Kapitel 57

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Ich stand vor der Tür von Tommys Zimmer. Mein Herz pochte so laut, dass ich befürchtete, es müsse jeder das hören. Gerade jetzt, wo ich ihm endlich von dem Angebot für die Europameisterschaft erzählen wollte.

Die Tür war einen Spalt offen, und ich hörte leise Stimmen. Tommy war am Telefon.

„Ja, ich bin gleich da", hörte ich ihn sagen.

Ich räusperte mich und klopfte vorsichtig an. Er drehte sich um und sah mich an, aber seine Augen wirkten abwesend, unruhig.

„Hey", sagte ich leise.

Er legte das Telefon auf lautlos, aber schon einen Moment später vibrierte es erneut.

„Ich muss kurz rangehen, das ist wichtig", sagte er entschuldigend.

Sein Blick blieb flüchtig, und ich merkte sofort, wie meine Zuversicht schwand.

Wieder allein, stand ich da, unsicher und mit einem Knoten im Bauch. Was, wenn er das Angebot nicht gutheißen würde? War es zu egoistisch von mir, jetzt an meinen Erfolg zu denken, wo er gerade so viel durchmachte?

Ich ließ mich auf die Couch fallen, sah auf mein Handy, das mir still ins Gesicht leuchtete, und begann, mir Gedanken zu machen, die sich wie eine Lawine über mich ergossen:

Vielleicht ist es falsch, jetzt daran zu denken. Vielleicht ist das nichts für uns. Vielleicht will er nicht, dass ich so weit gehe.

Ich schloss die Augen, atmete tief ein, aber der Zweifel wollte nicht weichen.

Und trotzdem wusste ich: Irgendwann würde ich es ihm sagen müssen.

Heute war wohl doch nicht der richtige Tag

Mein BruderWo Geschichten leben. Entdecke jetzt