Harrys Handywecker klingelt früh am nächsten Morgen. Es ist Absicht. Liam und Zayn kommen heute von ihrem Wochenendtrip zurück und Harry ist, wenn er ehrlich ist, noch nicht bereit sich Zayn zu stellen. Zumindest nicht, solange er selbst nicht weiß, wo das mit Louis hinführt. Welche Richtung das alles einschlägt. Zwar ist das Herzklopfen und das Kribbeln nach den gemeinsamen zwei Tage noch mehr gestiegen, aber man weiß ja nie.
"Du willst wirklich schon los?", kommt es verschlafen von Louis, der sich zur Seite rollt und Harry durch halb geschlossene Lider ansieht.
Harry fährt sich durch die Locken, nickt und stellt endlich diesen verdammten Wecker aus.
"Ich weiß nicht, wann sie zurückkommen."
Gähnend nickt Louis, streckt sich dann und krabbelt aus dem Bett. Harry guckt überrascht, doch Louis grinst nur, schnappt sich eine Jogginghose und wirft einen Blick über die Schulter.
"Ein Kaffee wird ja wohl zeitlich noch drin sein."
Als Harry dann eine Stunde später im Wohnheim ankommt, scheint hier noch jeder zu schlafen. Die Gänge sind leer und es herrscht nicht das vertraute rege Treiben, was einem Chaos gleicht.
Er nutzt die Chance, geht in aller Seelenruhe Duschen und macht sich anschließend an seine Unterlagen. Die sind über das Wochenende natürlich liegengeblieben und dementsprechend viel hat er nachzuholen.
Sein Handy unterbricht ihn allerdings dabei.
Louis 10:15 Uhr - Ich habe noch was vergessen, Sun. Selbst ein Navi würde bei dir sagen: Bitte wenden!
Harry grinst.
Me 10:16 - Manchmal frage ich mich, ob du überhaupt nachdenkst, oder ob das da oben bei dir nur Deko ist.
Er legt sein Handy zur Seite und fährt den Laptop hoch. In den letzten zwei Tagen hat er Louis noch einmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Und auch wenn er es nicht laut aussprechen wird, gefällt ihm diese Seite.
12:20 Uhr. Die Tür geht langsam auf, begleitet von dem dumpfen Geräusch einer Reisetasche, die auf den Boden plumpst.
Harry hebt kurz den Kopf von seinem Laptop, als Zayn hereinkommt, leicht zerzaust, aber entspannt, mit einem sanften Lächeln auf den Lippen.
"Hey, Haz", sagt er leise, fast zärtlich, wie immer, wenn sie sich nach ein paar Tagen nicht gesehen haben.
Harry lächelt zurück, setzt sich etwas aufrechter hin.
"Hey."
Zayn wirft seine Jacke über die Stuhllehne und kommt gleich zu ihm rüber, als müsste er sich davon überzeugen, dass bei Harry wirklich alles in Ordnung ist.
Er setzt sich aufs Bett gegenüber, lehnt die Arme auf die Knie und mustert seinen besten Freund mit diesem Blick, den Harry so gut kennt.
Dieses stille Prüfen.
"Und? Wie war's hier ohne mich? Ganz friedlich bestimmt."
Ein Lächeln schleicht sich auf Harrys Gesicht.
"Ruhig war's auf jeden Fall", murmelt er und schließt den Laptop, um sich ganz auf Zayn zu konzentrieren.
"Hab ein bisschen was für die Uni gemacht. Gelernt. Ein paar Filme geguckt."
Zayn nickt langsam.
"Das klingt genau nach dir."
Sein Tonfall ist warm, ein bisschen amüsiert.
"Und ich wette, du hast die Ruhe sogar genossen, oder?"
Harry zuckt leicht mit den Schultern, ein kleines Grinsen auf den Lippen.
"Vielleicht ein bisschen."
Der Schwarzhaarige lacht leise, beugt sich vor und stützt sein Kinn auf seine Hände.
"Ich hätte auch ehrlich gesagt nicht gedacht, dass du plötzlich zum Partyhengst mutierst, nur weil ich mal ein Wochenende weg bin."
Harry schmunzelt, aber irgendwas in seiner Brust zieht sich zusammen.
Wenn Zayn wüsste...
"Und du?", fragt er schnell, lenkt das Gespräch auf sichere Bahnen.
"War es schön mit Liam?"
Ein Strahlen breitet sich auf Zayns Gesicht aus, weich und ehrlich.
"Ja. Es war perfekt."
Er lehnt sich zurück, die Gedanken offenbar noch halb dort, wo er gerade herkommt.
"Wir haben so viel Zeit draußen verbracht. An einem Abend waren wir einfach nur spazieren und haben uns auf einen Hügel gelegt und Stunden einfach nur geredet."
Harry lächelt, leise, echt.
Er freut sich für Zayn. Wirklich.
"Ich freu mich für dich", sagt er leise.
Und meint es auch so.
Der Nachmittag zieht sich träge dahin.
Harry verbringt die meiste Zeit mit seinen Unterlagen, versucht sich zu konzentrieren, während Zayn auf seinem Bett liegt und auf seinem Handy rumtippt oder Musik hört.
Es ist ruhig, angenehm.
Und trotzdem hat Harry das Gefühl, dass er unter Strom steht.
Immer wieder schweifen seine Gedanken ab. Immer wieder muss er an Louis denken. An die letzten zwei Tage. An die Blicke. Die Berührungen.
Als es gegen sieben an der Tür klopft, zuckt Harry leicht zusammen.
Zayn grinst, rollt sich aus dem Bett und öffnet.
Liam steht draußen, eine Jacke über dem Arm, die Haare zerzaust vom Wind, aber das Lächeln auf seinem Gesicht ist warm.
"Hey", begrüßt er erst Zayn und dann Harry, der auf seinem Stuhl sitzt und von seinem Laptop aufblickt.
"Hi, Harry."
"Hi", ein kleines Lächeln auf den Lippen.
Zayn macht eine Geste Richtung Zimmer.
"Komm rein. Ich muss mich noch schnell umziehen."
Liam nickt und tritt ein, bleibt entspannt in der Mitte stehen, während Zayn sich auf den Weg zum Kleiderschrank macht.
Während der Schwarzhaarige leise Shirts sortiert und nach einer passenden Jeans sucht, bleibt Liam locker stehen, verschränkt die Arme und sieht zu Harry.
"Alles klar bei dir?", fragt er freundlich.
Harry nickt sofort.
"Ja, klar. Alles gut."
Zayn zieht sich unterdessen ein sauberes T-Shirt über und nestelt an seiner Jeans.
Liam lässt den Blick durch das Zimmer schweifen, dann spricht er wieder, scheinbar beiläufig, aber sein Tonfall trägt diesen vertrauten Unterton, der verrät, dass er sich über einiges Gedanken gemacht hat.
"Irgendetwas ist bei Louis los", sagt er und lehnt sich an Harrys Schreibtisch.
"Er meinte, er hätte das Wochenende ruhig zu Hause verbracht. Nichts Großes gemacht."
Zayn schnaubt leise, während er sich die Hose überstreift.
"Louis? Ein ganzes Wochenende zuhause? Das glaub ich erst, wenn ich es sehe."
Harry hält die Luft an, sein Blick bleibt starr auf dem Laptop gerichtet.
"Ja, dachte ich mir auch", fährt Liam fort und zuckt leicht mit den Schultern.
"Aber er hat's ziemlich glaubhaft rübergebracht. Meinte, er hätte ein bisschen gekocht, Serien geguckt... halt alles sehr entspannt."
Zayn lacht leise.
"Vielleicht hat er endlich seine innere Mitte gefunden."
Liam grinst leicht.
"Aber...", fügt er dann hinzu und seine Stimme wird leiser, als würde er ein Geheimnis anvertrauen, "irgendwas war komisch."
Zayn hält im Schuhe anziehen inne und blickt neugierig auf.
"Wie komisch?"
"Na ja", beginnt Liam langsam und sieht kurz zwischen Zayn und Harry hin und her, "als ich heute Mittag zurückgekommen bin, stand auf der Küchentheke nicht nur seine Kaffeetasse."
Harrys Herz stolpert.
"Da war noch eine zweite", sagt Liam, als würde er damit ein Puzzle vervollständigen.
"Und Louis hatte... ich weiß nicht... so eine Stimmung. Irgendwie ruhiger als sonst. Fast so, als hätte er ein kleines Geheimnis, das ihn innerlich grinsen lässt."
Zayn richtet sich auf, schüttelt leicht den Kopf.
"Vielleicht hatte er Besuch. Wäre ja nicht so abwegig."
"Bestimmt", murmelt Liam.
Er klingt nicht misstrauisch. Mehr... neugierig.
"Ich mein, ist ja auch sein gutes Recht. Mich wundert nur, dass er es nicht erzählt. Normalerweise würde er uns aufziehen oder wenigstens eine Bemerkung machen."
Zayn lacht.
"Vielleicht wird Louis ja endlich erwachsen."
Harry schafft es, schwach zu lächeln, auch wenn sein Herz noch immer viel zu schnell schlägt.
Er weiß genau, wessen Kaffeetasse Liam gesehen hat.
Und wessen Geheimnis Louis da in sich trägt.
"Na ja, wir werden's schon früh genug erfahren", sagt Liam und nimmt Zayns Hand.
"Bereit?"
Der Schwarzhaarige schnappt sich seine Jacke und wirft Harry noch einen prüfenden Blick zu.
"Willst du später noch was essen? Ich kann dir auch was mitbringen."
Harry schüttelt schnell den Kopf.
"Alles gut. Ich bestell mir vielleicht später was."
Zayn nickt, nicht ganz überzeugt, aber er sagt nichts mehr.
Er klopft Harry noch kurz auf den Rücken, diese kleine, wortlose Geste, die sagt: Wenn was ist, ich bin da – und folgt dann Liam hinaus.
Die Tür fällt leise ins Schloss.
Und Harry atmet die angestaute Luft aus.
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Salt&Caramel
FanfictionManchmal braucht es nur eine Minute, um zu wissen, ob man jemanden mag oder nicht. Eine Minute, die sofort verrät, ob die Chemie zwischen zwei Personen stimmt. Eine Minute, die über die Zukunft entscheidet. So wie bei Harry und Louis. Eine Minute, i...
