Surreal

791 128 20
                                        

Harry wacht davon auf, dass sich etwas neben ihm bewegt. Es dauert einen Moment, bis sein Kopf klar genug ist, um sich zu erinnern. Daran, dass er nicht allein ist.
Daran, dass Louis noch da ist.

Er blinzelt langsam, spürt die Wärme neben sich und hebt den Kopf ein wenig. Louis liegt auf dem Bauch, das Gesicht halb im Kissen vergraben, seine Haare sind zerzaust, und seine Schultern heben und senken sich gleichmäßig.
Er sieht ... friedlich aus.
„Starr mich nicht so an", murmelt Louis, ohne die Augen zu öffnen.
„Tue ich gar nicht."
„Tust du doch."
„Vielleicht."
Louis dreht den Kopf leicht zu ihm, öffnet ein Auge und hebt eine Braue. „Findest du mich so attraktiv, dass du mich jetzt beobachten musst?"
Harry grinst. „Geht so."
Der Braunhaarige schnaubt, bevor er sich auf die Seite rollt und seinen Kopf auf eine Hand stützt. „Frech."
„Mhm."

Es ist fast unheimlich, wie leicht das gerade zwischen ihnen ist. Keine Anspannung, keine Diskussionen – nur sie, zusammen, in diesem Bett. Und das freiwillig.

Louis hebt die Hand und streicht mit dem Zeigefinger über Harrys nackte Schulter. Seine Berührung ist leicht, fast zufällig, aber Harry spürt sie überall.
„Du hast eine Sommersprosse hier", murmelt Louis, sein Finger verweilt einen Moment.
„Und?", möchte der Lockenkopf wissen, obwohl es ihm eigentlich egal ist.
„Nichts. Nur eine Feststellung."
Louis' Blick ist warm, fast neugierig, und Harry spürt, wie sein Herz schneller schlägt.
Das hier ist so surreal... irgendwie... fremd. 
Es ist nicht das erste Mal, dass sie gemeinsam nebeneinander wach werden. Aber das erste Mal, dass der Morgen kein großes Drama ist. Harry muss sich nicht übergeben und auch hat Lottie ihm keine Nachricht geschickt und damit blanke Panik in ihm ausgelöst. Es ist ruhig, friedlich und... halt irgendwie surreal.

Dann plötzlich lehnt sich Louis zu ihm herüber. Die Bewegung ist so schnell, dass Harry erst kapiert, was los ist, als Louis über ihm liegt und der Lockenkopf dessen warme Lippen auf seinen spürt. Na Hoppala.
Ein Grinsen schleicht sich auf Louis' Lippen, als Harry, ohne zu zögern, den Kuss erwidert und seine Arme um den Nacken des Älteren schlingt. 
So waren sie tatsächlich noch nie nebeneinander wachgeworden. 
Aber es gefällt ihm. Er könnte sich daran gewöhnen.
Und während Louis' Hand auf Wanderschaft geht, sich langsam einen Weg über Harrys Bauch sucht und er das leise Keuchen nicht unterdrücken kann, weiß er, dass dieser Morgen wirklich gut werden wird. 

Dann vibriert sein Handy auf dem Nachttisch.
Mist.

Er macht Anstalten, Louis von sich zu schieben, doch der Ältere drückt ihn bestimmend zurück in die Kissen.
"Nicht", nuschelt er gegen Harrys Lippen, als ein weiteres Vibrieren von seinem Handy kommt. 
Genervt brummt Louis auf, schielt auf das Handy und stöhnt dann.
"Das solltest du lieber lesen. Es ist von Zayn."

Ein Hoch auf Pushnachrichten.

Zayn 9:20 Uhr:  Ich gehe gleich los. Bringe Frühstück mit.

Zayn 9:21 Uhr: Und Tee. 

„Zayn ist in spätestens zwanzig Minuten hier."
Louis seufzt übertrieben. „Ich hätte noch länger liegen bleiben können."
„Ja, aber dann hätte Zayn dich gefunden."
„Nicht so gut."

Trotzdem bewegt er sich nicht sofort. Erst nach ein paar Sekunden schwingt er die Beine aus dem Bett, aber selbst dann lässt er sich Zeit, als hätte er nicht vor, diesen Moment allzu schnell hinter sich zu lassen.
Harry lehnt sich gegen die Rückwand seines Bettes und beobachtet ihn
Als er fertig ist, bleibt er noch kurz stehen, wirft Harry einen Blick zu und neigt leicht den Kopf.
„Also dann, Arschloch Tomlinson geht dann mal lieber."
Harry lächelt unsicher. 
"So nenne ich dich nicht mehr."
"Na, da wäre ich mir nicht so sicher."
Ein Grinsen folgt, dann öffnet Louis die Zimmertür und sieht zu, dass er verschwindet.

Und dann ist er weg.

Gerade rechtzeitig, denn keine zehn Minuten später steckt Zayn den Kopf zur Tür herein, eine Tüte vom Bäcker in der Hand und einen fragenden Blick.
"Geht es dir wieder besser?"
Lächelnd nickt der Lockenkopf, sieht dabei zu, wie Zayn die Türe neben Harry auf das Bett legt und ihn dann skeptisch mustert.
"Sicher? Du siehst aus, als wenn du Fieber hast."
Sofort nickt Harry. "Wirklich, es geht mir gut."
Noch immer nicht überzeugt, sieht Zayn die glasigen Augen und die roten Wangen an. Aber wenn Harry sagt, dass es ihm besser geht...


Salt&CaramelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt