Kapitel 27

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Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen, aber mein Herz hämmerte in meiner Brust. Johanna und Mia schienen genauso angespannt wie ich.

„Vielleicht ist da einfach nur etwas umgefallen?", flüsterte Mia, doch in ihrer Stimme lag kein echtes Vertrauen in ihre eigenen Worte.

Johanna schüttelte den Kopf. „Nein. Das klang, als wäre jemand oben..." " Scheiße was machen wir den jetzt" fragte ich mit Tränen erstickender Stimme.

Ein mulmiges Gefühl breitete sich in meinem Magen aus. Das Haus sollte leer sein. Wir waren alleine hergekommen. Oder etwa nicht?

Langsam schlichen wir die Treppe hinauf. Jeder Schritt knarrte bedrohlich laut in der Stille. Ich hielt den Atem an, als wir oben ankamen. Alles sah unverändert aus. Die Türen zu den Schlafzimmern standen offen, genau wie vorher. Doch das Badezimmer... die Tür war angelehnt.

Ein leises Schaben war zu hören. Dann – ein dumpfes Klopfen, als würde etwas gegen die Wand schlagen.

Lisa packte meinen Arm. „Da ist jemand drin", hauchte sie.

Mein Mund war trocken. Ich hob zögernd die Hand und drückte langsam die Klinke hinunter. Die Tür schwang mit einem leisen Quietschen auf.

Unsere Handylichter tauchten das Badezimmer in flackerndes, unruhiges Licht. Erst sahen wir nichts – bis sich plötzlich im Spiegel eine Bewegung spiegelte.

Lisa schrie auf und wich zurück. Mia schnappte nach Luft. Ich stand wie erstarrt da.

Im Spiegelbild sahen wir eine dunkle Gestalt. Groß, mit undeutlichen Umrissen, als wäre sie nur ein Schatten. Doch das Unheimlichste war – im Raum selbst war niemand.

Ich drehte mich panisch um. Leuchtete mit meiner Taschenlampe in jede Ecke. Nichts.

Aber im Spiegel war die Gestalt noch da. Und sie bewegte sich.

„Das... das ist nicht möglich", flüsterte Mia mit zitternder Stimme.

Dann – ein Fauchen. Etwas huschte aus der Dunkelheit, ein kleiner, schwarzer Schatten, der sich an meinen Beinen vorbeidrückte. Ich keuchte erschrocken auf.

Es war eine Katze. Eine völlig normale Katze, die nun mitten im Badezimmer saß und uns mit weit aufgerissenen, goldenen Augen anstarrte.

Doch als ich wieder in den Spiegel sah, war die Gestalt verschwunden.

Lisa schnappte nach Luft. „Wir... wir sollten hier raus."

Mia nickte heftig. Keiner von uns sagte etwas, aber ich wusste, dass wir alle das Gleiche dachten:
Wir waren nicht alleine in diesem Haus.

Mein BruderWo Geschichten leben. Entdecke jetzt