Kapitel 56

167 5 0
                                        


Zwischen müssen, können und wollen liegt oft ein großer Unterschied.

Heute war der Tag, an dem ich es ihm sagen musste – meinem Bruder Tommy. Ich spürte, wie sich ein Knoten in meinem Magen festsetzte, während ich durch die WG schlenderte. Die anderen waren gerade beim Abendbrot, ein paar saßen um den Tisch, andere standen in der Küche.

„Na, wie war das Training?" Philipp grinste mich an, während er ein Stück Brot schnitt.

„Gut...", antwortete ich, fast einsilbig. Ich wollte nicht mehr sagen.

Paul hob eine Augenbraue. „Du klingst irgendwie müde."

Ich lächelte schwach. „Bin ich wohl."

Der Gedanke an das Europa-Angebot wollte nicht aus meinem Kopf verschwinden. Ich aß mit, ohne etwas zu erzählen. Es war, als würde ich ein Geheimnis in mir tragen, das ich noch nicht bereit war, zu teilen.

Später, als die WG langsam ruhiger wurde und sich die meisten in ihre Zimmer zurückzogen, zog ich mich in die kleine Küche zurück. Ich wollte allein sein, die Ruhe suchen.

Plötzlich vibrierte mein Handy in meiner Tasche. Felix.

„Hey", sagte ich, kaum dass ich abgehoben hatte.

Seine Stimme klang aufgeregt. „Maja... du wirst nicht glauben, was ich dir sagen muss!"

Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.

„Ich hab auch das Angebot bekommen. Für die Europameisterschaft! Ich darf hin!"

Ein Lachen stieg in mir hoch, unbändig und erleichtert. „Das ist ja unglaublich!"

„Ja. Also... wir beide, Maja. Wir schaffen das."

„Ja, wir schaffen das."

Ich nahm all meinen Mut zusammen und stand auf, den Kopf voller Gedanken, und machte mich auf den Weg zu Tommy. Heute würde ich es ihm sagen.

Mein BruderGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt