Schon ein bisschen selbstverliebt, oder?

698 123 8
                                        

Als Harry spät am Abend wieder sein Zimmer betritt, ist Zayn noch da.
Anscheinend schläft er heute nicht bei Liam.
"Na? Wie war dein... Spaziergang?"
Natürlich werden Harrys Wangen rot. Das merkt er sofort. Die unbändige Hitze erreicht sofort sein Gesicht, was natürlich auch Zayn bemerkt und ein leises Glucksen von sich gibt.
"So toll, ja?"
"Ein Spaziergang eben", nuschelt Harry und dreht sich schnell zu seinem Kleiderschrank, zieht seinen dicken Pullover aus, damit Zayn nicht weiter sein Gesicht sieht.
Der Lockenkopf dreht sich wieder um, kickt seine Schuhe zur Seite und lässt sich dann auf sein Bett sinken. Der Schwarzhaarige beobachtet ihn noch immer grinsend, allerdings spiegelt sich in seinem Gesicht auch leichte Besorgnis wider.
"Aber... Rick hat dich nicht begleitet, oder?"
Ungläubig sieht Harry seinen besten Freund an.
"Bitte was?"
"Naja", druckst Zayn herum und seufzt leise.
"Ich kenne dich, Haz. Du bist immer so lieb und höflich und wenn Rick dich zu sehr belabert hat..."
"Auf keinen Fall. Bei ihm kann ich nicht mehr nett und höflich sein, Zee. Keine Sorge. Rick wird niemals mit mir gemeinsam spazieren gehen."
"Dann bin ich beruhigt."

Zwei Tage später schleppt Lottie den Lockenkopf zwischen zwei Vorlesungen auf die große Wiese des Campus. Kaffeebecher in der Hand, Sonne, die schon viel zu warm ist für die Uhrzeit und Sonnenbrillen runden das Bild ab.
"Also am Wochenende ist wieder eine Party", beginnt sie, lässt sich in das Gras sinken und hält ihr Gesicht in die warme Sonne.
"Oh nein."
Harry wusste, dass Lottie diese Entführung nicht nur aus reinen Spaß macht.
"Sie ist sogar in meinem Wohnheim. Also nicht weit für dich. Lediglich zehn Meter."
Zehn Meter zu viel, wenn man ihn fragt.
"Die anderen kommen auch alle."
"Schön", brummt Harry und nimmt einen Schluck von seinem Kaffee. Bei diesen Temperaturen kühlt er nicht wirklich runter, sodass er sich prompt die Zungenspitze verbrennt.
"Also ja?"
"Wenn ich nein sage, wirst du mich doch eh fesseln und knebeln und mich dann zur Party zerren."
Die Blondine grinst.
"So sieht es aus. Du hast also keine andere Wahl."
"Toll."
Ein erneuter Schluck Kaffee findet den Weg in seinen Mund, als sich weitere Menschen zu ihnen gesellen. Donna und Carlos, kalte Wasserflaschen statt Kaffee dabei.
"Wieso gibt es eigentlich kein Hitzefrei? Damals in der Highschool gab es das doch auch", beschwert sich der Portugiese und lässt sich schwer ins Gras sinken.
"Weil wir jetzt erwachsen sind und selbst entscheiden können, ob wir zur Vorlesung gehen oder nicht", erklärt Harry und lächelt. "Wir dürfen selbst entscheiden, ob wir im Kühlen bleiben und den halben Stoff verpassen, oder ob wir schwitzen, dafür aber alles mitbekommen, was für die Prüfungen relevant ist."
Carlos brummt.
"Toll. Wenn du das so aussprichst, dann kommt Sausen lassen richtig dämlich rüber."
"Sag mal, spinnt ihr?", erklingt eine neue Stimme. "Wie könnt ihr hier in der prallen Sonne sitzen?", möchte Liam fassungslos wissen und sieht die kleine Gruppe verständnislos an.
Harry sieht nach oben, begegnet Zayns breitem Grinsen, wobei er sich einen Miniventilator vor das Gesicht hält.
"Drei Meter weiter ist ein Baum mit Schatten", erklingt Louis' Stimme.
Ihre Blicke treffen sich und sofort beginnt es in Harrys Magen zu kribbeln. Louis' Mundwinkel zucken, dann richtet er seinen Blick wieder auf seine Schwester.
"Lass mich raten - du hast den Platz gewählt."
Lottie streckt ihrem Bruder die Zunge heraus.
"Sonne macht glücklich."
"Schatten aber auch", jammert Carlos und erhebt sich. "Ich bin für den Baum."
Ohne weitere Worte erhebt sich die Gruppe und lässt sich wenige Meter weiter unter dem Baum nieder.
"Besser", stöhnt der Portugiese und legt einen Arm um Donna. "Hier geht auch wieder Körperkontakt."
Louis lässt sich neben Harry fallen. Kein bissiger Kommentar, kein sonstiges Wort. Die Anderen scheinen es nicht zu bemerken, oder sonderlich seltsam zu finden.
"Ich habe Harry übrigens gerade von der Party am Wochenende überzeugen können", erklärt die Blondine feierlich und sieht zufrieden in die Runde.
"Womit hast du ihn erpresst?", möchte Louis wissen und schmunzelt, als er einen empörten Blick seiner Schwester abbekommt.
"Mit gar nichts, du Pampelmuse. Er kommt freiwillig mit."
"Naja", beginnt der Lockenkopf und verdreht die Augen. "Entweder freiwillig oder mit Fesseln und Knebel. Dann lieber freiwillig."
Louis öffnet seinen Mund, möchte etwas sagen, klappt ihn dann aber schnell wieder zu und ein breites Grinsen erscheint auf seinem Gesicht.
"Ich freue mich, dass du kommst", sagt Zayn und lächelt seinen besten Freund an.
"Ja, wir kommen auch. Und falls Rick dir wieder auf die Pelle rückt, dann hetzen wir wieder Louis auf ihn. Vor dem scheint er irgendwie Angst zu haben", kommentiert Liam und knufft dem Wuschelkopf in die Seite.
"Soll er ruhig", brummt dieser und verdreht die Augen.
Donna mustert den Wuschelkopf.
"Man könnte meinen, dass das etwas Persönliches zwischen dir und Rick ist."
Harrys gesamter Körper spannt sich an und er schafft es nicht, seinen Blick von Louis abzuwenden. Louis hingegen hat das Pokerface perfektioniert. Er zuckt einfach mit den Schultern und verdreht abermals die Augen.
"Ich konnte den noch nie leiden und wenn er sich so daneben benimmt, wird es halt zu etwas Persönlichem. Immerhin bedrängt er jemanden aus meinem Freundeskreis und kann ein klares Nein nicht akzeptieren."
Liam hebt eine Augenbraue, Harry bemerkt es sofort. Die anderen scheinen an Louis' Worten jedoch nichts weiter komisch zu finden und nicken synchron.
"Wie ist der damals überhaupt in unsere Gruppe gekommen?", will Carlos wissen und sieht neugierig in die Runde. "Wer hat ihn mit angeschleppt?"
Lottie hebt ahnungslos die Arme. "Der war einfach irgendwann da. Ich habe keine Ahnung."
"Tja, verdenken kann ich es ihm nicht", kommt es von Louis und das breite Grinsen ist wieder zurück. "Wir sind verdammt cool. Natürlich will er mit uns abhängen."
Harry lacht leise auf und zieht seine Nase kraus, als er das merkt.
"Schon ein bisschen selbst verliebt, oder?", möchte er neckend von Louis wissen, und das Grinsen auf dem Gesicht des Wuschelkopfes wird noch einen Tick breiter.
"Natürlich. Ich kann mir das leisten. Wir alle können das. Wir sind verdammt heiße Menschen."
Lachen erklingt, die Gruppe stimmt Louis johlend zu.
Liams Blick hingegen wird noch skeptischer.
Das merken die anderen jedoch nicht. Auch Harry und Louis nicht, die sich breit grinsend ansehen und in das Lachen der Gruppe mit einsteigen.

Salt&CaramelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt