Harry sitzt an einem Tisch in der Bibliothek und starrt auf seinen Laptop. Es ist kaum zu fassen, wie sehr er sich in den letzten Tagen selbst im Weg steht. Eigentlich sollte er sich auf seine Vorlesungen konzentrieren, sollte lernen, damit er in wenigen Tagen, wenn die Winterferien vorbei sind, richtig durchstarten kann. Doch seine Gedanken sind ständig woanders – an Silvester, an der Nacht, die er so schnell wie möglich aus seinem Gedächtnis verbannen möchte. Es ist nicht, dass er es bereut, aber... es ist auch nicht so, als ob er stolz darauf ist.
Normalerweise ist er nicht der Typ für so etwas. Eine schnelle Nummer, ein One-Night-Stand... von solchen Dingen hat er eigentlich immer Abstand gehalten. Niemals hat er da damit gerechnet, dass sein Start in das neue Jahr so beginnt. Vor allem nicht mit Louis Arschloch Tomlinson. Und doch ist er da – in seinem Kopf, in seiner Nähe, immer wieder. Dieses ständige, unangenehme Kribbeln, das ihn nicht loslässt.
Er versucht sich zu konzentrieren, aber das Problem ist, dass Louis immer da ist. Er scheint immer genau dort zu sein, wo Harry sich befindet. Das macht es ziemlich kompliziert, ihm aus dem Weg zu gehen. Denn genau das ist ja eigentlich sein Plan. Louis ignorieren und weiterleben. Klappt nur nicht wirklich. Und an diesem Tag ist er wieder in der Bibliothek. Natürlich. Wo auch sonst. Harry ist sich nicht sicher, ob Louis es absichtlich macht oder ob es wirklich nur ein Zufall ist, dass er immer in seiner Nähe ist.
Als Harry in die Bibliothek kam, war Louis schon da. Er sitzt an einem Tisch in der Nähe, mit einem offenen Buch vor sich. Louis' Haare fallen ihm locker ins Gesicht, seine Augen sind auf die Seiten gerichtet, aber Harry weiß ganz genau, dass Louis weiß, dass er beobachtet wird. Und dann passiert es: Louis blickt auf. Ihre Blicke treffen sich, für einen Augenblick. Und dann – dieses Lächeln. Es ist nichts Großartiges, nichts Aufdringliches. Ein kleines, beinahe unsichtbares Lächeln, das Louis ihm schenkt. Frech, mit einem gewissen Schalk in seinen Augen, macht sich Louis einen Spaß daraus. Ein flüchtiger Moment, aber genug, um Harry die Knie weich werden zu lassen.
Louis spielt mit ihm. Ein Spiel, das Harry nicht wirklich versteht.
Und dann steht Louis auf. Sein Blick ist weiterhin auf den Lockenkopf gerichtet, das freche Lächeln noch immer auf seinen Lippen. Er kommt direkt auf ihn zu. Ganz ruhig, beinahe beiläufig. „Hey, Harry", kommt es von Louis, als er vorbeigeht und dabei mit der Hand leicht seinen Arm streift.
Harry erstarrt. Der Kontakt ist so flüchtig, dass er sich fast sicher ist, dass er sich das eingebildet hat. Aber das Gefühl, das zurückbleibt, ist eindeutig – ein Stromstoß, der von seinem Arm bis in den Nacken zieht.
„Du hast wohl heute keine Lust, zu lernen, was? Oder warum starrst du durch die Gegend?" Louis' Stimme ist amüsiert. So durch den Wind kennt er Harry nicht.
Der Lockenkopf nickt, versucht sich zu sammeln und legt einen genervten Blick auf.
„Als ob ich bei deinem Gerede lernen kann", erwidert er und es klingt schärfer als beabsichtigt.
Louis grinst nur. Kein Wort, keine Reaktion. Er lässt die Stille zwischen ihnen einfach stehen.
„Wir sehen uns später", sagt er dann, immer noch dieses kleine, fast spöttische Lächeln auf den Lippen und dreht sich um. Er schlendert zurück zu seinem Arbeitsplatz und packt seine Sachen zusammen.
Harry hingegen sitzt einfach da, starrt auf die Seite seines Notizbuchs und versucht, sein Herz wieder auf normale Geschwindigkeit zu bringen. Warum rast dieses dumme Ding eigentlich so sehr? Und was bitte meint er mit später?
Als Louis endlich geht, atmet er erleichtert auf. Dieser Mann stellt seine Nerven wirklich auf die Probe. Wie gerne würde er sich bei jemanden über diesen Gnom beschweren... aber das geht nicht. Lottie darf das niemals erfahren und auch Zayn gegenüber hat er die verhängnisvolle Nacht mit keinem Wort erwähnt. Er hat ihnen allen die gleiche Story erzählt und sicherheitshalber Louis über Instagram davon berichtet. Er hat ihn darum gebeten, keinem davon etwas zu sagen. Als Antwort kam ein Daumen nach oben. Sehr subtil.
Und auch wenn er Louis wirklich dankbar ist, dass er ihn von Rick erlöst hat, so hat er noch immer keine Ahnung, wie es zu diesem... Vorfall, kommen konnte. Er kann nicht bei Sinnen gewesen sein.
Innerlich ohrfeigt er sich selbst, als die Bilder der Nacht wieder vor seinen Augen aufflackern.
Wie gerne möchte er sich einreden, dass es grauenvoll war. Wirklich langweilig und einfach eine Zumutung. Er hat es ja auch versucht... wirklich. Aber er kennt die Wahrheit und er hat Louis' stechenden Blick ständig vor Augen. Der intensive Blick aus blauen Augen, gepaart mit den ungewohnt sanften Berührungen hat ihn komplett aus der Bahn geworfen.
Und jetzt ist er verwirrt. Aber so richtig.
Er hat keine Ahnung, wie er das Chaos in seinem Kopf wieder ordnen soll.
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Salt&Caramel
FanficManchmal braucht es nur eine Minute, um zu wissen, ob man jemanden mag oder nicht. Eine Minute, die sofort verrät, ob die Chemie zwischen zwei Personen stimmt. Eine Minute, die über die Zukunft entscheidet. So wie bei Harry und Louis. Eine Minute, i...
