Kapitel 41

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"Was haben die da unten denn bitte so wichtiges zu bereden?" Ich schaute aus dem Fenster von Paulinas Zimmer, in das ich mich zurückgezogen hatte, und schaute von dort hinunter in den Garten, wo Sven und Ludwig seit knapp einer Stunde standen und sich unterhielten. "Ich weiß es nicht, aber so wie Silvie sich ihm gegenüber verhalten hat, kann er wirklich kein netter Mensch sein!" Sagte Paulina und kam zu mir. Ich hatte ihr natürlich erzählt was passiert war, während sie bei Ray war und mit ihm für ihre nächste Prüfung gelernt hatte. "Ich hätte Silvie geholfen, wenn ich du wäre, immerhin kennt sie den Typen und weiß wahrscheinlich, dass er Sven nicht guttun wird." Sie stellte sich neben mich und wir beobachteten zusammen die beiden Männer, die sich anscheinend wirklich sehr viel zu erzählen hatten.

"Max? Können wir reden?" Silvie betrat den Raum und sie hatte Tränen in den Augen. "Klar, warum weinst du denn?" Ich ging zu ihr und drückte ihr Gesicht sanft an meine Brust. "Weil ich mein Kind nicht verlieren will! Er steht doch im Moment sowieso nicht gut zu mir, und lässt sich dazu noch leicht beeinflussen! Ludwig könnte ihm alles Mögliche einreden, und das wird er auch! Was ist, wenn Sven mit zu ihm will?" Fragte sie und wimmerte leise. "Du wirst ihn schon nicht verlieren, da bin ich mir sicher! Er liebt dich als seine Mutter und hat dir sicher schon lange wieder vergeben! Außerdem wird Ludwig ihn niemals dazu bringen, mich zu verlassen!" Versuchte ich sie zu ermutigen, aber wie sollte ich es bei ihr schaffen, wenn sie mir gerade meinen Mut genommen hatte?

Paulina hatte nämlich recht, Silvie kannte den Mann und Sven war psychisch nicht stabil, er war beeinflussbar, und vielleicht wollte er wirklich mit ihm mitgehen? Und was war, wenn er ihm das schwul sein wirklich ausredete? Natürlich wusste Sven das er mit absoluter Sicherheit schwul war, aber er konnte sich für Menschen verstellen, also warum nicht für seinen Vater? "Max, du kennst den Mann nicht! Er ist ein Monster und er wollte mir sogar das Sorgerecht für mein Kind nehmen! Nur deshalb habe ich so oft einen anderen Partner gefunden, ich brauchte einfach einen Mann an meiner Seite, der ein festes Einkommen hatte, damit mein Kind bei mir bleiben kann! Und deinen Vater habe ich nur kennengelernt, weil Ludwig wegen Betruges im Gefängnis saß!" Sie weinte noch stärker und drückte mich fest an sie. "Er will ihn mir wegnehmen! Das wollte er schon immer, und das darf ich nicht zulassen! Wenn er Kontakt zu ihm hat, tut ihm das sicher nicht gut!"

"Es tut mir leid, aber warum hast du mir das vorher nie gesagt?" Hakte ich nicht, immerhin sollte sie mir so etwas Wichtiges doch erzählt haben. "Weil ich immer zu Sven gesagt habe, sein Vater wolle ihn nicht, damit er bloß nicht auf die Idee kommt, nach ihm zu suchen! Und ich weiß ganz genau, dass du deinen Mund gegenüber deinem Freund nicht halten könntest, weil ihr alles miteinander teilt!" Sie stieß mich von sich weg und stand von Paulinas Bett auf, auf dass wir uns gesetzt hatten. "Jetzt hab ich es wirklich vollkommen vermasselt! Warum habe ich mir Jahrelang so eine Mühe gegeben, damit es am Ende doch so ausgeht? Hätte ich das nicht ahnen können?" Sie schüttelte ungläubig den Kopf und schloss kurz die Augen, bevor sie sich wieder gefasst hatte. "Wenn ihr mich entschuldigt? Euer Vater hat auch noch etwas Wichtiges mit mir zu bereden und ich hoffe das es nicht unsere Scheidung ist!" Damit verließ sie das Zimmer und ließ Paulina und mich fassungslos zurück.  

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