Louis zieht Harry nicht zu den Getränken.
Zielsicher durchquert er die Menschenmenge, zieht den Lockenkopf dann durch das Treppenhaus und macht erst in der dritten Etage auf dem Herrenklo halt.
"Warum die dritte Etage?", fragt Harry außer Atem und sieht den Älteren irritiert an. Louis hat ein ganz schönes Tempo an den Tag gelegt.
"Damit dieser Vollhorst nicht auf die Idee kommt, auf die Toilette zu gehen."
Harry sieht auf seinen leeren Becher und wirft diesen dann in den Mülleimer neben dem Waschbecken. So wie der aussieht, ist er eh undicht. Da kann er sich später auch gleich einen Neuen nehmen.
"Und warum sind wir jetzt hier und nicht bei den Getränken?"
"Du musst dieser Pappnase endlich mal sagen, dass du keine Lust auf ihn hast", motzt Louis und beantwortet die Frage des Lockenkopfes einfach nicht.
"Ach? Und wie soll ich das machen? Einfach hingehen und sagen: Ach übrigens, ich habe kein romantisches Interesse an dir?"
"Zum Beispiel", brummt der Ältere und stellt seine Bierflasche auf das Waschbecken, dann schnaubt er. "Romantisches Interesse. Das wird ja noch besser."
"Eifersüchtig?"
Harry kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Louis hingegen verdreht seine Augen und verschränkt seine Arme vor der Brust.
"Das hatten wir doch schon. Auf so eine Wurst bin ich doch nicht eifersüchtig. Außerdem habe ich das, was er will."
Der Lockenkopf neigt seinen Kopf und hebt seine Augenbrauen. Wie bitte?
"Du hast, was er will?"
Wütend funkeln Louis' Augen seinen Gegenüber an. Wenn es um diesen Affenarsch geht, dann sieht er einfach rot.
"Er will dich, ich habe dich. Also kein Grund für mich eifersüchtig zu sein."
"Du hast mich?"
Harry schüttelt ungläubig den Kopf. Meint Louis das gerade ernst?
"Geht's noch? Ich bin doch kein Gegenstand und außerdem... du hast mich nicht!"
Die beiden Männer sehen sich mit dem altbekannten Blick an. Beinahe scheint es, wie früher. Tiefe Abneigung und unbändiger Hass. In diesem Moment existieren die vergangenen Wochen nicht mehr. Scheinen vergessen...
Louis schnaubt, nicht gewillt, etwas zu erwidern. Und Harry? Der spürt irgendetwas in seiner Brust. Ein Ziehen? Er weiß es nicht. Was er aber weiß ist, dass er nicht hier mit Louis stehen kann. Nicht nach solch einer Aussage von ihm.
"Arschloch", zischt er deshalb und sieht dann zu, dass er aus dem Herrenklo kommt.
Bloß weg hier.
Er macht sich nicht die Mühe seine Freunde zu suchen und wenn er ehrlich ist, weiß er auch nicht, was er sagen soll. Er geht jetzt einfach. Ihm doch egal, was sie denken.
Schnellen Schrittes verlässt er das Wohnheim und eilt über den Campus.
Louis folgt ihm nicht, worüber er froh ist.
Das Arschloch kann ihn mal kreuzweise.
In seinem Zimmer angekommen, holt er tief Luft. Er ist nicht gerannt, aber als gemütliches Schlendern kann man das jetzt auch nicht betiteln.
Er weiß, warum er ungern auf Partys geht. Immer passiert irgendetwas. Als sein Handy vibriert, hält er kurz inne. Wenn das jetzt Louis ist, dann kann der sich auf etwas gefasst machen.
Zayn 23:45 Uhr: Alles okay? Wo bist du?
Harry schluckt. Natürlich macht sich Zayn Sorgen.
Me 23:45 Uhr: Sei mir nicht böse, aber ich hatte keine Lust mehr. Macht euch einen lustigen Abend.
Zayn 23:46 Uhr: Sicher? Soll ich kommen? Ich kann auch zu Hause schlafen, wenn du möchtest.
Harry schüttelt den Kopf, wohl wissend, dass Zayn das nicht sehen kann. Wenn er ehrlich ist, passt es ihm gut, dass Zayn bei Liam schläft. Er möchte seine Ruhe und wenn sein bester Freund hier ist, möchte dieser bestimmt wissen, was los ist. Er wird ihm die keine-Lust-Nummer niemals glauben, wenn er hier ist und ihn ansieht.
Me 23:46 Uhr: Alles okay, Zee. Du kennst mich doch. Ich bin kein Partytier. Wir sehen uns morgen ;)
Zayn 23:47 Uhr: Okay, aber melde dich, wenn etwas ist. Ich kann jederzeit kommen.
Dann ist es still im Zimmer und Harry lässt sich auf das Bett fallen.
Er will dich, ich habe dich.
Pff. Was bildet sich dieser selbstverliebte Gnom eigentlich ein? Nur weil sie ein paar Mal miteinander Sex hatten, ist Harry noch lange nicht sein Eigentum. Oder sein Spielzeug.
Seine Brust zieht erneut.
Ist er das? Louis' Spielzeug? Beliebig austauschbar und nur deshalb interessant, weil es ein anderer haben möchte?
Warum tut ausgerechnet diese Frage so weh?
Sie haben keine Beziehung. Davon war nie die Sprache. Sie haben Sex, mehr nicht. Keine Gefühle, nichts. Im Grunde sind sie auch gar keine Freunde. Warum also schmerzt dieser Gedanke dann so sehr?
Er denkt an die Taco-Schmetterlinge, die er immer häufiger in letzter Zeit gespürt hat. Immer dann, wenn er Louis gesehen hat. Und wenn der hier war. Schmerzt es deshalb so sehr? Weil er Gefallen daran gefunden hat? Weil er sich darauf gefreut hat, dass Louis jeden Freitag und jeden Samstag zu ihm gekommen ist?
Er schluckt und weiß die Antwort. Natürlich weiß er sie.
Er weiß, warum es schmerzt und warum seine Brust so sehr zieht.
Er weiß das und will es nicht. Und vielleicht schmerzt es auch nur so sehr, weil er sich die Unterhaltung vorhin etwas anders vorgestellt hat. Vielleicht wollte er auf die Frage, ob Louis eifersüchtig ist, einfach ein "Ja" hören. Aber was dann?
Was wäre dann anders gewesen?
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Salt&Caramel
FanfictionManchmal braucht es nur eine Minute, um zu wissen, ob man jemanden mag oder nicht. Eine Minute, die sofort verrät, ob die Chemie zwischen zwei Personen stimmt. Eine Minute, die über die Zukunft entscheidet. So wie bei Harry und Louis. Eine Minute, i...
