Emo-Wischmop

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Louis hat sich also die ganze Zeit wie der reinste Vollidiot verhalten, weil er Angst hat?
Harry ist wahrhaft sprachlos und kann den Älteren nur mit geöffneten Mund anstarren. 
Louis hingegen wird nervös. Harry steht einfach nur da und sieht ihn an. Er sagt nichts, schweigt... kein gutes Zeichen, oder? Vielleicht hätte er nicht ehrlich sein sollen. Er hätte einfach weitermachen sollen, wie bisher. 
"Und... und jetzt?", unterbricht der Lockenkopf die wirren Gedanken von Louis und lässt diesen zusammenzucken. 
"Was meinst du?"
Unsicher nagt der Jüngere auf seiner Lippe herum, bis er sich räuspert.
"Naja... wir haben uns gerade quasi gegenseitig die Gefühle gestanden. Was machen wir jetzt damit? Ich meine... sind wir... wir? Oder sind wir... mehr als wir?"
Ein Lächeln huscht über Louis' Gesicht und er merkt, wie er sich entspannt. Er legt seine rechte Hand auf die Wange des hübschen, jungen Mannes vor sich, streichelt zart darüber und merkt das verliebte Kribbeln in seinem Bauch, welches er sich bisher immer verboten hat. 
"Möchtest du denn, dass wir mehr als wir sind?", fragt Louis leise und sieht dem Lockenkopf in die grünen Augen. Dieser schluckt nervös, atmet hektisch und schnell, dann nickt er. Zaghaft, unsicher, aber er nickt.
"Möchtest du es denn?"
"Fragst du das gerade ernsthaft?"
Louis guckt empört, doch dann muss er grinsen und legt nun auch die linke Hand auf Harrys Wange. 
"Was sollen wir denn sonst aus dieser Konstellation machen? Immerhin hast du dich aus Versehen in mich verliebt und ich fand dich schon früher süß. Wenn das nicht nach einem kitschigen Ende klingt, wonach dann?"
Harry stöhnt gequält auf.
"Bitte nicht kitschig."
Louis lacht leise, beugt sich vor und flüstert ihm mit einem frechen Grinsen ins Ohr: "Keine Sorge, du Emo-Wischmopp. Ich hab mich auch nur in dich verknallt, weil dein Hirn scheinbar im Sonderangebot war."
Harry grinst. 
"Schon besser."
"Gut. Darf ich dich dann jetzt endlich küssen, oder müssen wir weiter darüber diskutieren, wie dämlich wir sind?"
Die Wangen des Lockenkopfes erröten sich. "Also mehr als wir."
"Definitiv mehr als wir."
Ein Blick, ein glückliches Lächeln - und dann, endlich der Kuss.

In dieser Nacht ist es anders als sonst. Irgendwie langsamer, ohne Eile und Hektik. Es scheint, als ob es nur die beiden gibt und sie alle Zeit der Welt haben. Immer wieder machen sie kleine Pausen, in denen sie sich einfach nur küssen, flüstern, kichern - dann durchdringt wieder ein tiefes Stöhnen das kleine Zimmer im Studentenwohnheim. Sie nehmen sich Zeit, erkunden ihre Körper das erste Mal mit diesem berauschenden Gefühl der Verliebtheit, sehen sich an, berühren sich und können nicht genug voneinander bekommen. Immer wieder hauchen sie ihre Namen, stöhne ihn leise oder keuchen ihn. 
Und dann, als es draußen beginnt zu dämmern, lassen sich die zwei verliebten Männer erschöpft und vollkommen ausgepowert in die Kissen sinken. 
Ein letzter Kuss folgt, dann kann keiner der Beiden seine Augen noch offen halten. 

Drei Stunden später ertönt dann allerdings der Handywecker von Louis. 
Unliebsam wird das verliebte Paar aus dem viel zu kurzen Schlaf gerissen und grummelnd fummelt Louis auf dem Boden herum, damit er sein Handy aus seiner Hosentasche ziehen kann. Er stellt den Wecker aus, gähnt und dreht sich dann zu dem hübschen Lockenkopf herum.
"Warum ist dein Wecker an?", kommt es ins Kissen genuschelt von Harry, als Louis aus dem Bett krabbelt und sich seine Kleidung greift. 
"Ich weiß nicht, wann Zayn hier auftaucht", gesteht Louis und schließt den Knopf seiner Jeans. Der Lockenkopf richtet sich derweil auf und sieht ihn mit müden Augen an.
"Wie... wie machen wir das jetzt? Mit den anderen?"
Auch Louis hat darüber vor dem Schlafen noch nachgedacht, weshalb er unbeholfen mit den Schultern zuckt. Zu einem Ergebnis ist er nämlich nicht gekommen. 
"Wie wäre es, wenn wir es ihnen erstmal nicht sagen und uns langsam wie normale Menschen verhalten?", schlägt er vor und sieht Harry an, dass er noch zu müde ist, um das schnell zu kapieren.
"Wir streiten uns nicht mehr und sind nett zueinander. Fangen wir damit an. Dann sind nicht alle so geschockt, wenn sie es erfahren."
Der Lockenkopf nickt. Klingt plausibel und nach einem Plan. 
Als Louis dann auch seine Schuhe anhat, geht er noch einmal zum Bett. Er umfasst Harrys Kinn, beugt sich herunter und gibt ihm einen Kuss, bei welchem Harry den Älteren am liebsten direkt wieder ins Bett ziehen möchte. 
"Sehen wir uns später?", fragt Louis leise und kann sein Lächeln nicht unterdrücken. 
"Ich denke, das kann ich einrichten."
Der Wuschelkopf nickt grinsend, zwinkert Harry zu und öffnet dann die Tür.
"Ich schreibe dir später."


Salt&CaramelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt