Nein. Niemand

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Weihnachten im Hause Styles läuft jedes Jahr gleich ab.
Sobald Gemma und Harry wach sind, machen sie es sich auf dem Sofa gemütlich und sehen sich ihren Lieblingsfilm an. Eine schöne Bescherung mit Chevy Chase. Harry kann ihn beinahe mitsprechen, liegt aber trotzdem jedes Mal vor Lachen am Boden, wenn Cousin Eddie vorbeikommt und sein verstopftes Klo entsorgt. Anschließend gibt es ein reichliches Frühstück, bestehend aus Waffeln und viel Obst. Danach geht der Filmmarathon weiter und sie schauen den Grinch, dieses Mal mit ihrer Mutter.
Gegen Mittag werden die Verwandten abgeklappert. Ein eher unliebsamer Teil, den weder Gemma noch Harry mag. Es sind immer die gleichen Gespräche und Gemma schwört, dass, wenn sie noch einmal gefragt wird, wann sie endlich Kinder bekommt, dass sie dann zum Axtmörder wird. Sie braucht ja erstmal einen Mann und überhaupt... sie ist doch erst Mitte zwanzig. Vielleicht möchte sie ja mit der Familienplanung noch ein bisschen warten... 
Danach fragt niemand. 
Und Harry?
Der ignoriert die Aussagen seines Onkels, wie jedes Jahr. Bisexuell? Ob das so richtig ist? Mit einem Mann kann er immerhin keine Kinder haben und überhaupt... Bla Bla Bla. Gut, dass die anderen Familienmitglieder mit dem Thema entspannter umgehen. 
Am frühen Abend gehen sie in die Kirche. Niemand ist wirklich gläubig, aber die kleine Emma von nebenan spielt jedes Jahr bei dem Krippenspiel mit und sie wären Unmenschen, wenn sie sich das nicht ansehen würden. Immerhin schreibt sie jedes Jahr eine Einladung. Also... sie malt ein Bild und ihre Mutter schreibt dann in ihrem Namen, dass sie sich sehr freuen würde, wenn die Familie Styles ihr zuschauen wird. Wie kann man da nein sagen?
Ganz traditionell gibt es nach der Kirche endlich Raclette. Anna, die Mutter der beiden, hatte vor drei Jahren versucht, etwas anderes zu kochen, doch weder Gemma noch Harry fanden es toll. Raclette gehört in ihren Augen zu Weihnachten, wie der Weihnachtsmann. Fertig. Also Raclette für immer. 
Und als dann auch die Bescherung durch ist, kommt auch Zayn vorbei und der Abend wird noch besser. 

"Okay, Zaynie, jetzt will ich alles über deinen Freund wissen", fordert Gemma und schenkt ihr Weinglas ordentlich voll. Anne hat sich in der Zwischenzeit zum Nachbarn verabschiedet. Dort trinkt sie, wie jedes Jahr, zu viel Rotwein und versucht es am nächsten Morgen zu ignorieren. 
"Was möchtest du denn wissen?"
"Na einfach alles", grinst die Brünette und lehnt sich entspannt zurück.
"Uhm...", beginnt Zayn und sieht hilflos zu seinem besten Freund. Doch der kann ihm da auch nicht helfen. Mit seiner Schwester legt er sich lieber nicht an. 
"Ich habe ihn auf einer Party kennengelernt", beginnt er dann einfach und lächelt dabei leicht. "Wir haben uns sofort gut verstanden und sind dann von der Party weg, damit wir uns besser unterhalten können."
"Unterhalten also", grinst Gemma und zwinkert ihrem Ziehbruder schmunzelnd an. 
"Wirklich unterhalten. Wir saßen bis morgens in einem Diner und haben gequatscht."
Gemma kann ihre Enttäuschung kaum verbergen. Seit wann sind alle immer so brav und artig?
"Und dann habt ihr gedatet und seid zusammengekommen."
Zayn nickt und Harry lächelt. 
"Und mein lieber Bruder? Er meint, es gibt niemanden, aber vielleicht lügt er mich ja an?"
Verschwörerisch beugt sie sich zu Zayn herüber und sieht ihn grinsend an. "Lügt er mich an?"
"Hallo? Ich kann dich hören?", empört sich Harry und verschränkt seine Arme vor der Brust.
"Äh...", kommt es von Zayn und er sieht zu Harry.
"Also da gibt es jemanden, der ihn vermutlich toll findet, aber ich glaube, dass Harry nicht das Gleiche fühlt."
Gemmas Grinsen wird breiter, während Harrys Gesicht rot wird und er seine Augen aufreißt.
Was?
Jemand findet ihn toll?
Aber...
Scheiße, wieso flackert denn jetzt Louis vor seinen Augen auf?
Aber der findet ihn ja nicht toll und Harry ihn auch nicht. 
"Ich glaube, Rick steht ziemlich auf dich, Haz."
Rick also. 
Ugh. Den hatte er ja gar nicht mehr auf dem Schirm.
"Rick... so, so."
Gemma sieht ihren Bruder neugierig an, doch dieser nimmt lieber einen großen Schluck von seinem Wein. 
"Rick ist nicht mein Typ... er ist nett, aber mehr auch nicht."
Zayn nickt wissend. Er kennt seinen besten Freund eben und hat schon gemerkt, dass Harry tatsächlich etwas genervt von seinem Verehrer ist. 
"Und sonst ist da niemand?"
Gemma lässt einfach nicht locker. Ihr Bruder ist doch so verdammt hübsch. Irgendjemanden muss es doch geben. 
"Nein. Niemand."
Und wieder flackert Louis vor seinen Augen auf und er verflucht diesen kleinen Wicht geradezu. Er kann ihn nicht ausstehen.
Sie hassen sich. 
"Dieses Gespräch habe ich mir spannender vorgestellt", schmollt die Braunhaarige und sieht zu Zayn, welcher dümmlich grinsend auf sein Handy starrt. 
"Uh, Loverboy hat geschrieben", stichelt sie und bekommt doch tatsächlich ein Nicken von dem Schwarzhaarigen. 
"Er und Louis sind mit ein paar Freunden in einer Bar", erklärt er und tippt anscheinend eine Antwort. 
Wieder Louis. 
Harry wird nicht verschont.
"Sag ihm, dass wir Fotos wollen. Ich will ihn mir genauer ansehen", fordert die nun leicht beschwipste Gemma und Zayn fordert seinen Freund doch tatsächlich dazu auf, ihm ein Foto zu schicken, welches fast sofort kommt. 
Es ist ein Gruppenbild. Liam in der Mitte, fröhlich lächelnd, mit einer Weihnachtsmannmütze auf dem Kopf. Das ist allerdings nicht das, worauf Harry achtet, als Zayn das Bild in die Runde zeigt. 
Stattdessen sieht er zu Louis, welcher den Arm um einen rothaarigen Kerl gelegt hat. Sie grinsen in die Kamera und irgendetwas in Harry zieht sich zusammen. Vermutlich die Antipathie, welche er Louis gegenüber empfindet. 
Ja, das wird es sein. 




Salt&CaramelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt