Die Tasse in meinen Händen war längst kalt geworden, aber ich hielt sie trotzdem fest. Irgendwie gab sie mir Halt. Wir saßen zu viert in der WG-Küche, das Licht war gedimmt, draußen war es schon dunkel, und durch das geöffnete Fenster zog der Geruch von nassem Asphalt herein. Es hatte vorhin geregnet.
Thomas saß neben mir, still wie selten. Paul lümmelte auf der Fensterbank mit einem Kissen im Rücken, und Phil hatte sich auf der Arbeitsplatte niedergelassen, die Beine baumelten. Die anderen schliefen oder waren bei der Arbeit
„Und... wie war's?" fragte Phil irgendwann leise. Er meinte Leon. Das wusste ich auch so.
Ich atmete einmal tief durch. „Es war... komisch. Schön. Und irgendwie beängstigend."
Alle schauten mich an, keiner sagte was. Also redete ich weiter.
„Als ich reingekommen bin, lag er da, so blass, so dünn. Aber seine Augen waren offen. Und als er mich gesehen hat... ich schwöre, für einen Moment hat er gelächelt. Nur ganz schwach, aber es war da."
Ich spürte, wie meine Stimme ein bisschen wackelte. Thomas legte kurz seine Hand auf meinen Arm. Einfach so.
„Er hat meinen Namen gesagt", flüsterte ich. „Ganz leise. Als hätte er Angst, es wäre nicht Real Paul nickte langsam. „Und? Erinnerte er sich an alles?"
Ich zuckte mit den Schultern. „Nicht wirklich. Nur Bruchstücke. Er wusste, dass ich oft da war. Er hat was von einem Traum erzählt... mit Licht und Stimmen. Und dass er immer meine Stimme gesucht hat."
Kurz war es still. Das Piepen vom Wasserkocher war das einzige Geräusch. Thomas stand auf und schaltete ihn aus.
„Ich war kurz nach Maja drin", sagte er dann. „Er hat mich erkannt. Aber man merkt, wie müde sein Kopf noch ist. Es war, als müsste er sich bei jedem Satz neu erinnern, worum's geht."
Ich sah ihn an. „Und trotzdem... war da irgendwas. Dieses Gefühl. Als würde er langsam zurückkommen."
Phil nickte. „Klingt, als wär's noch ein langer Weg."
„Ja", sagte ich. „Aber er ist wach. Er lebt. Und das ist im Moment alles, was zählt."
Paul stellte seine Tasse ab und lächelte mich an. „Dann trinken wir jetzt auf Leon. Auf das Leben."
Wir hoben unsere Tassen, ein stiller, warmer Moment inmitten all der Gedanken.
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Mein Bruder
FanficIhr erster Bruder ist vor fünf Jahren gegangen,ihre Eltern sind gestorben und ihr anderer Bruder der immer für Sie da war musste vor vier Monaten zum Außen Einsatz als Sanitäter bei der Bundeswehr. Dies ist meine erste Geschichte über Maya und ihre...
