Bestechung und Rührei

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Sie verlassen das erste Mal gemeinsam das Studentenwohnheim. 
Kein heimliches herausschleichen, keine verstohlenen Blicke, kein Abstand mehr. 
Louis sieht zu seinem Freund, schenkt diesem ein sanftes Lächeln und nimmt dann seine Hand. Ihre Finger verflechten sich das erste Mal in der Öffentlichkeit und Harry kann das dämliche Grinsen nicht abstellen, welches sich auf seinem Gesicht ausbreitet.

Mit einer Brötchentüte in der Hand, in welcher viel zu viel Inhalt war für vier Personen, betreten sie leise die WG von Louis und Liam. Es ist still in der Wohnung. Liam und Zayn scheinen noch zu schlafen. Leise steuern sie die Küche an, legen die Brötchen auf den Tisch und sehen sich an. Harry ist aufgeregt. Zayn ist nicht sauer, das weiß er, aber trotzdem hat er Magenschmerzen, wenn er an das bevorstehende Gespräch denkt.
"Lass und schon mal alles vorbereiten", sagt Louis leise und öffnet den Kühlschrank. Sonderlich gefüllt ist dieser nicht, aber für vier Personen reicht es trotzdem.
Louis deckt den Tisch, stellt Aufschnitt und Marmelade dazu, während Harry aus den Obstresten einen Obstsalat macht. Es ist seltsam, gemeinsam mit Louis in der Küche zu stehen und etwas komplett Normales wie ein Frühstück zu machen. Aber es fühlt sich toll an.
"Rührei oder gekochte Eier?", möchte Louis wissen und stellt sich neben den Lockenkopf. Dabei stößt er mit seiner Hüfte gegen die von Harry und grinst dabei, als wenn er im Lotto gewonnen hätte. 
"Zayn mag lieber Rührei."
"Bestechung also, gefällt mir."
Ein Zwinkern folgt, dann schlägt der Ältere die Eier in eine Schüssel.
"Es ist komisch", sagt Harry leise und dreht sich zu seinem Freund. "Schön komisch."
Louis lächelt, legt den Rührbesen zur Seite und dreht sich zu seinem Lockenkopf.
"Ab jetzt können wir noch mehr komische Dinge machen. Ich habe mal gehört, dass manche Menschen ins Kino zusammen gehen. Oder in ein Restaurant."
Der Lockenkopf schmunzelt und Louis lacht leise, während er seine Hände auf Harrys Taille legt.
"Krass, ich weiß."
Ein letzter Blick, und dann kommt ein vertrauter und sanfter Kuss. 
In der WG-Küche.
Vor Monaten noch undenkbar und jetzt das Beste, was sich die beiden verliebten Männer vorstellen können. 

"Ich glaube, ich brauche noch drei Jahre, bis ich mich an diesen Anblick gewöhne", ertönt auf einmal die Stimme von Zayn und lässt Harry und Louis auseinander schrecken. 
"Oder Kaffee", brummt Liam und sieht das Paar mit müden Augen an.
"Was wird das hier?"
"Frühstück", entgegnet Louis und lächelt unbeholfen.
"Und... reden", fügt Harry leise hinzu und sieht zu seinem besten Freund. 
"Aber nicht vor dem ersten Kaffee", murmelt Zayn und steuert wie selbstverständlich die Kaffeemaschine an. Harry widmet sich schnell wieder dem Obstsalat und Louis kippt die fertigen Eier in eine Pfanne.

Sobald das Rührei fertig ist, setzen sich die Freunde an den Tisch und beginnen schweigsam mit dem Frühstück. Harrys Bein wippt unter dem Tisch nervös auf und ab und auch als Louis mit einem besänftigenden Lächeln seine Hand auf Harrys Oberschenkel legt, wird es nicht besser. Im Gegenteil.
"Also", unterbricht Liam dann die unangenehme Stille und sieht das neue Paar mit seinen dunklen Augen an. "Ihr seid jetzt also... was? Ein Pärchen? Freundschaft-Plus? Etwas Undefinierbares?"
Louis schnaubt und sieht seinen besten Freund ungläubig an.
"Wir sind zusammen. So richtig."
Liam nickt, mustert die beiden, sagt aber nichts weiter.
"Und wie...-", Zayn schüttelt seinen Kopf und sieht Harry an. "Wie verdammt ist das passiert? Ich meine, ihr habt euch gehasst, wenn das überhaupt der richtige Ausdruck dafür ist. Bitte... ich möchte es verstehen."
Harry räuspert sich. "Also... um ehrlich zu sein... ich habe keine Ahnung wie das passieren konnte." Ein unsicheres Lachen folgt, dabei wandert sein Blick zu Louis. 
"Irgendwann war da dieser Kuss. Wir haben uns angeschrien, uns Beleidigungen an den Kopf geworfen und auf einmal... haben wir uns geküsst."
Louis grinst. "Und dann haben wir uns noch mehr gehasst. Nur, dass sich dieses Drama wiederholt hat. Wir hassen uns, wir streiten, schreien uns an und dann küssen wir uns."
Liam verdreht seine Augen, Zayn grinst. 
"Und du wolltest es mir nicht erzählen?", möchte er von dem Lockenkopf wissen und klingt dabei kein bisschen böse. Harry atmet erleichtert auf. 
"Ich habe es ja selbst nicht kapiert. Da waren so viele Emotionen in mir... ich musste die erst ordnen."
"Nur, dass diese Emotionen vom Einen zum anderen geführt haben", fügt Louis hinzu und greift unter dem Tisch nach Harrys Hand. "Und das bereue ich nicht."
Harrys Bauch kribbelt erneut und er beißt sich grinsend auf die Lippe. 
"Und dann? Wart ihr verknallt und habt heimlich eine Beziehung angefangen?", stellt Zayn die nächste Frage und bekommt von den Verliebten ein synchrones Kopfschütteln.
"Wir wollten das nie wieder", gesteht Louis und lacht auf. "Aber das hat nicht geklappt. Es war... wie ein Magnet. Immer, wenn wir uns angestrengt haben, dass wir uns aus dem Weg gehen, hat es damit geendet, dass wir uns noch näher wurden."
"Und dann habe ich aufgegeben, mich dagegen zu wehren."
Louis sieht ihn an, ein freches Schmunzeln auf den Lippen. "Und du hast angefangen, mich toll zu finden." Harry grunzt. "Übertreib nicht. Ich fand dich lediglich nicht mehr ganz so scheiße, wie früher."
Zayn lacht auf. "Ihr seid schräg."
"Jedenfalls... irgendwann waren da Gefühle und - Ende vom Lied... wir wehren uns nicht mehr dagegen und hassen uns nicht mehr."
"Und ich hätte es dir bald erzählt", sagt Harry schnell und sieht entschuldigend zu Zayn. "Aber... ich musste das erstmal verarbeiten."
Der Schwarzhaarige Lächeln sanft und nicht. "Ich weiß, dass du das nicht böse gemeint hast. Ich kenne dich. Und ich weiß, dass dein Kopf dich immer irre macht. Aber ich hätte dir vielleicht beim Aufräumen deines Kopfchaos helfen können."
Harry nickt. "Tut mir leid."
Zayn winkt ab. "Solange ihr euch nicht die Köpfe einschlagt und damit unsere komplette Freundesgruppe in eine unangenehme Situation bringt, bin ich okay damit."
"Ich hätte es dir auch erzählt, Li", gesteht Louis und sieht seinen besten Freund entschuldigend an. "Aber ich war am Anfang zu bockig, wollte mir das alles selbst nicht eingestehen und... wenn ich es ausgesprochen hätte, dann wäre es real geworden."
"Ich dachte wir haben keine Geheimnisse voreinander", kommt es von Liam, die Stimme verletzt und enttäuscht. Ein leises Seufzen kommt von Louis als Antwort. "Haben wir auch nicht. Aber das hier... das war so ein großes Ding und ich... ich hab noch nie... ich war noch nie verliebt und... scheiße ich war maßlos überfordert und... - es tut mir leid. Ich hätte etwas sagen sollen."
Liam nickt, nimmt seinen Kaffee und steht auf. Er deutet auf den kleinen Balkon und Louis steht ebenfalls auf. 
Die beiden verschwinden nach draußen und als sich die Balkontür schließt, sieht Harry zu seinem besten Freund.
"Liam wird sich wieder einkriegen", sagt Zayn und grinst. 
"Aber nun erzähl... ich will alles wissen. Alle schmutzigen Details, die ihr gerade ausgelassen habt."

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