Sicher?

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"Fröhliche Weihnachten, zusammen", erklingt Liams Stimme, als er das Wohnzimmer betritt. Freudig hebt er seine Hand und sieht in die Runde. Er erkennt Harry, sein Lächeln wird größer und ehe Harry sich versehen kann, wird er von Liam in eine Umarmung gezogen. Was, nebenbei bemerkt, ziemlich seltsam aussehen muss, denn Harry sitzt noch auf dem Sofa und Liam umarmt ihn halb gebeugt, halb stehend und macht dabei eine ziemliche Verrenkung. 
"Hattest du gestern einen schönen Abend?", möchte er wissen und löst sich dann wieder aus der Verrenkung. Der Lockenkopf nickt, lächelt, doch im selben Moment verschwindet es dann auch wieder. 
Louis steht neben Zayn im Eingangsbereich des Wohnzimmers. 
Und während Liam sich James und Gabe vorstellt und ihnen die Hand reicht, bohren sich Harrys und Louis' Blicke ineinander. 
"Ihr wollt doch sicherlich etwas trinken, oder?", möchte Zayn wissen und strahlt dabei, wie ein Kind, welches all seine Wünsche erfüllt bekommen hat. "Ich helfe dir", bietet Liam an und Harry kann nur zusehen, wie die beiden in die Küche verschwinden.
"Joa... Hi. Ich bin Louis."
Der Quälgeist geht auf die kleine Gruppe zu und reicht Gabe und James ebenfalls die Hand. Harry bekommt ein Augenzwinkern und als Louis sich dann auf das Sofa gegenüber von den Dreien setzt, kommen Liam und Zayn Gott sei Dank wieder aus der Küche zurück.
Wenn Harry jetzt abhaut, dann kommt er gerade passend zum zweiten Film und kann bei dem Harry-Potter-Marathon von seiner Mom und seiner Schwester mitmachen.  

Er bleibt. 
Zum einen hat er seine Freunde wirklich vermisst und zum anderen kann er es Zayn einfach nicht antun. Zwar würde Zayn es vermutlich gar nicht mitbekommen, wenn er gehen würde, denn Zayns Augen liegen ununterbrochen auf Liam, aber trotzdem... irgendwann würde es auffallen und dann wäre Zayn enttäuscht. 
So macht Harry das Beste aus seiner misslichen Lage. Er ignoriert Louis so gut wie es geht und unterhält sich stattdessen mit James und Gabe über ihr letztes Jahr. Er merkt allerdings selbst, wie sein Blick immer wieder verstohlen zu Louis gleitet und jedes Mal, wenn er zu ihm herüberschielt, liegt Louis' Blick bereits auf ihm und ein Schauer nach dem nächsten rauscht über seinen Körper. 

"Und ihr habt wirklich nicht gevögelt?", möchte James leise wissen, als gerade die Pizza geliefert wird und Louis gemeinsam mit Liam und Zayn in der Küche hantiert. 
"Was?"
"Du und Louis", mischt sich Gabe ein und rückt ein wenig näher.
"Gott, nein."
"Sicher?"
James sieht Harry mit hochgezogener Augenbraue an und auch Gabe scheint dem Lockenkopf nicht zu glauben. 
"Wie kommt ihr auf so einen Mist?"
"Alter, dein Ernst?"
Gabe schüttelt schnaubend den Kopf. 
"Jeder Blinde sieht, dass ihr euch die ganze Zeit mit den Blicken verschlingt. Du hast dich noch ein bisschen besser im Griff, aber Louis sieht so aus, als wenn er dich jeden Moment bespringen würde."
Harrys Puls beschleunigt sich und wieder merkt er, wie er rot wird. 
"Ihr habt sie ja nicht mehr alle", brummt er schnell und tippt sich gegen die Schläfe.
"Unerfüllte, sexuelle Begierde kann zu Frust und Stress führen. Ist es das? Ist es zwischen euch gar kein Hass, sondern Frust?"
Wirklich, Harry möchte Gabe umbringen.
"Wann hast du angefangen, Psychologie zu studieren?", will er wissen und verdreht seine Augen.
"Das ist dein Job", lacht er und knufft Harry in die Wange. "Aber das weiß man doch."
"Genau und deshalb solltet ihr vögeln", wirft James ein und grinst, als Harry ihn vollkommen sprachlos ansieht. 
"Ich glaube, das würde allen guttun. Nicht nur euch."
Vielleicht wird es Zeit für neue Freunde.

Harry entscheidet sich gegen neue Freunde und nimmt dann doch lieber Alkohol. Keine gute Idee, aber in diesem Moment erscheint ihm dies als der bessere Plan. 
Er tauscht das Bier gegen Tequila und da er absolut nichts verträgt, ist er auch sehr schnell ziemlich betrunken. 
Seine Freunde stehen ihm dabei allerdings in nichts nach und so kommt es, dass kurz vor Mitternacht alle anwesenden ziemlich einen sitzen haben. 
Gabe ist dann der Erste, der verschwindet. Sein Flieger geht am frühen Vormittag und wenn er diesen nicht verpassen möchte, muss er wirklich langsam in den Sack hauen. Es wird sich umarmt und gedrückt, wohl wissend, dass man sich so schnell nicht wiedersieht. 
Eine halbe Stunde später verschwindet auch James. Er drückt Harry zum Abschied ganz besonders doll und nuschelt ihm dabei etwas ins Ohr, was der Lockenkopf allerdings nicht versteht. James lallt zu stark und Harrys Ohren rauschen vom Alkohol. Wenns wichtig war, kann er ihm das ja morgen auch noch schreiben. 
James' Verschwinden scheint dann allerdings der Startschuss für Liam und Zayn zu sein. Kaum, dass James die Tür hinter sich geschlossen hat, fangen die beiden mit einer filmreifen Knutscherei an. Urgh. Harry will das nicht sehen. 
"Leute", lacht Louis und verdreht seine Augen. 
"Ich stehe ja auf Pornos, aber nicht, wenn mein bester Freund mitspielt."
Liam und Zayn lösen sich voneinander und sehen den Braunhaarigen belustigt an. 
"Vielleicht sollten wir schlafen gehen. Es ist spät", haucht Zayn und sieht Liam mit einem erregten Funkeln in den Augen an.
"Schlafen", schnaubt Harry und verdreht lachend seine Augen. "Ist klar."
Doch das verliebte Paar beachtet ihre Freunde schon gar nicht mehr. Stattdessen stehen sie auf und gehen dann Arm in Arm in Zayns Schlafzimmer. Tja. Gute Nacht.
Vielleicht sollte Harry sich auch ins Gästezimmer verziehen. Sein Kopf ist schummrig und – "Also du Stalker", unterbricht Louis dann seine Gedanken und lässt sich neben Harry auf das Sofa fallen. Wunderbar. 
"Haben dir meine Bilder gefallen?"
Harry ignoriert Louis' Frage und trinkt lieber sein Bier in einem Schluck aus. 
"Du warst aber nicht wirklich eifersüchtig auf Oli, oder?"
Harry grunzt. 
"Warum sollte ich eifersüchtig sein?"
Schmunzelnd legt Louis seine Hand auf den Oberschenkel des Lockenkopfes, was von diesem mit einem nervösen schlucken kommentiert wird. "Weil du mich scharf findest."
Ein bitteres Lachen kommt aus Harrys Mund und erschlägt die Hand von Louis weg. Schnell steht er auf, was sich allerdings als dumme Idee herausstellt, da sich alles dreht. Oops.
"Hi", brummt es leise in Harrys Ohr und er merkt Louis' Arme um seinen Oberkörper. 
"Geht es wieder?"
Der Lockenkopf nickt. Warum ist Louis so nah? 
"Lass mich los", nuschelt er und versucht den Braunhaarigen, nicht gerade ausdrucksstark, von sich zu schieben. Halbherzig. 
"Lieber nicht."
"Hmpf."
"Ich bringe dich ins Bett."
Louis ist ebenfalls betrunken, aber da er im Training ist und deutlich mehr verträgt als der Lockenkopf, ist sein Kreislauf stabil. Er genießt einfach die Watte in seinem Kopf.

Gemeinsam gehen sie in das Gästezimmer, wo Louis den Größeren vorsichtig auf das Bett drückt. Harry seufzt, lässt sich dann nach hinten fallen und schließt seine Augen. Uff. Es dreht sich. Er bekommt nicht mit, wie Louis ihm die Schuhe von den Füßen zieht und wehrt sich nicht, als dieser dann auch noch die Decke unter ihm hervorzieht und Harry dann etwas höher im Bett drapiert. "Geht es? Oder ist dir schlecht?"
Harry brummt. Schlecht ist ihm nicht. Das Drehen ist auch nicht mehr so schlimm, aber er kann seine Augen nicht mehr geschlossen halten. Sobald er sie schließt, fährt er Karussell. 
"Rutsch mal."
Louis schiebt sich mit unter die Bettdecke und Harry protestiert nicht. 
"Wenn du kotzen musst, sag bitte Bescheid."
Wieder brummt Harry und dreht sich dann auf die Seite. Er kann ja hier liegen bleiben, aber dann bitte seine Klappe halten. 








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