... sehen wir weiter.

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"Ich...", beginnt Louis und schüttelt seinen Kopf. Er wendet sich von Harry ab, geht einige Schritte und bleibt dann am Fenster stehen. Kurz geht sein Blick nach draußen, in die stille, friedliche Nacht. Sie ist das genaue Gegenteil von dem, was sich in Louis' Inneren abspielt.
"Ich verstehe mich selbst nicht mehr. Du bringst mich völlig durcheinander", gesteht er und dreht seinen Kopf wieder zu Harry. "Ich habe gedacht, dass wenn wir uns näher kommen, dass wir uns dann noch mehr hassen, aber das genaue Gegenteil ist passiert."
Harrys Herz rast, während er Louis' Worten lauscht. Ihn lässt das alles also genauso wenig kalt wie ihn selbst. Auch Louis kämpft mit sich, weiß nicht, wie er das alles ordnen soll und ist genauso durcheinander, wie er. 
"Es ist so verdammt anstrengend, so zu tun, als wäre mir das alles egal", gesteht der Lockenkopf leise und senkt seinen Blick. "Ich weiß nicht, wann das passiert ist, aber irgendwann warst du nicht mehr Louis Arschloch Tomlinson... du warst einfach nur noch Louis."
Belustigt hebt Louis eine Braue. "Arschloch Tomlinson?"
Auch Harry schmunzelt und nickt dann unbeholfen. "So habe ich dich in meinen Gedanken immer genannt."
Die beiden Männer sehen sich an, mustern sich, bis Louis den Raum durchquert und wieder vor Harry steht. 
"Ich weiß nicht, was das hier ist... wie weit es geht und wie tief... aber... es ist nicht mehr nur einfach so ein Ding, oder?"
Harry schüttelt seinen Kopf. 
Das ist es doch schon lange nicht mehr. 
"Ich bin jedes Mal nervös, wenn ich weiß, dass du herkommst und ich erwische mich dabei, wie ich den Raum nach dir absuche... es... ich habe versucht mir einzureden, dass es nichts bedeutet, aber irgendwie... es... es bedeutet etwas."
Sanft legt sich Louis' Hand auf die Wange des Größeren.
"Und was machen wir jetzt?"
Unbeholfen zuckt Harry erneut mit seinen Schultern.
"Ich denke... herausfinden, was das ist?"
"Klingt nach einer Idee."
Ihre Blicke treffen sich und Harrys Magen macht einen Salto, bei dem Blick, den Louis ihm zuwirft. Mit so viel Gefühl hat er ihn noch nie angesehen. Diese Seite ist so neu an Louis und das ist nicht wirklich vorteilhaft für das Kribbeln in seinem Körper und sein eh schon rasendes Herz. 
"Und dann... sehen wir weiter?"
"Und dann sehen wir weiter."
Harry nickt und merkt, wie ihm etwas Last von den Schultern fällt. Seine wirren Gedanken auszusprechen hat ihn ein Stück weit befreit, auch wenn er nicht wirklich schlauer ist als vorher. Aber er weiß, dass es Louis genauso geht. Dass auch er durcheinander ist und dass das hier für ihn auch irgendwie mehr ist, als einfach nur Sex. 
Das ist doch schonmal ein Anfang. 
Und plötzlich sind da Louis' Lippen auf seinen. 
Sofort reagiert der Lockenkopf. Er schlingt seine Arme um den Nacken des Älteren, zieht ihn enger an sich heran und erwidert den Kuss mit voller Hingabe.  

Natürlich bleibt es nicht nur bei diesem Kuss. 
Nach den gesagten Worten hat sich eine Spannung aufgebaut, die mit dem Aufeinandertreffen ihrer Lippen kaum auszuhalten ist. Und das wollen sie auch gar nicht. Sie wollen die Spannung nicht aushalten. 

Es ist anders in dieser Nacht. Natürlich war es oft schon sanft und ruhig. Aber dieses Mal scheint es, als wenn sie eine neue Stufe der Intimität betreten haben. Sie Berührungen sind noch sanfter, die Bewegungen bedeutungsvoller und jeder Kuss scheint etwas zu sagen. Das Streicheln der Haut fühlt sich intensiver an, das Prickeln in den Venen stärker denn je und ihre Blicke voller Bedeutung und unausgesprochener Gefühle. 
Als Harry es nicht mehr aufhalten kann, sich einfach hingibt, hat er das Gefühl zu schweben. Er zieht Louis mit sich, verbindet ihre Lippen zu einem tiefen Kuss und weiß, dass er solch ein intensives Gefühl sicherlich noch nie erlebt hat. 
"Scheiße", flüstert Louis und legt sich auf die Seite. Er stützt seinen Arm auf dem Ellenbogen und sieht den Lockenkopf mit einem schiefen Lächeln an.
"Du bist verdammt süchtig machend."
Harry lacht leise auf, schüttelt seinen Kopf und greift nach den Taschentüchern, die unter seinem Kopfkissen liegen. 

Und noch etwas ist in dieser Nacht anders. 
Louis wird nicht verschwinden, sobald der Morgen anbricht. Er bleibt liegen. Mit Harry in seinem Armen und einem Gefühl im Bauch, welches er noch viel weniger zuordnen kann, nach der letzten Nacht. 
Nie im Leben hätte er gedacht, dass dieser nervige Lockenkopf so etwas in ihm auslöst. Aber er ist nicht mehr nur der nervige Lockenkopf. Das hat Louis kapiert. Da ist etwas. Und er möchte sehen, wie weit dieses Etwas geht. Wie tief es geht. 
Und er freut sich schon darauf, das herauszufinden.


Salt&CaramelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt