Multiversum

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Als Harry das nächste Mal seine Augen öffnet, bemerkt er sofort die Übelkeit, welche sich durch seinen Körper zieht. Aber kaum, dass sich seine Sicht aufgeklärt hat, wird die Übelkeit mit einem heftigen Stoß noch einmal verstärkt.
Mist!
Verfluchter Mist!
Wieso um alles in der Welt liegt Louis neben ihm? Und warum klammert sich Harry an ihn, wie ein Koalababy an seine Mama?
Plötzlich zieht ein stechender Schmerz durch seine Schläfen und Harry reißt sich panisch von Louis los. Sein Mageninhalt bahnt sich einen Weg nach oben und hastig springt er aus dem Bett, verheddert sich dabei in der Bettdecke und kann einen Sturz gerade noch so verhindern.

Louis wird natürlich von dieser hektischen Aktion wach, doch als er sich umdreht, sieht er nur noch Harrys Rückseite, wie diese gerade aus dem Zimmer rennt.
Na so hat ja auch noch niemand reagiert, der neben ihm geschlafen hat. Als er dann allerdings Geräusche aus dem Badezimmer hört, ist er sehr dankbar, dass Harry aus dem Bett gesprungen ist.
Es dauert etwas, bis Harry das Schlafzimmer wieder betritt. Vermutlich hat er die Hoffnung gehabt, dass Louis noch schläft, aber das kann er nach dieser Aktion nun wirklich nicht verlangen. Das ganze Bett hat gewackelt, als Harry mit einem eleganten Hechtsprung "aufgestanden" ist.
Harrys Gesicht ist blass, der Ansatz seiner Haare feucht. Ihm geht es schlecht, das kann man ihm ansehen.
"Na, Kater?"
Harry brummt nur und krabbelt zurück ins Bett. Ihm doch egal, dass Louis da noch liegt. Er will einfach nur liegen und seine Ruhe haben.
Louis gähnt neben ihm, löscht das Nachtlicht, welches vermutlich die ganze Nacht gebrannt hat und zieht die Bettdecke über seinen Körper. Es ist gerade mal halb vier in der Früh. Sie können noch ein bisschen schlafen.
Das Vorhaben gestaltet sich allerdings als ziemlich schwer, denn Harry wälzt sich ununterbrochen hin und her.
"Du bist und bleibst eine verdammte Nervensäge", brummt Louis und dreht sich auf die Seite.
Harry möchte gerade los meckern, als sich Arme um ihn schlingen und er mit sanftem Druck gegen Louis Brust gezogen wird.
"Was-" – "Halt die Klappe und schlaf endlich."
Himmel, das hält ja keiner aus.
Der Lockenkopf verstummt, liegt allerdings stocksteif da und starrt im Dunklen gegen Louis' Brust. Also, hofft er zumindest. Erkennen kann er absolut nichts mit diesen super tollen Verdunkelungsrollos, die absolut nichts durchlassen. Wieder brummt Louis und beginnt langsam über Harrys Rücken zu streicheln. Wenn er denn endlich mal schlafen würde...
Sanft und zart scheinen seine Fingerspitzen über Harrys Rücken zu tanzen und Harry will es nicht genießen. Er will es nicht schön finden und vor allem will er nicht, dass er sich noch enger an Louis kuschelt und ein zufriedenes Seufzen von sich gibt. Er will das alles nicht, aber das spielt keine Rolle. Harry genießt es, seufzt leise und merkt, wie er immer schläfriger wird.
Verdammter Mist.

"Kneif mich mal."
"Kneif du mich lieber."
"Sind wir tot? Ist das der Himmel?"
"Vielleicht auch Koma."
"Das Multiversum wäre auch eine Möglichkeit."
"Ja. Anders kann ich mir das nicht erklären."
"Sind wir auf Drogen?"
"Multiversum. Ich bleibe dabei."

"Habt ihr es dann mal?", kommt es verschlafen und müde von Louis. Will ihn hier eigentlich jeder verarschen? Warum darf er nicht mal schlafen? Erst weckt ihn Harry und jetzt quatschen Liam und Zayn hier irgendeinen Bullshit.
"Äh..."
Gut. Dann öffnet Louis eben seine Augen. Er reibt sich über das Gesicht und setzt sich auf. Harry rutscht dabei von seinem Oberkörper und landet auf seinem Schoß. Stört ihn anscheinend nicht, denn der pennt einfach weiter. Immerhin einer, der hier schlafen kann.
"Was?", blafft Louis seine Freunde an und sieht zu Liam und Zayn, die wie bestellt und nicht abgeholt in der Zimmertür stehen.
"Lebt Harry noch?", möchte Zayn wissen und sieht aus, als wenn er einen Geist gesehen hat.
"Warum sollte er nicht leben?"
Hä?
"Warum... ihr... habt ihr..." - "Liam, kannst du bitte ganze Sätze sprechen? Ich hatte wenig Schlaf und keinen Kaffee. Ich habe keine Lust auf Rätselraten. Komm zum Punkt oder bring mir Kaffee."
"Sex?"
Genervt verdreht der Braunhaarige seine Augen.
"Sex? Vergiss es. Kaffee. Für Sex hast du deinen Freund."
Himmel, sind hier alle dumm?
"Er meint, ob ihr... Ob ihr Sex hattet", korrigiert Zayn und sieht zwischen dem noch schlafenden Harry und Louis hin und her.
Louis hingegen schüttelt sofort seinen Kopf.
"Kann man nicht einfach neben jemanden schlafen, der komplett betrunken ist? Ich habe lediglich auf Harry aufgepasst, das ist alles."
"Du?"
Zayn kann es nicht glauben.
"Hätte ich ihn lieber liegenlassen sollen, als er gestolpert ist?"
"Nein, ich... danke?"
Louis schnaubt und nickt. So. Bekommt er dann jetzt endlich mal einen Kaffee? Wenn ihn hier schon alle auf den Keks gehen?
"Wir sollten... äh..." - "Kaffeekochen. Gute Idee, Liam", murmelt Louis und verdreht seine Augen. Liam nickt schnell und schiebt seinen Freund aus dem Zimmer. Leise schließt sich die Zimmertür hinter ihnen und als ihre Schritte sich entfernen, neigt Louis seinen Kopf und sieht zu Harry.
"Du kannst aufhören, so zu tun, als ob du schläfst."
Harry rührt sich nicht, was Louis zum Schmunzeln bringt.
"Gut, dann tu halt weiter so. Aber wenn du weiter so nah an meinem Schwanz liegst, kann ich für nichts garantieren. Und dann musst du beenden, was du angefangen hast."
Zack. Da sind Harrys Augen offen und sein Körper schießt in eine aufrechte Position.
Besser als jeder Wecker.

Salt&CaramelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt