres Getränk.
„Wo warst du eigentlich auf einmal?"
Mist. Harry hat gehofft, dass Lottie wegen der rosaroten Wolke nicht weiter nachfragen wird.
Falsch gedacht.
„Ich... ich uhm... irgendwie war mir nicht so nach feiern und dann bin ich abgehauen."
Lottie nickt und neigt ihren Kopf.
„Rick hat dich gesucht."
Rick. Bei dem Namen läuft Harry ein kalter Schauer über den Rücken.
„Ich glaube, er hat auf einen Neujahrskuss gehofft", lacht Lottie und trifft unwissend genau ins Schwarze. Als Harry allerdings nicht lacht, zieht sie ihre makellose Stirn in Falten.
„Alles gut? Warum guckst du so?"
Unwohl rutscht er auf seinem Stuhl hin und her, beschließt dann aber seine Freundin einzuweihen. Zumindest ein bisschen. Alles muss sie ja nicht wissen.
„Er ist mir gestern ziemlich auf die Pelle gerückt. Ich war genervt und bin dann erst auf die Toilette und dann abgehauen."
Charlottes Kopf neigt sich noch ein bisschen mehr.
„Als ich dann draußen war, hat er mich eingeholt und wollte mich unbedingt nach Hause bringen. Nicht, dass mir noch etwas passiert."
„Bei den drei Metern?"
Der Lockenkopf schmunzelt. „Meinte ich auch, aber er hat darauf bestanden und hat dann seinen Arm um mich gelegt und irgendwie... ich habe mich nicht wohlgefühlt und habe versucht ihn abzuschütteln, aber er hat so penetrant darauf bestanden mich zu bringen, dass es wirklich unangenehm wurde."
Lotties Miene verfinstert sich. „Und dann?"
Harry holt tief Luft und trinkt schnell noch einen Schluck von seinem Kaffee.
„Dann kam dein Bruder und hat mich aus Ricks Armen befreit."
„Louis?"
Lottie kann es kaum glauben.
„Ja, Ernest ja wohl kaum", scherzt Harry und verdreht seine Augen. Wobei die Vorstellung von einem zweijährigen, der ihn rettet, schon ziemlich lustig ist.
„Ich dachte, ihr mögt eich nicht?"
„Tun wir auch nicht. Aber er meinte, dass er das nicht mitansehen kann. Wenn er einfach weitergegangen wäre und dann was passiert wäre, wäre er der Schuldige gewesen und das wollte er nicht."
So oder so ähnlich, oder?
„Und dann hat er dich nach Hause gebracht?"
Lottie sieht skeptisch aus und kann das vermutlich nicht glauben. Wie auch, wo die beiden sich ja sonst immer nur anmotzen.
„Wir sind noch eine Runde um den Block gegangen. Louis meinte, dass er sicher sein möchte, dass Rick nicht einfach an meiner Tür klopft, wenn er sieht, dass Louis weg ist."
Den Rest muss Lottie nicht wissen.
„Mein Bruder, der Held, also. Interessant."
Schnell trinkt Harry einen weiteren Schluck, damit Lottie ihm nicht zu genau in das Gesicht sehen kann. Er merkt, wie er rot wird und unweigerlich tauchen die Bilder der gestrigen Nacht auf. Gerne würde er sagen, dass es schrecklich war, grauenvoll, wirklich ekelhaft – aber das war es nicht. Und das ist echt großer, großer Mist.
Vermutlich muss er Louis auf Instagram eine Nachricht schreiben. Er muss ihm sagen, was er Lottie erzählt hat, damit sie ihre Geschichte abstimmen können. Denn die Blondine wird ihren Bruder sicherlich darauf ansprechen.
„Und jetzt seid ihr Freunde?"
Mit verzogener Miene lacht der Lockenkopf auf.
„Eher friert die Hölle zu."
DU LIEST GERADE
Salt&Caramel
FanfictionManchmal braucht es nur eine Minute, um zu wissen, ob man jemanden mag oder nicht. Eine Minute, die sofort verrät, ob die Chemie zwischen zwei Personen stimmt. Eine Minute, die über die Zukunft entscheidet. So wie bei Harry und Louis. Eine Minute, i...
