Feuer

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Harry blinzelt.
Dieser eine, simple Kosename trifft ihn wie ein Schlag. Nicht laut, nicht übertrieben, sondern ganz leise – aber genau deshalb setzt er sich fest.
Tief.
Viel zu tief.
Er dreht den Kopf ein kleines Stück, sieht Louis an. Sucht nach einem Ausdruck, nach einem Zwinkern, nach dem üblichen Grinsen. Aber da ist keins. Louis sieht ihn an, als hätte er gar nicht bemerkt, was er da gerade gesagt hat. Als wäre es das Normalste der Welt, Harry so zu nennen.
Doch für Harry ist es das nicht.
Er spürt, wie sein Herz schneller schlägt. Wie sich diese warme Welle durch seinen Bauch zieht. Unkontrollierbar, gefährlich, viel zu bedeutungsschwer.
Und Louis?
Louis sieht das in seinen Augen. Er merkt es.
Er spürt, dass gerade etwas passiert ist. Etwas, das man nicht mehr zurücknehmen kann.
Und weil Louis genau das nicht zulassen will, weil er Gefühle nicht aushält, nicht so, nicht ungefiltert, tut er das, was er immer tut, wenn es zu nah wird- er lenkt ab.

„Komm her", murmelt er, seine Stimme tief, samtig, fast gefährlich ruhig.
Dann dreht er sich zu Harry, schiebt die Decke ein Stück nach unten und legt eine Hand auf dessen Hüfte.
Louis zieht ihn zu sich, legt seine Hand in Harrys Nacken und zieht ihn in einen Kuss.
Heiß. Fordernd.
Ein Kuss, der alles sagt, was Louis mit Worten niemals ausdrücken könnte.

Harrys Körper reagiert sofort. Sein Mund öffnet sich, seine Finger klammern sich an Louis' Oberarm. Er hat keine Kontrolle über das, was gerade passiert, will sie auch gar nicht. Will nur mehr. Mehr von Louis. Mehr von diesem Kuss. Mehr von dieser Hitze, die sich in ihm ausbreitet.
Der Kuss ist heiß und fordernd, Louis' Hände zielstrebig. Er schiebt Harrys Pullover nach oben, streicht mit seinen Fingerspitzen über die freigelegte Haut, als würde er sich jede Linie einprägen. Die Decke rutscht zur Seite, fällt zu Boden, aber keiner von ihnen achtet darauf. Harrys Atem geht schneller, seine Brust hebt und senkt sich unkontrolliert, während Louis sich über ihn beugt, die Knie rechts und links von Harrys Hüfte.
„Zieh dich aus", flüstert Louis rau.
Es ist kein Befehl. Es ist eine Aufforderung, ein Versprechen.
Harry zieht sein Shirt über den Kopf, seine Finger zittern ein wenig, aber nicht vor Nervosität. Sondern vor Vorfreude. Er beobachtet, wie Louis sich ebenfalls auszieht, langsam, genüsslich, Stück für Stück, bis nur noch die Jogginghose bleibt. Ihre Blicke treffen sich, und das Knistern zwischen ihnen ist beinahe hörbar.

Kein Wort. Keine Ablenkung. Nur Hitze.

Louis beugt sich vor, küsst Harry erneut, diesmal tiefer, verlangender, und als sich ihre Körper berühren, Haut auf Haut, keucht der Lockenkopf leise auf. Louis' Hände wandern über seine Seiten, über seine Hüften, bis er seine Hose erreicht. Gemeinsam schaffen sie es, auch die letzte Schicht zwischen sich loszuwerden. Und dann... dann ist da nichts mehr zwischen ihnen. Nur nackte Haut und pochende Lust.

Louis lässt sein Becken gegen Harry kreisen, reibend, während seine Lippen sich an Harrys Hals festsaugen.
Der Lockenkopf stöhnt. Laut. Rau.
Und Louis grinst gegen seine Haut.
„Das wollt ich hören", murmelt er, bevor er sich aufrichtet, nur einen Moment, um die Gleitgel-Tube und ein Kondom aus der Sofaritze zu ziehen.
Natürlich liegt da eine. Sie sind eben gut vorbereitet in dieser WG.
Dann beugt Louis sich wieder vor, küsst ihn, während seine Hand zwischen Harrys Beine gleitet. Vorsichtig, aber ohne Zögern. Ein Finger. Zwei. Und Harry spannt sich an, lässt ein kehliges Keuchen hören, sein Kopf fällt zurück ins Kissen.
„Fuck... Louis..."
„Shh", haucht der Ältere und beugt sich runter. „Du wolltest laut sein, oder? Dann sei laut."
Und Harry ist laut.
Als Louis ihn vorbereitet, tief und gründlich. Als er sich dann über ihn beug, als er schließlich eindringt, langsam, aber bestimmt, stößt Harry ein so raues, klangvolles Stöhnen aus, sodass Louis selbst beinahe kommt.
„Gott, Harry", presst er hervor, seine Stimme bricht fast.

Sie bewegen sich im Rhythmus, synchron, als hätten sie nie etwas anderes getan.
Tief.
Intensiv.
Harrys Beine umklammern Louis' Hüfte, seine Hände klammern sich an seinen Rücken, krallen sich dort fest, wo seine Fingernägel Spuren hinterlassen.
Louis beugt sich vor, küsst ihn, drückt ihn tiefer in das Sofa, flüstert Dinge an seinen Hals, die Harry nicht einmal richtig versteht, nur spürt.
Seine Stimme, sein Atem, seine Wärme.

Es fühlt sich zu gut an.
Zu vollkommen.
Zu alles.
Die Bewegungen werden schneller, wilder, grober. Louis ist überall, auf ihm, in ihm, um ihn herum.
Harry schreit fast, als er einen bestimmten Punkt trifft. Immer wieder. Immer tiefer.
„So laut, Sun", keucht Louis gegen seine Wange. „So verdammt laut für mich."
Harry hebt die Hüften, nimmt ihn noch tiefer auf, seine Fingernägel ritzen Linien in Louis' Haut - sein Körper bebt.

Harry hält es nicht mehr aus.
Sein ganzer Körper ist angespannt, ein einziges flammendes Glühen. Jeder Nerv vibriert, jede Faser ist auf Louis eingestellt, auf seine Bewegungen, seine Hände, seinen Atem, der immer wieder an seine Haut schlägt wie eine Welle, die ihn mitreißt.

Und dann geschieht es.

Er öffnet die Augen, blickt Louis an. Dessen Haare kleben feucht an der Stirn, seine Lippen sind rot, leicht geöffnet, seine Hüfte bewegt sich unnachgiebig, tief, fordernd.
Und doch, will er mehr. Will es spüren. Kontrollieren. Beherrschen. Nur einmal.
„Lass mich", keucht er, seine Stimme brüchig und rau vor Lust. „Ich will... ich will oben."
Louis hält inne, ein leises, dunkles Knurren in seiner Brust. Überraschung blitzt in seinen Augen auf.

Er zieht sich zurück, langsam, während Harry sich aufsetzt, ihn drängt, ihn mit einem Kuss zum Schweigen bringt. Der Lockenkopf wirft ein Kissen auf den Boden, dann steigt er rittlings über Louis, drückt ihn zurück gegen das Sofa, die Hände an dessen Brust. Der Blickkontakt reißt nicht ab. Sekundenlang sehen sie sich nur an. Dann senkt sich Harry auf ihn herab. Langsam, quälend langsam. Louis' Hände klammern sich an Harrys Hüften, graben sich in die weiche Haut, als wolle er verhindern, dass dieser Moment zu schnell vorbeigeht. Und Harry stöhnt auf, laut, ungebremst, als Louis sich wieder in ihn versenkt.
Der Winkel ist neu, anders, aber perfekt.
Er hebt sich an, senkt sich wieder. Hebt sich. Senkt sich. Tiefer. Schneller.
Louis' Kopf fällt zurück, ein raues „Fuck" entweicht ihm, seine Finger streichen zitternd über Harrys Brust.
„Jesus, Harry... du..." Louis' Stimme bricht.
Harry fährt fort, sein Rhythmus ist flüssig, kontrolliert, seine Bewegungen treiben Louis fast in den Wahnsinn. Er reitet ihn mit einer Lust, die in seinen Adern lodert, mit einer Kraft, die nicht mehr zu zähmen ist. Sein ganzer Körper glüht, seine Lippen sind geschwollen, seine Finger krallen sich in Louis' Schultern und das Stöhnen, das dabei aus ihm herausbricht, ist so roh, so ungebremst, dass es Louis endgültig zerreißt.
„Ich... Ich kann nicht mehr", presst Louis hervor, seine Hüfte zuckt unter ihm.
Er ist so nah dran, so verdammt nah. Louis ist außer sich, seine Hände klammern sich an Harrys Po, ziehen ihn noch fester auf sich.
Der Kuss, der sie verbindet, ist verschmiert und wild, mehr Zähne als Lippen, mehr Lust als Kontrolle.

Und dann - ein einziger, zuckender Moment.
Harry kommt mit einem langen, gebrochenen Stöhnen, sein Körper erzittert, krümmt sich, hebt sich noch einmal, ehe er zusammenbricht. Seine Flüssigkeit landet zwischen ihnen, heiß, schmutzig, vollkommen.
Louis folgt Sekunden später.
Mit einem heiseren Fluch und einem tiefen, rauen Laut, der direkt aus seiner Brust zu kommen scheint, schiebt er sich ein letztes Mal hoch, stößt in Harry hinein und vergräbt seine Finger in dessen Hüften, als würde er sich an ihm festhalten müssen, um nicht zu zerfallen.

Sie verharren so.
Verschwitzt.
Keuchend.
Nur der dumpfe Beat des Films im Hintergrund, der längst in eine Schlachtszene übergegangen ist, erinnert daran, dass die Welt sich außerhalb von ihnen weiterdreht.

Harry fällt vornüber, stützt sich auf Louis' Brust ab, noch immer außer Atem, noch immer halb zitternd. Louis streicht ihm beruhigend durch die Locken, seine andere Hand liegt flach auf Harrys Rücken.
Kein Wort wird gesprochen.
Nicht nötig.

Denn was sie da gerade geteilt haben, das war nicht nur Sex.
Das war ein Beben.
Ein Feuer, das sie beide verschluckt hat.
Und irgendwie... fühlt es sich verdammt richtig an.

Salt&CaramelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt