Wie viel Lust Harry auf das Ganze hat, kann man ihm deutlich vom Gesicht ablesen. Zumindest, wenn man Liam glauben kann, der Harry und Zayn am frühen Abend die Tür öffnet.
"Wow, du guckst genau so begeistert, wie Louis."
Na immerhin. Da sage noch einer, die beiden hätten nichts gemeinsam. In diesem Punkt sind sie sich also mal einig.
"Ich, äh... also ich muss noch mal eben in den Supermarkt. Ich habe die Burgerbrötchen vergessen", faselte Liam weiter, während Harry sich an einen weit entfernten Ort wünscht. Irgendetwas am anderen Ende der Welt. Oder des Universums.
"Dann begleite ich dich eben", erklärt Zayn und sieht entschuldigend zu seinem besten Freund. "Du schaffst doch ein paar Minuten mit Louis alleine, oder?"
Als Antwort kommt nur ein ungläubiges Brummen.
"War das ein Ja?", möchte Liam wissen und kann den Lockenkopf nicht richtig deuten.
"Werden wir sehen, wenn am Ende beide noch am Leben sind."
Nun steht er also im Flur von Liam und Louis. Toll. Noch unwohler kann man sich ja kaum noch fühlen.
"Kommst du in die Küche, oder willst du wie eine beleidigte Leberwurst weiter im Flur versauern?"
Innerlich zählt Harry bis achtundzwanzig. Noch kann er abhauen.
"Also?"
Louis streckt seinen Kopf aus der Küchentür und sieht den mies gelaunten Mann in seinem Flur an.
"Du kannst dich nützlich machen und mir helfen. Wenn du allerdings weiter Statur spielen willst, dann bitte."
Er gibt sich einen Ruck, zieht seine Jacke und die dicken Winterschuhe aus und geht dann langsam in die Küche. Sehr langsam.
Sehr, sehr langsam.
"Hier."
Louis schiebt ein Messer über die Arbeitsplatte und deutet auf ein Schneidbrett, auf welchem sich eine Gurke befindet.
"Du kannst doch schon mit einem Messer umgehen, oder?"
"Oh, viel besser, als dir lieb ist. Soll ich es dir beweisen?"
Louis' Mundwinkel zucken, doch er verdreht lieber mal die Augen.
"Tu nicht so. Du könntest mir niemals etwas antun. Zumindest nicht im realen Leben."
"Da wäre ich mir nicht so sicher."
Der Lockenkopf beginnt die Gurke zu schneiden und schielt dabei zu Louis, der... ja, was macht der da eigentlich?
"Was soll das werden?"
Louis, welcher seine Zunge zwischen die Zähne geschoben hat, sieht konzentriert auf seine Zwiebel. Irgendwie klappt das nicht so, wie er will.
"Willst du ernsthaft eine Zwiebel mit einem Sparschäler bearbeiten?"
Verachtend schnaubt der Ältere.
"Ich habe das im Internet gesehen. Das funktioniert."
Ja, Harry kennt das Video auch.
"Bei einer von zehn Zwiebeln. Die muss fest genug sein und die da... die ist es augenscheinlich nicht."
"Niemand mag Besserwisser, Arschgesicht."
Harry schnaubt.
"Und du bist zu dumm, um eine Zwiebel zu schneiden. Aber wundert mich ehrlich gesagt nicht."
Ruckartig dreht sich Louis' kompletter Körper in die Richtung von Harry. Den Sparschäler hält er dabei drohend in seiner Hand und macht einen Schritt auf den Lockenkopf zu.
"Du bist in meiner Wohnung, also rede gefälligst nicht so mit mir."
Harry lacht auf.
"Also erstens ist das die Wohnung von Liams Schwester und zweitens, kann ich mit dir reden, wie ich das gerne möchte. Machst du ja auch, oder soll ich dich an das Arschgesicht erinnern?"
Erneut nähern sie sich einander, ohne dass sie es wirklich zu merken scheinen. Das Messer in Harrys Hand hat schon längst den Weg auf die Arbeitsplatte gefunden und als sie dann endlich merken, dass sie sich immer weiter aufeinander zubewegen, stehen sie bereits Brust an Brust.
"Weißt du", haucht Louis leise und sieht Harry direkt in die Augen. "Ich würde gerne dein Gesicht streicheln. Mit einer Kettensäge."
"Ich spare mir meine Beleidigungen. Du würdest sie ja eh nicht verstehen", haucht Harry genauso leise zurück.
Louis' Augen funkeln, seine Atemzüge werden schneller, doch statt einen Schritt zurückzugehen, bleibt er da, den Blick noch intensiver auf den Lockenkopf gerichtet. Für einen Moment scheint die Luft zwischen ihnen elektrisch geladen, als ob die Spannung in jedem Augenblick explodieren könnte. Louis' Hand zittert leicht, als er den Sparschäler noch immer hält, doch jetzt ist es mehr ein Spiel. Ein testendes Abtasten der Grenzen.
„Was hast du gerade gesagt?" Louis' Stimme ist rauer, fast schon gefährlich.
„Ich sagte, du würdest es sowieso nicht verstehen", murmelt Harry, doch der feine Hauch seines Atems streift Louis' Lippen, als sie sich noch ein Stück näherkommen.
Es dauert nur einen Augenblick, bis Louis sich dann mit einem unwillkürlichen Lächeln herüberbeugt. Ohne ein weiteres Wort bricht die Stille, und bevor Harry noch reagieren kann, presst Louis seine Lippen mit einer enormen Intensität gegen die seinen. Der Kuss ist fordernd und heiß. Die Welt um sie herum scheint zu verschwimmen, nur das Knistern in der Luft, das schlagende Herz und der Moment zwischen ihnen sind noch real.
Harry antwortet fast sofort, seine Hände finden den Nacken von Louis, ziehen ihn näher. Die Welt fühlt sich an, als würde sie stillstehen, nur noch das Gefühl von Louis' Lippen auf seinen eigenen existiert. Kein Streit mehr, kein Ärger, nur dieser eine, brennende Augenblick.
„Du bist ein verrückter Idiot", flüstert Louis, als sie sich voneinander lösen, ihre Stirn aneinandergelehnt, aber der Atem immer noch schwer und wild.
„Und du bist ein Masochist", antwortet Harry ebenso leise, doch seine Lippen zucken in einem fast verschmitzten Lächeln. Sie stehen nun wieder dicht beieinander, fast wie zwei Magneten, die sich nicht voneinander lösen können.
„Wir sollten weiter machen."
Harry nickt und keinen Moment später spürt Louis erneut die Lippen von Harry und dessen Hände auf seinen Körper.
Gut. Das meinte er zwar nicht, sondern das Gemüse, aber wenn er jetzt schon mal in der Situation ist... da kann er ja auch einfach mal Dinge geschehen lassen.
Er kann ja Harry mal geschehen lassen ...
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Salt&Caramel
FanfictionManchmal braucht es nur eine Minute, um zu wissen, ob man jemanden mag oder nicht. Eine Minute, die sofort verrät, ob die Chemie zwischen zwei Personen stimmt. Eine Minute, die über die Zukunft entscheidet. So wie bei Harry und Louis. Eine Minute, i...
