"Was bitte war das gerade?", haucht Louis vollkommen fassungslos, während er noch immer durch Harrys Locken streichelt.
"Ich meine... ich hatte ja keine Ahnung, wie du sein kannst, wenn uns niemand hören kann."
Harry schmunzelt, die Wangen dabei tiefrot und etwas peinlich berührt. Eigentlich sollte er sich nicht so gehen lassen. So laut ist er nicht. Eigentlich.
"Ich... weiß nicht", gesteht er und vergräbt seinen Kopf in Louis' Halsbeuge.
"Ist so mit mir durchgegangen."
Louis lacht leise, drückt dem Lockenkopf einen Kuss auf dein Scheitel.
"Ich steh' drauf, wenn es mit dir durchgeht."
Irgendwann gehen sie dann ins Bett. Die Nacht ist längst angebrochen und in all der Stille können sie die Müdigkeit nicht mehr verbergen.
Harrys Beine zittern, als er sich zu Louis unter die Bettdecke legt. Sein Körper noch immer erschöpft.
Ein sanfter Kuss entsteht, langsam, zart, ein gehauchtes "Gute Nacht", bevor sie endgültig ihre Augen schließen.
Das erste Licht fällt durch die halb geöffneten Vorhänge, zeichnet helle Streifen auf das zerwühlte Laken.
Harry blinzelt.
Louis liegt noch neben ihm, halb auf dem Bauch, die Haare zerzaust, die Lippen leicht geöffnet. Er atmet ruhig, gleichmäßig, vollkommen entspannt, als gäbe es nichts auf der Welt, was ihn aus der Ruhe bringen könnte.
Harry liegt still. Zu still.
Weil sein Kopf längst wach ist und auf Hochtouren arbeitet.
Und sich alles fragt, was er nicht fragen sollte.
Louis bewegt sich leise, schlägt langsam die Augen auf, blinzelt ins Licht.
„Guten Morgen", murmelt er, die Stimme noch rau vom Schlaf, oder vom Stöhnen gestern Abend.
„Morgen", flüstert Harry zurück, ein Lächeln auf den Lippen.
Stille.
Louis dreht sich ganz zu ihm. Legt die Hand an seine Hüfte, streicht mit dem Daumen langsam über die nackte Haut.
„Komm. Ich mach Frühstück."
Zwanzig Minuten später sitzen sie in T-Shirts und Jogginghosen am Küchentisch. Louis hat frisches Brot aufgeschnitten, Rührei gemacht, Kaffee eingeschenkt. Ganz selbstverständlich.
Als würde das hier normal sein.
Für Louis ist es das vielleicht auch.
Für Harry... nicht.
Er rührt in seinem Kaffee, sieht dabei zu, wie Louis die Butter auf dem warmen Toast verstreicht. So locker, so unbeschwert.
Harry schluckt.
„Ich..."
Er bricht ab. Räuspert sich. Versucht's noch mal.
„Ich überleg, ob ich gleich gehen soll."
Louis hebt den Blick. Ganz ruhig. Kein Schock. Kein Zucken. Nur ein leises Nicken.
„Okay."
Dann schiebt er sich ein Stück Toast in den Mund, kaut. Schluckt.
„Musst du was erledigen?"
Harry schüttelt den Kopf.
„Nee. Eigentlich nicht."
Louis sagt nichts.
Er nimmt einen Schluck Kaffee.
Lehnt sich ein Stück zurück.
Und sieht ihn dann einfach nur an.
„Dann bleib doch."
So leicht sagt er das. So selbstverständlich.
Als gäbe es keinen Grund, warum Harry gehen sollte.
Aber genau das macht es schwerer.
Weil es sich plötzlich... richtig anfühlt. Und Harry nicht weiß, ob es das darf.
„Ich will nicht nerven oder so", murmelt er und starrt auf seine Tasse.
„Du nervst nicht."
„Ich will auch nicht... irgendwas voraussetzen."
Louis lächelt. Dieses schiefe, weiche Lächeln, das Harry jedes Mal ein bisschen mehr aus dem Gleichgewicht bringt.
„Sun... wir haben die Wohnung für uns und wenn du gerne noch bleiben möchtest, habe ich da kein Problem mit."
Da ist es wieder.
Sun.
Louis beugt sich vor, legt eine Hand auf Harrys Knie.
„Lass uns frühstücken. Dann aufs Sofa. Dann gucken wir eine Serie. Später Mittagessen. Und heute Abend bestell ich Pizza und du zeigst mir nochmal, wie du sein kannst, wenn du die Kontrolle verlierst."
Ein Zwinkern.
Ein Funke in seinen Augen.
„Deal?"
Harry schaut ihn an. Lange.
Dann nickt er.
Leise. Aber ehrlich.
„Deal."
Spät am Abend ist die Pizza gegessen, die Serie läuft irgendwo im Hintergrund weiter, aber keiner von ihnen achtet mehr wirklich darauf.
Sie liegen auf dem Sofa, eng aneinandergekuschelt, Louis halb auf dem Rücken, Harry mit dem Kopf auf seiner Schulter, eine Hand flach auf Louis' Bauch.
Es fühlt sich leicht an. Warm.
Und gleichzeitig vibriert die Luft, als würde jede kleinste Bewegung, jeder Atemzug, jede Berührung eine neue Welle von etwas anstoßen, das unausweichlich auf sie zukommt.
Harry dreht den Kopf ein wenig, schmiegt sich noch näher an Louis, riecht sein Shampoo, seinen Geruch, seine Wärme.
Er spürt Louis' Hand, die langsam über seinen Rücken streicht, kleine Kreise, kaum spürbar, aber immer da.
„Es ist komisch", murmelt Harry plötzlich, seine Stimme gedämpft durch Louis' T-Shirt, „wenn du nicht mindestens einmal am Tag was Gemeines zu mir sagst."
Ein leises Lachen vibriert unter seiner Wange.
Louis' Hand stoppt für einen Moment, dann streicht sie weiter, ein bisschen fester jetzt.
„Hab ich doch", murmelt Louis schließlich, sein Ton spielerisch.
„Vorhin. Als ich gesagt hab, du siehst aus wie ein durchnässtes Hündchen, nachdem du aus der Dusche kamst."
Harry grinst gegen seinen Oberkörper.
„Das zählt nicht. Du hast dabei gelächelt."
Louis hebt eine Augenbraue, auch wenn Harry das nicht sehen kann.
„Aha. Also nur böse gemeinte Beleidigungen zählen?"
Er klingt amüsiert, ein bisschen herausgefordert.
Harry nickt leicht, seine Finger spielen mit dem Saum von Louis' T-Shirt.
„Genau. Sonst weiß ich doch gar nicht, woran ich bin."
Stille.
Dann spürt Harry, wie Louis sich bewegt.
Wie er sich ein Stück aufrichtet, sich über ihn beugt, sodass Harry gezwungen ist, den Kopf zu heben.
Ihre Gesichter sind jetzt nur Zentimeter voneinander entfernt.
„Dann werde ich mich wohl bessern müssen", murmelt Louis, seine Stimme dunkel, tief, mit einem Grinsen, das Harrys Bauch flackern lässt.
Seine Hand wandert langsam von Harrys Rücken über die Seite nach vorne, streift seine Taille, seine Hüfte.
„Ab morgen bekommst du wieder deine tägliche Dosis Beleidigungen. Versprochen."
Er beugt sich noch näher, ihre Nasen berühren sich beinahe.
Harry hält den Atem an.
„Aber heute...", flüstert Louis, seine Lippen so nah, dass Harry seinen Atem auf der eigenen Haut spüren kann, „...heute hast du Glück."
Ein leiser Laut entweicht Harry, irgendwo zwischen Lachen und Seufzen.
Und dann schließt Louis den Abstand.
Sein Kuss ist weich, langsam, fast zärtlich, aber nur für einen Moment. Dann schiebt sich eine Hand in Harrys Locken, zieht ihn näher, tiefer in den Kuss hinein.
Harry keucht leise, öffnet bereitwillig den Mund, lässt Louis' Zunge seine finden, spürt das vertraute, kribbelnde Ziehen in seinem Bauch.
Es ist kein hektisches Küssen.
Kein Gieriges.
Es ist langsam, fordernd, aufbauend.
Als wüssten beide genau, dass sie Zeit haben. Dass es heute keine Eile gibt.
Louis zieht Harry auf seinen Schoß, der Lockenkopf lässt es zu, schlingt die Arme um Louis' Nacken, seine Knie links und rechts von dessen Hüften.
Ihre Körper passen zusammen, als wären sie genau dafür gemacht.
Louis' Hände wandern unter Harrys Shirt, streifen über warme Haut, während Harry langsam seine Hüften gegen ihn kreisen lässt, ein fast unmerkliches Reiben.
Louis stöhnt leise in seinen Mund, zieht ihn noch enger an sich.
„Sun...", haucht er rau, und Harry spürt, wie sein Herz gefährlich schnell schlägt.
Wie Hitze sich in ihm ausbreitet, tief und träge und süß.
Seine Hände graben sich in Louis' Haare, seine Zunge streicht forsch über dessen Lippen, bevor er sich wieder aufrichtet, beide atemlos.
Ihre Blicke treffen sich.
Lang.
Schwer.
Und alles, was Harry in diesem Moment will, ist genau hier zu bleiben.
Sich genau diesem Gefühl hinzugeben.
Sich in Louis zu verlieren.
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Salt&Caramel
FanfictionManchmal braucht es nur eine Minute, um zu wissen, ob man jemanden mag oder nicht. Eine Minute, die sofort verrät, ob die Chemie zwischen zwei Personen stimmt. Eine Minute, die über die Zukunft entscheidet. So wie bei Harry und Louis. Eine Minute, i...
