Kapitel 31

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Mein Herz raste, mein Blick huschte zu Johanna und Mia. Sie hatten es auch gehört. Das Atmen. Schwer, und viel zu nah für meinen Geschmack .Dann eine Bewegung. Aus dem dunklen Zimmer neben dem Badezimmer schob sich langsam eine Gestalt ins Licht unserer Handytaschenlampen.Ein Mann.

Mittleren Alters, mit zerzausten Haaren und ungepflegter Kleidung, als hätte er tagelang nicht geschlafen. In seinen Händen hielt er nichts keine Waffe, keine Bedrohung. Aber sein Blick er war starr auf uns gerichtet.

„Was... was machen Sie hier?!" Meine Stimme war zittrig, aber laut.

Der Mann hob langsam die Hände, als wollte er zeigen, dass er keine Gefahr darstellte. „Es tut mir leid", murmelte er mit rauer Stimme. „Ich wollte euch nicht erschrecken."

Mia keuchte leise. Johanna packte meinen Arm. „Nicht erschrecken?!" Sie deutete auf den Rucksack und die Fotos. „Sie haben uns verfolgt! Sie sind in unser Haus eingebrochen!"

Der Mann schüttelte hektisch den Kopf. „Nein, nein... ich habe euch nicht verfolgt! Ich... ich war schon hier."

Meine Gedanken rasten. „Schon hier? Was soll das heißen?"

Er atmete tief durch. Sein Blick war nervös, wanderte immer wieder zur Treppe, als erwartete er, dass jemand hereinkam.

„Ich war vor euch in diesem Haus. Ich... lebe hier."

Stille.

Mein Gehirn weigerte sich, das zu begreifen. „Das... das ist das Ferienhaus von Mias Familie und das schon seit über 50 Jahren."

Der Mann nickte langsam. „Ja. Aber..."

Seine Hände zitterten. „ Kein aber was machen sie hier" fragte ich. Der Mann starrte uns an „ Ich... Meine Familie hat hier früher gewohnt und dann wurde das Haus verkauft und sie haben alles verloren ich hab auch alles verloren ich wohne manchmal hier für ein paar Tage ich wusste nicht dass jemand kommt sonst wär ich natürlich gegangen"

Johanna schüttelte den Kopf. „Das ist eine Lüge! Die Fotos! Die Notizen! Sie wussten genau, wann wir hier ankommen! Das haben Sie geplant!"

Der Mann schloss die Augen, als wäre er müde. „Ja... weil ich sicher sein wollte." Er deutete auf den Rucksack. „Ich wollte gehen, bevor ihr merkt, dass ich hier bin."

Mia riss sich los und wich zurück. „Das glauben Sie doch selbst nicht!"

Dann – ein Geräusch von draußen.

Schritte auf dem Kiesweg.

Der Mann riss den Kopf hoch. Sein Gesicht veränderte sich. Von nervös zu... panisch... danach war purer Hass in seinen Augen.

„Ihr... habt die Polizei gerufen." Seine Stimme war heiser und bedrohlich leise.

Ich schluckte hart. „Natürlich haben wir das."

Er trat einen Schritt zurück. „Ihr versteht nicht..." Er wirkte plötzlich fast verzweifelt. „Ich... darf nicht gefunden werden."

Bevor wir reagieren konnten, wirbelte er herum und stürzte zum Fenster des Badezimmers.

Ich begriff zu spät.

„Hey, warten Sie—!"

Doch er packte den Fensterrahmen und zog sich mit geübter Geschwindigkeit hinaus und verschwand in die Dunkelheit.Sekunden später klopfte es laut an der Haustür.

„Polizei! Machen Sie auf!"

Ich stolperte zur Treppe und rannte nach unten. Die Tür war verschlossen aber da, auf der Fensterbank neben der Tür, lag ein Schlüssel.

Ein einzelner, rostiger Schlüssel.

Mein Magen zog sich zusammen. Wer hatte ihn dort hingelegt?

Ich öffnete die Tür. Zwei Polizisten traten ein, ihre Taschenlampen erhellten den Raum. „Sind Sie die Anruferinnen?"

 Johanna nickte hastig. „Ja! Da war ein Mann! Er war hier oben aber er ist gerade durchs Fenster geflüchtet!"

Die Beamten reagierten sofort, funken Verstärkung und rannten nach draußen.

Mia stand neben mir und starrte auf den Schlüssel in meiner Hand.

„Glaubst du, er kommt zurück?" flüsterte sie ängstlich.

Ich biss mir auf die Lippe und sah zum Fenster. Draußen war nur Dunkelheit. Aber ein mulmiges Gefühl ließ mich nicht los.

Denn egal, wie sehr der Mann beteuert hatte, dass er uns nicht böses wollte. Ich glaubte ihm nicht.

Mein BruderWo Geschichten leben. Entdecke jetzt