Ich saß noch immer in der Halle auf der Bank, während die anderen schon ihre Sachen zusammenpackten. Meine Hände lagen in meinem Schoß, und ich spürte das Magnesium noch zwischen den Fingern.
Ich fischte mein Handy aus der Tasche, wischte zweimal über den Bildschirm und suchte Felix' Namen. Mein Herz klopfte schneller, als sein Foto aufleuchtete.
„Hey, du", meldete er sich, seine Stimme warm und ein kleines bisschen verschlafen. „Wie war Training?"
Ich schluckte. „Gut. Also... ziemlich gut."
„Aha. Das klingt nach mehr."
Ich zog die Knie an die Brust. „Markus hat gesagt, ich soll zum Kader-Lehrgang für die Europameisterschaft. In zwei Wochen."
Es knackte leise in der Leitung. „Wow. Maja. Das ist doch megageil!"
Ich biss mir auf die Lippe. „Ja. Schon. Es wäre halt... ein Schritt in Richtung Weltmeisterschaft. Und das war ja immer mein Traum. Aber..."
„Aber was?"
Ich seufzte. „Aber ich weiß nicht, wie Tommy das findet. Ich mein... Leon ist gerade erst aufgewacht. Und irgendwie hab ich das Gefühl, ich darf nicht einfach mein Ding durchziehen, während er im Krankenhaus liegt. Als wäre das egoistisch."
Felix schwieg einen Moment. Dann sagte er sanft: „Maja, dein Bruder würde dir niemals verbieten, deinen Traum zu leben. Du hast das alles so lange durchgezogen. Du darfst dir das jetzt nicht kaputtmachen lassen. Nicht mal von deinem schlechten Gewissen."
„Ich weiß ja, dass es für mich ist. Für niemanden sonst." Meine Stimme wurde brüchig. „Aber ich hab Angst, dass Tommy denkt, ich würde Leon jetzt allein lassen. Oder dass es ihm zu viel wird, wenn ich weniger da bin."
„Hey." Felix' Stimme war plötzlich ganz fest. „Dein Bruder liebt dich. Und er weiß, was dir Turnen bedeutet. Und Leon... der kämpft sich gerade zurück ins Leben. Vielleicht ist es sogar gut für ihn zu sehen, dass das Leben für euch alle weitergeht. Dass es auch schöne Sachen gibt."
Ich lächelte schwach, obwohl mir Tränen in die Augen stiegen. „Du bist echt viel klüger als ich manchmal, weißt du das?"
„Weiß ich. Ich bin schließlich dein Freund."
Ich lachte leise. „Ich hab ein bisschen Schiss, es Tommy zu sagen. Und überhaupt der WG. Da hängen ja alle irgendwie mit drin."
„Sag's ihnen einfach. Und wenn du willst, komm ich mit zum Gespräch. Oder wir reden später nochmal. Okay?"
„Okay." Ich wischte mir die Augen trocken. „Danke, Felix."
„Jederzeit. Und denk dran: Europameisterschaft, Maja. Das ist riesig. Und du hast es so verdient."
Wir legten auf.
Ich saß noch eine Weile still da, ließ das Handy sinken. Mein Herz raste. Die Geräusche in der Halle waren mittlerweile leiser geworden. Nur noch ein paar Mädchen turnten am Boden.
Schließlich stand ich auf, ging in die Umkleide und zog meine Leggings aus, zog stattdessen meine weite graue Jogginghose an, streifte das Top ab und wechselte in ein frisches, weißes T-Shirt. Meine Haut klebte noch vor Schweiß. Ich band die Haare zu einem lockeren Knoten, schulterte meine Tasche und verließ die Halle.
Im Bus nach Hause starrte ich aus dem Fenster. Regentropfen zogen Schlieren über die Scheiben. In meinem Kopf überschlug sich alles. Leon. Tommy. Turnen. Europameisterschaft.
Als ich die WG-Tür aufschloss, hörte ich Stimmen aus der Küche. Thomas war da, und ich glaubte Paul und Olli zu erkennen. Ich nahm allen Mut zusammen. Heute würde ich es sagen müssen.
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Mein Bruder
FanfictionIhr erster Bruder ist vor fünf Jahren gegangen,ihre Eltern sind gestorben und ihr anderer Bruder der immer für Sie da war musste vor vier Monaten zum Außen Einsatz als Sanitäter bei der Bundeswehr. Dies ist meine erste Geschichte über Maya und ihre...
