Wortschatz

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"Wow", brummt Louis und steigt umständlich aus dem Bett. "Erinnere mich daran, dass ich mir nächstes Mal einen Wecker stelle, damit ich auf jeden Fall vor dir wach bin. Wenn ich gewusst hätte, dass du morgens so redselig bist, dann hätte ich das garantiert getan."
Er zieht sich seine Hose und seinen Pullover über und schüttelt seinen Kopf. 
"Wie kann man um diese Uhrzeit überhaupt so viel Energie haben?"
Augenrollend sieht er auf den Wecker neben Harrys Bett und stöhnt genervt auf. 
"Es ist nicht mal sieben Uhr."
Er tippt sich gegen dir Stirn und - verschwindet. 
Okay?
Harry hat keine Ahnung, was das jetzt schon wieder war. Er hat doch lediglich um Antworten gebeten. Immerhin ist Louis doch sonst immer verschwunden, wenn er wach wird und auch kommt er doch eigentlich nur nach einer Party vorbei. Eigentlich. Was war gestern anders?

Normalerweise sollte er jetzt duschen, damit er sich anziehen kann. Natürlich kann er auch einfach einen Pullover überziehen, aber ... er fühlt sich nicht gerade sauber. Aus offensichtlichen Gründen. Aber jetzt über den kalten Flur huschen, um zu duschen? 
Wieder wandern seine Gedanken zu Louis und er zieht die Bettdecke unter sein Kinn. Die ist ja eh nicht mehr sauber. Muss die halt wärmen. 
Er versteht Louis einfach nicht. Hat er ja noch nie, aber jetzt gerade am allerwenigsten. Sie haben gestern auch gar keine Beleidigungen ausgesprochen. Was ja an sich nicht schlimm ist, aber es ist halt irgendwie anders. Komisch. Es sind nicht sie, wenn sie sich nicht dumm von der Seite anmachen. 
Plötzlich wird Harrys Zimmertür schwungvoll geöffnet und der Lockenkopf zuckt mit einem leisen Aufschrei zusammen. Mühsam schließt Louis die Tür hinter sich, verknotet sich halb, als er den Schlüssel herumdreht und geht dann zum Bett, in welchem Harry mit verwirrtem Gesichtsausdruck sitzt und den Älteren beobachtet.
"Hier."
Louis wirft Harry eine Tüte auf die Bettdecke und stellt dann die beiden Pappbecher auf den Nachttisch. Er zieht seine Schuhe aus und streift dann seine Hose ab, bevor er sich wieder neben Harry in das Bett kuschelt. Irritiert reicht Harry ihm die beiden Pappbecher, doch Louis nimmt nur einen der beiden.
"Milch ist schon drinnen. Wenn du Zucker willst, hast du Pech gehabt."
"Äh... danke?"
Harry nimmt einen Schluck. Kaffee. Den trinkt er generell ohne Zucker und lediglich mit einem Hauch Milch. Für die Farbe, wie Zayn immer neckend von sich gibt. 
"Ich wusste nicht, ob du lieber herzhaft, oder süß magst. Kannst du dir aussuchen und ich nehme dann den Rest."
Vollkommen baff öffnet Harry die Tüte, welche, wenn er genauer hingesehen hätte, vom Becker neben dem Wohnheim kommt. Er sieht einen Bagel mit Frischkäse und Lachs und einen Schokocroissant, welchen er sich nimmt und Louis dann den Bagel reicht. 
"Danke", wiederholt er sich und ist wirklich vollkommen sprachlos. 
Louis hat Frühstück besorgt?

Schweigend essen sie und nippen ab und an an ihrem Kaffee. Kaum sind sie fertig mit Essen, liegt Harrys Blick allerdings wieder auf seinem Besucher. 
"Ich dachte, dass du einfach abgehauen bist", gibt er zu und trinkt erneut einen Schluck von seinem Getränk. 
"Wenn ich so viel reden muss am morgen, dann brauche ich Kaffee", murmelt der Ältere und lehnt sich zurück gegen das Kopfteil des Bettes. 
"Also... uhm... meine Fragen...", beginnt Harry und fühlt sich mit einem Mal einfach nur dumm. Warum ist es ihm überhaupt so wichtig? Warum soll Louis diese Fragen beantworten?
"Ich hab halt einfach mal etwas länger gepennt", erklärt dieser und nippt wieder am Kaffee. Dass der mittlerweile leer ist, muss ja keiner wissen. 
Der Lockenkopf nickt. Klingt ja plausibel und ergibt ja auch irgendwie Sinn. 
"Und warum warst du gestern hier, wenn du auf keiner Party warst? Warst du in der Nähe?"
Louis schüttelt seinen Kopf und verdreht seine Augen. 
"Warum ist dir das so wichtig? Ist doch scheißegal, warum ich hier bin."
Unsicher zuckt Harry mit den Schultern. Er hat ja selbst keine Ahnung. Aber irgendetwas in ihm möchte das einfach wissen. 
"Zayn und Liam gingen mir einfach auf den Sack", erklärt Louis dann und sieht zu Harry. "Die haben sich im Wohnzimmer breitgemacht und dann diese kitschige Schnulze geschaut. Das kann halt niemand ertragen."
"Und dann bist zu ausgerechnet zu mir gekommen?"
"War ein Zufall", brummt Louis und stellt den leeren Kaffeebecher zurück auf den Nachttisch. Dabei muss er sich über Harry beugen und als der Becher sicher steht, hält Louis in seiner Bewegung inne und sieht dem Lockenkopf in die Augen. 
"Hast du dann deinen ganzen Wortschatz für heute abgearbeitet, oder muss ich das noch weiter ertragen?"
Harry schmunzelt und schüttelt seinen Kopf. 
"Fürs Erste habe ich keine Fragen mehr."
Zufrieden nickt Louis und ein schelmisches Grinsen legt sich auf sein hübsches Gesicht. 
"Gut, wenn wir dann also beide schonmal wach und gestärkt sind, können wir uns auch den wichtigeren Dingen im Leben widmen."
Dem Lockenkopf bleibt gar keine Gelegenheit, etwas zu sagen. Stattdessen kann er nur noch hektisch seinen Becher zur Seite stellen, da kommt auch schon ein überraschtes Stöhnen über seine Lippen.  


Salt&CaramelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt