"Du gehst mir aus dem Weg."
Ganz langsam hebt sich der Kopf von Harry, als der große Bücherstapel, welcher ihm als Sichtschutz dienen soll, zur Seite geschoben wird.
"Was soll das, Harry? Hab ich dir was getan?"
Lottie sieht wirklich verletzt aus, weswegen der Lockenkopf die Frage schnell verneint und seinen Kopf schüttelt.
"Ich gehe dir nicht aus dem Weg."
Tut er wirklich nicht.
"Und warum verschanzt du dich seit drei Tagen hier in der Bibliothek?"
Harry speichert seine Notizen ab und klappt seinen Laptop zu.
"Ich studiere, Lottie. Menschen kommen hier her, um zu lernen."
Die Blondine rollt überdramatisch mit ihren Augen, was den Jüngeren ein leichtes Schmunzeln auf die Lippen zaubert.
"Normalerweise sitzt du aber immer an der großen Fensterfront und nicht hier in der letzten Ecke, versteckt hinter einem Stapel Bücher."
Ertappt.
"Also erweckt es den Anscheint, dass du dich vor mir versteckst."
Nicht vor dir, denkt sich Harry, spricht es aber nicht aus.
"Wirklich, Lottie, ich verstecke mich nicht. Ich wollte lediglich absolute Ruhe haben. Sonst setzt sich doch wieder irgendwer dazu und ich kann mich nicht konzentrieren."
"Versprochen?"
Sofort nickt Harry und lächelt seine Freundin an. Sie ist noch immer skeptisch, mustert den hübschen Mann nachdenklich und nickt dann ergeben.
"Okay, dann glaube ich dir. Trotzdem verhältst du dich seltsam."
Natürlich tut er das. Das Szenario vor wenigen Tagen geistert noch immer in seinem Kopf herum und er ist mehr als froh, dass ihm Louis seither nicht über den Weg gelaufen ist.
"Wie wäre es...", beginnt sie, doch der Lockenkopf unterbricht sie, bevor sie ihre Frage richtig aussprechen kann.
"Keine Partys bis Weihnachten. Ich muss wirklich lernen und kann mir keine Ablenkung leisten."
Wenn er über die Weihnachtsferien nicht unendlich viel lernen möchte, muss er vorarbeiten.
Lottie macht ein würgendes Geräusch, lächelt dann aber sanft und tritt dem jungen Mann leicht gegen das Schienbein.
"Du bist so ein ekliger, vorbildlicher Student, Harry."
Die Blondine schafft es dann aber, ihren Freund zumindest zu einem Kaffee zu überreden und so sitzen sie eine halbe Stunde später mit einer dampfenden Tasse in dem kleinen Café auf dem Campus.
"Bist du Silvester hier?"
Noch so ein Thema.
Er hat gestern erst mit Zayn darüber gesprochen. Dieser möchte natürlich mit Liam in das neue Jahr feiern. Verständlich. Aber bisher haben sie das immer gemeinsam gemacht. In ihrem Heimatort. Doch Zayn will nach Weihnachten wieder herkommen und dann auf die Party im Studentenwohnheim neben ihnen gehen.
Und alleine möchte er auch nicht sein.
"Ich denke schon", sagt er also und klingt dabei extra so, dass er sich noch nicht festlegen möchte. Aber die Entscheidung steht bereits. Bleibt nur zu hoffen, dass Louis nicht kommen wird. Aber diese Hoffnung ist verdammt klein. Wenn Liam dort ist, ist es Louis sicherlich auch.
Charlotte lächelt.
"Das wird toll, Harry. Wir sind alle hier. Niall bleibt sogar komplett hier bei Hailey, weil sich der Flug nach Irland zu seinen Eltern für die paar Tage nicht lohnt."
"Oh, hey, ihr beiden."
Liam bleibt bei ihnen stehen und sieht mit einem breiten Grinsen von einem zum anderen.
"Liam, was machst du denn hier?"
Lottie schiebt einen freien Stuhl zurück, doch der Braunhaarige schüttelt seinen Kopf und hebt eine To-Go-Tüte in die Luft.
"Ich habe für Zayn und mich ein paar Panini geholt. Er liebt diese Dinger und dann muss keiner von uns gleich kochen."
Zayn würde für Panini sicherlich einen Mord begehen, so viel war klar.
"Harry, dich gibt es ja noch", witzelt der Freund seines besten Freundes und sieht ihn belustigt an. Allerdings flackert unter diesem belustigten Blick noch etwas Weiteres mit und als Liam ihn dann scheinbar belanglos fragt: "Alles klar? Geht es dir gut so weit?", ahnt er, dass Liam es weiß. Alles weiß.
"Äh...", beginnt der Lockenkopf stotternd und räuspert sich schnell.
"Alles gut. Ich muss nur viel lernen, wenn ich Weihnachten nicht auch über den Büchern hängen möchte."
Liam nickt verstehend, schmunzelt aber leicht und sieht erst Harry, dann Lottie an.
"Louis macht das auch gerade. Er sitzt den ganzen Tag in seinem Zimmer und lernt."
"Mein Bruder?"
Lottie kann es nicht glauben. Die faule Socke macht das freiwillig?
"Kaum zu glauben, was?"
Liam lacht und schüttelt dann seinen Kopf.
"Ich werd' dann mal wieder. Für Louis habe ich auch Panini dabei, damit der auch mal aus seiner Höhle rauskommt. "
Harry schluckt und starrt in seinen Kaffee.
Geht Louis ihm etwa aus dem Weg? Also, wenn er das sonst nicht macht und sich jetzt in seinem Zimmer verschanzt, dann hat das doch sicherlich einen Grund. Ihn zum Beispiel. Der Vorfall vor drei Tagen wäre auch etwas. Aber warum sollte er ihm aus dem Weg gehen? Immerhin war es ja Louis, welcher... halt. Nicht darüber nachdenken. Keine gute Idee.
"Harry?"
Erschrocken hebt er wieder seinen Blick und sieht in das belustigte Gesicht seiner Freundin. Liam ist bereits verschwunden. Ooops.
"Wo warst du nur mit deinen Gedanken?"
Ertappt merkt Harry, dass seine Wangen heiß werden, weshalb er schnell einen großen Schluck von seinem bereits kalten Kaffee nimmt.
"Ich habe nur über ein passendes Geschenk für meine Schwester nachgedacht."
Halb gelogen. Er braucht wirklich noch etwas für Gemma.
"Na, dann werden wir gleich in die Stadt fahren und etwas Schönes für sie suchen. Ich brauche auch noch etwas für meine Geschwister."
Protestieren ist hier zwecklos, das weiß er.
Gut. Dann geht er eben mit Lottie shoppen. Danach muss er aber wirklich wieder lernen.
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Salt&Caramel
FanfictionManchmal braucht es nur eine Minute, um zu wissen, ob man jemanden mag oder nicht. Eine Minute, die sofort verrät, ob die Chemie zwischen zwei Personen stimmt. Eine Minute, die über die Zukunft entscheidet. So wie bei Harry und Louis. Eine Minute, i...
