Das Leben ließ sich eigentlich ganz gut leben. Es war nicht so schön, dass mein Vater Svens und meine Beziehung verteufelte, aber damit kam ich klar. Auch damit, dass mein Freund ziemlich viel Alkohol trank. So viel, dass er nicht nur einmal in den letzten beiden Monaten auf der Intensivstation mit ausgepumptem Magen landete. Nein, Sven war sicher kein gutes Vorbild, aber er war im Vergleich zu anderen Trinkern eigentlich ganz in Ordnung. Immerhin schlug er niemanden, sondern kippte einfach nach einer Zeit um. Mit ihm zusammen zu bleiben, war nicht immer leicht gewesen, aber bis zum Jahreswechsel hielten meine Nerven dem ganzen noch stand. Es fing alles bei unserer Sylvester Party an. Ab diesem Tag ging es nur noch bergab.
"Weißt du wo Sven sich herumtreibt?" Schrie ich Paulina zu. Unsere Eltern waren nicht zu Hause, deshalb hatte sie kurzerhand eine Party bei uns organisiert. Und natürlich hatte Sven dem sofort zugestimmt, denn es war eine Ausrede dafür, zu trinken. Aber ich hatte ihn vor einer knappen Stunde aus den Augen verloren und fand ihn nicht wieder. Natürlich, dass war verantwortungslos, aber ich wollte doch auch ein ganz kleines bisschen Spaß haben! Was wenn er in irgendeiner Ecke lag? Besoffen und bewusstlos? Dann würde er vielleicht sterben! "Nein, ich hab ihn nicht gesehen, wie wäre es wenn du im Garten nachsiehst?" Schlug sie vor und ließ sich dann wieder von Ray in die Arme nehmen. Gott, die Menschen waren ja unausstehlich, wenn sie getrunken hatten! Ich selbst hatte mir, als ich Sven das erste Mal im Krankenhaus, beim auspumpen des Magens, gesehen hatte, geschworen, niemals in meinem Leben so viel zu trinken.
Auf den Rat von Paulina schaute ich dann auch wirklich in den Garten. Und schwor mir noch eine Sache, nie wieder Gastgeber einer Sylvester Party zu sein. Überall hatten Leute Sex. Sie lagen auf dem Boden, lehnten an der Wand. Warum tat man sowas? Und vor allem, wer tat sowas? Schämt man sich da nicht? Außerdem kannte ich nicht einmal die Hälfte der Leute, die gerade hier waren. Wo kamen die ganzen Menschen nur her? Wer hatte die alle eingeladen? Und warum konnten sie nicht zu Hause Sex haben?
Im Garten konnte ich nicht viel sehen. Nur ein paar Jungs, die gerade einen unserer Sträucher in den Pool warfen, weil er angefangen hatte, zu brennen, nachdem sie eine Rakete darauf gefeuert hatten. "Warum sind Menschen nur so dumm?" Jade stellte sich neben mich und beobachtete mit mir das Geschehen. "Hey, Jade, hast du vielleicht meinen Freund gesehen?" Ich schaute sie hoffnungsvoll an. "Ist er schon wieder abhandengekommen? Was bist du nur für ein schlechter Aufpasser?" Sie lachte. "Und ja, ich habe ihn gesehen, da war er gerade dabei, die kleine Klippe zum Strand nach unten zu klettern!" Sagte sie und im selben Moment hätte ich sie und Sven erwürgen können. "Und warum hältst du ihn nicht auf?" Schrie ich sei an. "Naja, er wirkte eigentlich noch ziemlich nüchtern!" Verteidigte sie sich und ich ließ sie einfach stehen. "Ach komm schon, du weißt wie er ist!" Damit ließ ich sie stehen und machte mich auf den Weg zum Strand.
"Gott, bin ich ein Charakter aus einem Spiel? Die werden doch auch immer herumgeschubst, weil sie jemanden suchen!" Schimpfte ich mit mir selbst. Am Strand war nämlich niemand. Oder zumindest sah ich niemanden. Aber was, wenn er ins Wasser gefallen war? Dann wäre er ganz sicher Tod! Das Meer war eiskalt! Und er würde mit großer Wahrscheinlichkeit ertrinken, er war immerhin betrunken! "Max!" Jemand kam ganz schnell von hinten angerannt, hob mich hoch und wirbelte mich durch die Luft. "AH!" Ich erschrak und versuchte, den Angreifer zu beißen. "Hey, las das!" Sven stellte mich zurück auf den Boden und grinste mich fröhlich an. "Oh Gott, der geht es gut!" Er leichtert drückte ich mich an ihn.
"Warum sollte es mir denn nicht gut gehen?" Er schob mich ein Stück von sich weg, und küsste mich dann. "Ich bin ein erwachsener Mann, ich kann gut auf mich selbst aufpassen!" Argumentierte er. "Du hast ja gar nichts getrunken!" Erstaunt leckte ich mir über die Lippen. "Natürlich nicht! Auf einer Sylvester Party trinkt man doch nicht, was meinst du wie gefährlich das ist?" Er klopfte mir mit der Faust sanft auf den Kopf. "Aber sonst trinkst du doch auch wie ein Loch, ich dachte nicht das du dich zurückhalten kannst! Was machst du überhaupt am Strand? Es ist kalt hier!" Ich rieb mir über die Oberarme und Sven zog seine Jacke aus, um sie mir überzulegen. "Sag mir nicht, dass du gerne da oben in dem stickigen Haus sein willst! Alle haben Sex überall, da zerbricht was, hier liegt jemand halbtot auf dem Boden und da drüben wird gerade jemand ins Krankenhaus gefahren!" Er lachte und nahm mich wieder in den Arm. "Das hier ist viel besser als das da oben."
"Hier seid ihr!" Ray lachte und stolperte den kleinen Hang zu uns herunter. Wir saßen mittlerweile auf der Bank, die gerade noch zu unserem Grundstück gehörte. "Wir haben euch gesucht!" Paulina krallte sich an seinen Arm, um nicht beim stehen umzufallen. "Aber ich trinke wie ein Loch!" Sven schaute vorwurfsvoll zu mir und ich schüttelte den Kopf über meine Schwester und ihren Freund. "Natürlich tust du das!" Noch jemand kam hinter den beiden her, und er hielt Jade im Arm. "Simon?" Sven schaute seinen besten Freund ungläubig an. Er schien auch noch ziemlich nüchtern aus. "Aber wir wissen ja beide wie das mit Sylvester ausgehen kann!" Er lachte und ließ sich neben uns auf die Bank fallen, Jade setzte sich auf seinen Schoß. "Was machst du hier?" Lachte Sven. Er schien sich wirklich zu freuen, dass sein bester Freund da war, sie hatten sich ja auch ewig nicht mehr gesehen. "Naja, Paulina hat mich angerufen und ich dachte mir, meinen besten Freund einmal wiederzusehen schadet doch nicht!" Er klopfte Sven auf den Rücken. "Und ich bleibe auch noch ein paar Tage, also haben wir genug Zeit, um über alle deine Probleme zu sprechen."
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Nicht Gerade Einfach
RomanceMax Leben war nicht immer toll. Er hat viele Schicksalsschläge und Schwierigkeiten hinter sich, aber seit er Sven kennt, hat er zumindest jemanden der in allen Lebenslagen zu ihm hält. Doch was passiert wenn er sich plötzlich genau zu diesem Mann hi...
