Kapitel 38

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Mayas Sicht
Ich wusste nicht, wie lange ich dort saß, bevor der zweite Notarzt kam.

Er kniete sich vor mich hin.

„Hey. Schau mich mal an."

Ich hob langsam den Kopf.

„Hast du irgendwo Schmerzen?"

„Mein Kopf... und meine Arme...", murmelte ich.

Er nickte. „Kannst du deine Finger bewegen?"

Ich tat es. Es fühlte sich seltsam an – taub, aber es ging.

„Okay. Ich denke, du hast eine leichte Überlastung deiner Muskeln und eine Erschöpfung."

Ich nickte nur stumm.

Er musterte mich kurz. Dann sagte er leise:

„Du hast ihm das Leben gerettet, weißt du das?"

Ich spürte, wie sich meine Kehle zuschnürte.

Aber statt Erleichterung war da nur eine Frage.

Mias Sicht

Ich wollte sie nicht alleine lassen.

Aber es gab keine Diskussion.

„Du brauchst Ruhe", sagte der Notarzt zu ihr. „Wir nehmen dich mit ins Krankenhaus, nur zur Sicherheit."

Sie versuchte zu protestieren, aber ich sah es ihr an: Sie war am Ende.

Wir alle waren es.

„Ich komme mit", sagte ich sofort.

Doch der Polizist schüttelte den Kopf. „Es ist besser, wenn ihr nach Hause geht. Morgen könnt ihr sie besuchen."

Ich hasste es. Ich hasste den Gedanken, sie alleine zu lassen.

Aber was hätten wir tun sollen?

Also sahen wir zu, wie sie ins Rettungswagen stieg. Die Türen schlossen sich. Dann fuhren sie los.

Der Strand wirkte plötzlich unheimlich leer.

Johanna rieb sich über die Arme. „Lass uns zurückgehen."

Ich nickte nur.

Doch während wir in Richtung Ferienhaus liefen, hatte ich das Gefühl, dass uns jemand beobachtete.

Mayas Sicht

Ich hasste Krankenhäuser.

Das grelle Licht, der sterile Geruch, das Piepen der Geräte – alles erinnerte mich an schlechte Zeiten.

Ich lag auf einer Liege in der Notaufnahme, während eine Ärztin meine Arme abtastete.

„Es sieht nach einer Muskelüberlastung aus", sagte sie. „Und du bist total erschöpft. Aber keine ernsthaften Verletzungen."

Ich nickte nur.

„Wir behalten dich ein paar Stunden hier zur Beobachtung. Falls du Schwindel oder Übelkeit bekommst, sag Bescheid."

„Okay."

Sie lächelte aufmunternd, bevor sie mich allein ließ.

Ich lehnte meinen Kopf zurück und schloss die Augen. Nur kurz ausruhen.

Doch dann hörte ich es.

Eine Stimme.

Leise, rau. Ganz in der Nähe.

„...nicht meine Schuld..."

Mein Herz setzte aus.

Langsam drehte ich den Kopf zur Seite.

Zwei Betten weiter lag er.

Der Mann.

Er war wach.

Und er flüsterte.

Ich schluckte. Was, wenn er mich sah?

Was, wenn er wusste, dass ich hier war?

Mein BruderWo Geschichten leben. Entdecke jetzt