Harry einfach mal machen lassen, erwies sich für Louis als äußerst überraschend. Anscheinend hat der Lockenkopf eine Seite an sich, die Louis bis Dato noch nicht kennengelernt hatte.
Harry hingegen denkt in diesem Moment einfach nicht mehr nach. Fest packt er Louis an den Schultern, presst seinen Körper gegen den des Älteren und küsst ihn mit einer Leidenschaft, die ihn selbst überrascht. Spätestens jetzt kann er nicht mehr leugnen, dass er sich zu dem nervigen Gnom hingezogen fühlt. Sein Körper spricht für sich und wenn Harry ehrlich zu sich selbst ist, dann macht es einfach keinen Sinn mehr, das zu ignorieren.
Louis' Hände krallen sich unterdessen in Harrys Pullover, ihre Körper so fest aneinander gepresst, dass kein Blatt dazwischen passen würde. Sie taumeln durch den Raum, bis Louis mit den Rücken gegen den Kühlschrank prallt und dieser unglaubliche Kuss sie vollkommen einnimmt. Hitze breitet sich in ihren Körpern aus, das wilde Klopfen ihrer Herzen ist vermutlich deutlich zu hören und eine Welle der Ekstase rauscht durch ihre Venen.
Doch dann hört man, wie sich die Haustür öffnet und die Stimmen von Zayn und Liam in die Küche dringen. Sofort reißt sich Harry von Louis los, sieht ihm mit vor Schock geweiteten Augen an und eilt an seinen Platz zurück, wo er sich mit zitternden Händen wieder dem Gemüse widmet. Louis hingegen atmet zitternd ein, dreht sich um, öffnet den Kühlschrank und steckt einfach seinen Kopf hinein.
Was bitte war das?
So wurde er noch nie geküsst.
Scheiße, sein ganzer Körper scheint zu beben und wenn Liam und Zayn nicht gekommen wären...
"Ihr lebt noch", hört man die erleichterte Stimme von Zayn, aber Louis traut sich noch nicht aus dem Kühlschrank heraus. Sicherlich ist er knallrot.
"Wir haben schon mit dem Schlimmsten gerechnet", beichtet Liam.
"Habt ihr alles?", möchte Harry wissen und klingt dabei schroffer, als er es beabsichtigt hat. Sein Gehirn ist noch etwas matschig und er ertappt sich dabei, dass er das erste Mal in seinem Leben seinen besten Freund gerade in die Wüste schicken möchte.
Louis traut sich dann endlich wieder aus dem Kühlschrank heraus und sieht die beiden Männer an. Ihm ist noch immer heiß und ein verstohlener Blick zu Harry sagt ihm, dass auch Harry noch mit seinem Körper hadert.
Louis muss mehr von diesem Harry bekommen.
Als die vier Freunde später vor dem Fernseher sitzen und einen Film schauen, lassen sie sich dabei ihre selbstgemachten Burger schmecken.
Harry und Louis sind dabei erstaunlich ruhig und Zayn freut sich, dass an diesem Abend keine Beleidigungen oder Sticheleien zwischen ihn durch den Raum fliegen. Er hinterfragt nicht, warum es so ist. Er freut sich einfach.
Für die beiden Männer hingegen ist das hier eine Tortur. Sie wagen es kaum, sich in die Augen zu schauen, zu groß ist die Angst, dass die geladene Energie sie wieder einholt.
Immer wieder sieht Harry deshalb auf die Uhr und als der Film endlich zu Ende ist, springt er beinahe panisch vom Sofa und sieht Liam und Zayn entschuldigend an.
"Danke für das Essen, aber ich werde jetzt gehen."
"Jetzt schon?"
Zayn sieht ihn geknickt an. War der Abend doch eigentlich so harmonisch. Also in seinen Augen jedenfalls.
"Ich möchte noch ein wenig lernen", lügt der Lockenkopf und hebt seine Hand, winkt und eilt dann in den Flur. Er zieht seine Schuhe und Jacke an, sieht dann noch einmal ins Wohnzimmer und verabschiedet sich, wohl wissend, dass sein bester Freund die Nacht hier bleiben wird.
Louis ignoriert er einfach.
Er will einfach nur schnell weg.
Harry ist schon fast an seinem Wohnheim angekommen, als er schnelle Schritte hinter sich hört. Sein Körper spannt sich an und ein Hauch von Angst breitet sich in ihm aus.
"Harry."
Sofort bleibt der Lockenkopf stehen.
"Verdammt bist du schnell", kommt es keuchend von Louis, als dieser den Lockenkopf endlich einholt und sich neben ihn stellt.
"Du bist mir gefolgt?"
Louis schnaubt und atmet den fehlenden Sauerstoff ein.
"Denkst du, ich lasse dich nach der Scheiße mit diesem Affenarsch alleine gehen?"
"Rick. Er heißt immer noch Rick."
"Pff ... mir doch egal, wie der heißt."
Harry schmunzelt und sieht Louis belustigt an.
"Er ist kein kranker Stalker, weißt du? Du musst nicht mein Kindermädchen spielen."
Wieder schnaubt Louis.
"Selbst wenn er kein Stalker ist, kann er dir trotzdem auflauern."
Unbehaglich lässt Harry seinen Blick schweifen. Er glaubt zwar nicht, dass Rick ihm etwas tun würde, aber auf ein Aufeinandertreffen mit ihm kann er gerne verzichten.
"Was hast du Liam und Zayn gesagt?", fragt er lieber und schiebt seine Hände in seine Jackentaschen.
"Dass ich in die Kneipe gehe. Die können die Zeit alleine schon nutzen."
Louis wettet, dass sie jetzt bereits keine Kleidung mehr tragen.
Und dann bleibt es still zwischen ihnen.
Es liegt in der Luft. Die unausgesprochene Frage, das Verlangen ... es ist zum Greifen nahe, doch keiner der beiden macht den ersten Schritt. Keiner von ihnen möchte der Erste sein, der diesem Gefühl nachgeht.
"Dann ...", beginnt Harry, verstummt dann aber wieder. Er ist ja jetzt vor dem Wohnheim. Also kann Louis ja wieder gehen. Eigentlich. Also ... hm.
"Ja", gibt Louis von sich und sieht sich um.
Ihre Blicke treffen sich, ein Schauer kriecht über ihre Körper und das bekannte Kribbeln kehrt zurück. Was auch immer es ist, sie wollen es beide wieder. Sie wollen beide wieder dieses unglaubliche Gefühl spüren, wenn ihre Körper aufeinandertreffen.
Ohne ein weiteres Wort geht Harry los. Louis folgt ihm, eine stille Abmachung.
Schweigend betreten sie das Wohnheim, gehen durch die Flure und kommen in Harrys und Zayns Zimmer an. Der Lockenkopf verschließt die Tür hinter ihnen, dann dreht er sich zu Louis um, in dessen Augen bereits das Feuer zu brennen scheint. Sie verlieren keine Sekunde mehr, vergeuden keine Zeit mit unnötigen Diskussionen. Stattdessen umschlingen sie sich und führen den verheißungsvollen Kuss aus der Küche weiter.
Sie landen auf Harrys Bett, eng umschlungen und mit deutlich weniger Kleidung an ihren Körpern als noch vor wenigen Minuten. Sie lassen sich von ihrem Rausch gleiten, geben sich hin und genießen das enorme Knistern, welches sie in eine komplett andere Welt zu katapultieren scheint. Es ist absurd und unglaublich zugleich. Scheint sich die negative Energie, die sonst dem Hass zuzuschreiben ist, in etwas Leidenschaftliches umzuwandeln.
Jede Berührung, jede Liebkosung scheint eine neue Welle der Faszination auszulösen.
Und als sie wenig später eins werden, sich im prickelnden Gefühl des Verlangens verlieren, ist ihnen beiden klar, dass sie sich nicht mehr länger gegen die körperliche Anziehung wehren können. Hiernach werden sie nicht einfach wieder weitermachen können wie zuvor.
Das hier ... das hier ändert alles.
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Salt&Caramel
FanfictionManchmal braucht es nur eine Minute, um zu wissen, ob man jemanden mag oder nicht. Eine Minute, die sofort verrät, ob die Chemie zwischen zwei Personen stimmt. Eine Minute, die über die Zukunft entscheidet. So wie bei Harry und Louis. Eine Minute, i...
