Tommy stand noch immer in der Tür, die Hand am Rahmen, als hätte er Angst, dass der Raum ihn verschlucken könnte. Sein Blick war weich, aber auch irgendwie unsicher, fast so, als würde er auf Zehenspitzen über Erinnerungen laufen, die zu scharf waren.
Ich schluckte, meine Kehle war trocken.
„Tommy... kann ich dir was sagen?"
Er nickte nur. Langsam. Vorsichtig.
Ich atmete durch, aber die Luft brannte.
„Alle sagen, ich schaff das nicht", begann ich. Meine Stimme vibrierte sofort. „Alle sagen, ich bin zu klein. Zu jung. Zu weich. Zu sensibel. Zu... falsch."
Das Wort blieb in meinem Mund hängen wie eine Gräte.
Tommy wollte etwas sagen, aber ich redete weiter, die Worte stolperten aus mir heraus, als hätten sie Angst, dass ich sie wieder runterschlucke.
„Und ich weiß nicht... ich weiß nicht, ob sie recht haben. Ich denke darüber nach, jeden Tag. Jede Nacht. Ich krieg's nicht aus meinem Kopf. Tommy... bin ich wirklich falsch? Denkst du... denkst du, ich schaff das nicht?"
Ich hob den Blick zu ihm. Seine Brust hob sich tief. Wieder ab.
Er atmete schwer. Dieses kurze Zögern, dieser eine Moment stiller Luft — er hätte ein Messer sein können.
Und ich dachte: Da ist sie. Die Antwort.
Etwas in mir riss.
„Super!", fauchte ich, die Stimme plötzlich viel lauter, als ich wollte. „Echt super! Danke. Danke, dass du mich unterstützt. Danke, dass du immer für mich da bist. Wirklich. Ganz toll."
Tommy blinzelte, überrascht, erschrocken.
Ich war schon mitten drin, ohne Bremsen.
„Weißt du was?", meine Stimme brach. „Du hast mich auch allein gelassen. Nachdem Mama und Papa..." Der Satz blieb stecken. Ich presste die Lippen zusammen, spürte, wie die Tränen meine Sicht verschwimmen ließen. „Du bist einfach gegangen. Einfach weg. Und du hast nie gefragt, wie es mir geht. Nie."
Tommy öffnete den Mund, aber ich hob die Hand.
„Noch nicht fertig."
Mein Atem ging unregelmäßig, ein Zittern raste durch meine Brust.
„Du warst nicht da, als Leon losgezogen ist. Du warst nicht da, als ich die Nachricht bekommen hab, dass er vielleicht tot ist. Du warst einfach... weg. Und jetzt—" ich schluckte heftig, „jetzt unterstützt du mich nicht mal. Obwohl es mein größter Traum ist. Obwohl du der Einzige bist, der... der mir gerade sagen kann, dass ich es schaffe."
Meine Schultern sanken.
„Weil ich niemandem so sehr vertraue wie dir."
In dem Moment brach etwas in mir, ein Laut zwischen Schluchzen und ersticktem Luftholen. Ich drehte mich weg, nahm meinen Kopf in beide Hände, als könnte ich die Gedanken festhalten, die dauernd zu Boden fielen.
Es verging ein Moment — ein stiller, schwerer, dicker Moment — und dann hörte ich Schritte.
Leise. Sicher. Warm.
Tommy.
Er blieb keine Sekunde zögernd stehen. Er trat hinter mich, streckte die Arme aus und zog mich einfach zu sich. Ohne Erklärung, ohne Entschuldigung, ohne Bedienungsanleitung.
Ich fiel praktisch in ihn rein, meine Stirn landete an seiner Brust. Mein Körper zitterte so sehr, dass er die Arme fester um mich legte.
„Maya", murmelte er, leise, fast ins Haar hinein.
Ich weinte weiter, die Tränen liefen unkontrollierbar, und ich krallte mich in sein T-Shirt, als wäre es das Einzige, was mich gerade noch zusammenhielt.
Er atmete noch einmal tief ein.
„Ich glaube nicht, dass du es schaffst", sagte er.
Ich stockte. Mein Herz verfehlte einen Schlag.
Und dann, sanft, warm, voller Überzeugung:
„Ich glaube, dass du es rockst.
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Mein Bruder
FanfictionIhr erster Bruder ist vor fünf Jahren gegangen,ihre Eltern sind gestorben und ihr anderer Bruder der immer für Sie da war musste vor vier Monaten zum Außen Einsatz als Sanitäter bei der Bundeswehr. Dies ist meine erste Geschichte über Maya und ihre...
