Eine Woche kann lang sein. Viel länger, als man glaubt.
Vor allem, wenn man eigentlich jemanden braucht, der nicht da ist.
Tommy und Franco waren sofort nach Berlin gefahren, als die Nachricht vom Unfall kam. Ich erinnere mich noch, wie ich im Flur stand, meine Hände eiskalt, bereit ihm alles zu sagen – und dann war er plötzlich einfach weg. Die ganze Woche war geprägt von diesem unangenehmen Gefühl, etwas Wichtiges nicht ausgesprochen zu haben.
Heute sollten sie zurückkommen. Endlich.
Frankos Freund ging es zum Glück deutlich besser. Keine Lebensgefahr mehr. Die Ärzte waren zufrieden. Tommy klang am Telefon jedes Mal erschöpft, aber erleichtert.
Und ich?
Ich hatte mich in der Woche entschieden. Für mich.
Für meinen Traum.
Auf meinem Schreibtisch lag eine saubere, ordentliche Liste – meine Liste.
Arzttermin – check.
Psychologisches Gutachten – check.
Physiotherapeutin – Termin morgen.
Formulare für den Verband – in Arbeit.
Ich hatte alles Schritt für Schritt abgearbeitet, so, als hätte ich Angst, jemand könnte mir diesen Weg wieder wegnehmen, wenn ich nicht schnell genug bin. Markus hatte sich über meine Zusage gefreut, Felix war völlig aus dem Häuschen gewesen. Und ich... ich war irgendwie stolz. Und nervös zugleich.
Heute würde ich es Tommy sagen. Der ganzen WG, soweit sie eben da waren.
Ich hatte eine ganze Woche lang nachgedacht, überlegt, mich verrückt gemacht – und jetzt fühlte es sich richtig an. Ruhig. Klar.
Ich stand in der WG-Küche, die Hände um eine dampfende Tasse Tee gelegt, und ließ die letzten sieben Tage Revue passieren. Wie ich trainiert hatte, härter als sonst. Wie ich morgens joggen war, damit mein Kopf klar bleibt. Wie Felix und ich fast jeden Abend telefoniert hatten, um über den Kader zu reden. Und wie er immer wieder gesagt hatte:
„Maja, das ist unser Ding. Wir ziehen das zusammen durch."
Ein leises Lächeln schlich sich auf mein Gesicht. Ja. Das war es wirklich.
Ich hörte Schritte im Flur. Dann Stimmen. Das dumpfe Geräusch einer zufallenden Tür. Mein Herz machte einen kleinen Sprung.
Sie sind da.
Ich stellte die Tasse ab und strich mir nervös eine Haarsträhne hinters Ohr. In meinem Bauch breitete sich ein warmes Kribbeln aus – Aufregung, Angst, Vorfreude, alles gleichzeitig.
Dann öffnete sich die Küchentür.
Tommy stand im Rahmen, müde Augen, aber ein warmes Lächeln. Franco hinter ihm, mit dem erschöpften Grinsen von jemandem, der endlich wieder zu Hause ist.
„Hey", sagte Tommy leise. „Wir sind wieder da."
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Mein Bruder
FanfictionIhr erster Bruder ist vor fünf Jahren gegangen,ihre Eltern sind gestorben und ihr anderer Bruder der immer für Sie da war musste vor vier Monaten zum Außen Einsatz als Sanitäter bei der Bundeswehr. Dies ist meine erste Geschichte über Maya und ihre...
