Kapitel 36

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Mias Sicht

Ich wusste sofort, dass es schlimm war.

Die Schreie hatten sich verändert – es waren keine betrunkenen Rufe mehr, kein Spaß, kein albernes Gejohle. Es war Angst.

Ich sah zuerst das Wasser. Dann die Gruppe am Ufer.

Und dann sie.

Sie rannte los.

„Warte!", rief ich. Aber sie hörte mich nicht.

Ihr Körper verschwand in den Wellen.

Mein Herz raste. Ich wollte ihr hinterher. Ich wollte helfen.

Aber meine Beine fühlten sich an wie Blei. Ich konnte nur stehenbleiben und zusehen, wie die Wellen sie verschlangen Johannna packte meinen Arm. „Oh mein Gott, sie ist wirklich ins Wasser gerannt."

Sekunden vergingen. Dann Minuten.

Ich konnte nichts sehen. Das Wasser war zu dunkel. Was, wenn sie nicht wieder auftauchte?

„Da!", rief jemand.

Ich hielt die Luft an.

Ein Schatten bewegte sich im Wasser. Dann noch einer.

Und dann – sie kam wieder hoch. Mit ihm.

Doch sie kämpfte. Ich konnte es sehen. Sie trug nicht nur sein Gewicht – sie kämpfte gegen die Strömung. Und sie war so weit draußen.

„HILFE!" brüllte ich.

Doch es gab kein Rettungsboot. Kein Seil. Nur sie und das Meer.

Ich war mir nicht sicher, ob sie es schaffen würde.

Als sie es doch tat – als sie mit letzter Kraft den Strand erreichte und in den Sand fiel – wusste ich, dass etwas nicht stimmte.

Und der Mann?

Er öffnete die Augen.

Und sagte nur ein Wort.

„Lauft."


Mein BruderWo Geschichten leben. Entdecke jetzt