Und wo ist er?

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Harry weiß nicht, wie er die Rückfahrt überlebt hat, aber als er am 31.12. in seinem Zimmer des Studentenwohnheimes steht, kann er kaum glauben, dass die komplette Fahrt ohne irgendwelche Vorkommnisse abgelaufen ist. 
Und während Zayn seit einer Stunde wie ein Irrer durch das Zimmer rennt, sich immer wieder umzieht und bei seinen Haaren beinahe verzweifelt, ist Harry die Ruhe selbst. Er sieht es nicht ein, sich für den Abend besonders schick zu machen. Immerhin ist es auch nur eine Party und nichts Besonderes. Also für ihn. Zayn tut so, als wenn ihn um Mitternacht jemand einen dicken Lottogewinn samt Fernsehauftritt überreichen wird. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Lockenkopf eigentlich erstmal genug von Partys hat. Seine letzte Tequilasause hängt ihm noch immer nach und es ist ihm noch immer peinlich, dass ausgerechnet Louis ihn ins Bett gebracht hat und dann auch noch miterleben musste, wie Harry sich übergeben und anschließend Koalababy gespielt hat. 

„Oh, endlich. Wie habt ihr mir gefehlt."
Niall schmeißt sich hochdramatisch in die Arme von Harry, anschließend reißt er Zayn an sich und tut beinahe so, als wenn man sich drei Jahre nicht gesehen hat. 
„Okay? Wie lange bist du denn schon hier?", will Zayn wissen und drückt den betrunkenen Iren von sich. 
„Zu lange und wenn das so weiter geht, dann erlebt Niall den Jahreswechsel nicht mehr, sondern pennt", mischt sich Carlos ein und klopft dem breit grinsenden Niall auf die Schulter. 
„Harry!"
Der Lockenkopf zuckt zusammen und als er sich umdreht, schlingt Rick freudestrahlend seine Arme um ihn. Etwas erschrocken taumelt Harry zurück, doch das hält Rick nicht davon ab, seine Umarmung noch ein wenig länger auszuüben. 
„Äh..."
„Ich freue mich so sehr, dass du hier bist", wispert der junge Mann und drückt noch ein wenig fester zu. „Rick, bitte... wenn du nicht willst, dass Harry gleich ohne Sauerstoff am Boden liegt, dann lass ihn los." 
Lottie zieht ihren besten Freund lächelnd an sich und sieht, wie dieser erleichtert einatmet. 
„Sind hier etwa alle schon betrunken?", fragt Zayn und sieht belustigt in die Runde. Lottie schmunzelt, nimmt dann einen Schluck von ihrer Bowle und nickt. „Niall wollte unbedingt vorglühen und das haben Rick, Donna und er irgendwie zu ernst genommen."
„Und wo ist Hailey?"
„Die schläft schon. Sie war die Erste, die hinüber war. Ich hoffe, dass sie vor Mitternacht ihren ersten Rausch ausgeschlafen hat und dann herkommt", erklärt die Blondine und lächelt mit einem Mal deutlich breiter. Als Harry sich fragend umsieht, entdeckt er Lewis. 
Ohne ein weiteres Wort schiebt sich Lottie an ihm vorbei und Harry kann nur belustigt den Kopf schütteln.
"Weißt du noch damals? Als wir uns noch nicht kannte? Das war schön."
Harry gefriert zu Eis, als ihm diese Worte ins Ohr gehaucht werden. 
Bis jetzt war der Abend doch eigentlich ganz okay. Und jetzt?
Er atmet tief durch, strafft dann seine Schultern und dreht sich herum. Louis steht näher, als er gedacht hat und so zuckt er kaum merklich zusammen, was natürlich von diesem bemerkt wird. 
"In diesem Punkt gebe ich dir ausnahmsweise mal recht", gesteht der Lockenkopf und sieht in die blauen Augen seines Gegenübers. 
"Ja", seufzt Louis und nimmt einen Schluck von seinem Bier. "Wie lange kennen wir uns jetzt schon? Egal... es war die schlimmste Zeit meines Lebens."
Und dann passiert es. Völlig unerwartet und garantiert nicht gewollt. Harry grinst.
Mist. 
"Arschloch."
Schnell dreht er sich um und kippt den Inhalt seines Bechers herunter. Urgh. Ekelhaft. 

Um 22:30 Uhr geht es Harry schon ein bisschen besser. Er geht Louis so weit es geht aus dem Weg und ist froh, als Hailey vor ihm steht. Sie sieht zwar etwas zerstört aus, ist aber mittlerweile wieder relativ nüchtern und voller Energie. Wäre er auch, wenn er fünf Stunden geschlafen hätte. Niall steht noch immer auf den Beinen und bechert ordentlich weiter. Insgeheim denkt Harry, dass durch Nialls Adern kein Blut, sondern Alkohol fließt. Niemand kann diesen Pegel so lange aufrechterhalten. Sollte man meinen zumindest. Niall beweist hier echt das Gegenteil.
"Hier."
Rick taucht neben dem Lockenkopf auf und hält ihm ein Glas entgegen. Argwöhnisch zieht er seine Augenbrauen in Falten und betrachtet die ihm bekannte Flüssigkeit mit einem gewissen Ekel. "Was ist das?", möchte er wissen und kennt die Antwort bereits.
"Tequila."
Natürlich. Was auch sonst. 
"Oh, ich glaube nicht...", beginnt er, wird dann aber von Lottie unterbrochen, welche laut lachend ihre Arme um ihren besten Freund schlingt und diesem das Glas aus der Hand reißt. Schneller als er gucken kann, hat sie sich den Inhalt in den Mund gekippt und Harry kann gar nicht sagen, wie sehr er diese Frau liebt. Rick hingegen sieht so aus, als wenn er sie gerade gerne einen Kopf kürzer machen möchte.
"Wie wäre es, wenn wir uns eine ruhigere Ecke suchen, in der wir gemeinsam einen Tequila trinken können?", fragt Rick leise und zieht Harry an seinem Pullover etwas mehr zu sich. Lottie verschwindet unterdessen so schnell wie sie gekommen ist und beinahe möchte Harry sie anflehen zu bleiben. 
"Ich, uhm... ich gehe erstmal zur Toilette."
Rick möchte etwas sagen, doch Harry sieht zu, dass er dort wegkommt. Er mag Rick, aber er ist ihm heute irgendwie etwas zu aufdringlich. Und weil das eben heute so ist, geht Harry auch nicht auf die nächstbeste Toilette, sondern geht in die erste Etage und sucht dort nach einer. 
Im Grunde ist das Wohnheim der Mädchen baugleich. Verlaufen kann er sich also nicht. Und als er endlich eine Toilette findet, macht er drei Kreuze. Rick ist ihm nicht gefolgt. 

Er erledigt sein Geschäft und wäscht sich anschließend seine Hände, wobei sein Blick in den Spiegel geht. Seine Augen sind etwas gerötet und leicht glasig. Ein deutliches Zeichen von Alkohol. Vermutlich wird er nichts mehr weiter trinken. Er möchte ungern wieder mit dem Gesicht in der Keramikschüssel landet. 
"Der Spiegel ist der beste Ort, um Fehler zu finden."
"Och, komm schon", jammert Harry und dreht sich zu Louis um, welcher grinsend im Türrahmen steht. 
"Warum verfolgt du mich? Hast du keine Hobbys?"
Doch der Schalk aus Louis' Augen verschwindet und das bereitet ein seltsames Gefühl in Harrys Bauch aus. 
"Der Synapsenfriedhof ist dir ein bisschen zu sehr auf die Pelle gerückt und ich habe gesehen, dass dir das nicht wirklich recht war."
"Hä?"
Sehr subtil, Harry. Innerlich rollt er mit seinen Augen.
"Rick", korrigiert Louis, wobei er Synapsenfriedhof eigentlich ziemlich passend findet. 
"Oh, ähm... ja. Er ist... er ist betrunken und klebt irgendwie heute an mir."
Louis schnaubt. Er kann diesen Typen einfach nicht ausstehen. 
"Jedenfalls bist du abgehauen und dieser Affe ist dir hinterher. Ich wollte lediglich sichergehen, dass er nichts macht, was du nicht willst."
"Du hast mich beobachtet?"
Louis rollt mit seinen Augen. "Ja und wenn das hier eine andere Situation wäre, die es Gott sei Dank nicht ist, wärst du darüber sehr erfreut."
"Und wo ist er?"
"Wer?"
"Rick?"
Harry sieht sich unsicher um. Fast so, als wenn Rick neben ihm steht und er ihn einfach nur bisher nicht bemerkt hat. Ist natürlich quatsch. 
"Er hat dich aus den Augen verloren. Ich sage ja, er ist dumm."
Tatsächlich bring das Harry leise zum Kichern.
Louis löst sich von der Tür und durchquert den Raum. Vor Harry bleibt er dann stehen und mustert diesen mit einem seltsam intensiven Blick.
"Geht es dir gut? Belästigt er dich zu sehr?"
Harry ist verwirrt. So viel Besorgnis ausgerechnet von Louis ist er nicht gewohnt. 
"Nein... es geht schon", erklärt er leise und zieht seine Schultern ein. "Wenn es zu schlimm wird, sage ich es ihm. Wir sind ja nicht alleine."
Louis brummt. "Wenn er dir gefolgt wäre und nicht ich, dann wärt ihr das."
Bei dem Gedanken läuft ein Schauer über Harrys Rücken. 
"Aber du bist mir gefolgt."
Louis nickt und sein Blick ist noch immer intensiv. Ein weiterer Schauer folgt.
"Ja."
Harry Schluckt. 
"Das ist gut so."
"Ja. Ist es."
Die Luft zwischen den beiden Männern staut sich an und das bekannte Prickeln breitet sich in ihren Körpern aus. Sie wissen nicht, was es ist. Sie können es nicht richtig einordnen. 
Aber was sie wissen ist, dass sie dieses Knistern nicht ignorieren können.
Und eben weil sie es nicht können, landen im nächsten Moment ihre Lippen aufeinander.

~~**~~

Hallo meine Lieben, 
ich hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten. Es tut mir leid, dass in der letzten Woche nichts von mir kam und ich mich nicht gemeldet habe. Der Grund ist simpel. Ich brauchte eine Pause. 
Die letzten Monate waren in meinem privaten Umfeld ziemlich anstrengend und ich habe mich aus Liebe zu wichtigen Menschen ziemlich reingekniet und mich selbst dabei ein wenig außer Acht gelassen. Und als dann noch der Weihnachtsstress dazu kam, hatte ich einfach keine Kraft mehr und musste erstmal durchatmen.
Jetzt geht es mir wieder gut und ich bin voller Tatendrang. Und weil das so ist, bekommt ihr heute Abend gleich das nächste Kapitel von mir.
Habt einen tollen Tag, bis heute Abend,

eure Kikki.



Salt&CaramelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt