Kapitel 36

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"Max, was hat dich denn bitte gebissen? Ist irgendwas falschgelaufen? Was hat Silvie dir genau erzählt? Hallo? Bist du noch ganz dicht? Der Jungs wollte dich ficken! Und du warst erst zehn! Ich werde diesem Monster ganz sicher nicht vergeben, dass er meinem kleinen Jungen solche schlimmen Dinge antun wollte!" Schimpfte er mich und ich schüttelte währenddessen nur den Kopf. "Dad, bitte hör auf so zu sein! Er hat dazugelernt! Glaub mir! Und er ist auch erwachsen geworden! Er passt auf mich auf, hält mich nachts warm, bringt mich dazu neue Dinge auszuprobieren und er macht mich glücklich! Das was du seit Jahren nicht mehr auf die Reihe bekommst! Hattest du nicht früher immer Angst, dass ich mich umbringen könnte? Na gut, dann solltest du deinem Stiefsohn, dem Monster, lieber danken, denn ohne ihn würde ich jetzt nicht mehr hier sein!" Schrie ich ihn beinahe an und er zuckte wie vom Blitz getroffen zurück.

Natürlich war das etwas hart, aber es war die Wahrheit. Ohne Sven hätte ich mich sicher irgendwann einfach erhangen, er war in der Zeit, in der es mir so schlecht ging, immer für mich da und er war auch derjenige, wegen dem ich Freunde gehabt hatte. "Max? Das denkst du doch nicht wirklich von mir, oder?" Fragte er mich, aber ich konnte ihn nicht anlügen, also nickte ich nur und stand dann auf. "Du hältst dich vielleicht für einen so tollen Vater, aber glaub mir, dass bist du nicht. Nur ein armer, alter Mann, der seinen Kindern keinen Spaß erlaubt, weil er Angst hat, dass sie sich am Feuer verbrennen. Aber ganz ehrlich? Erziehung ist nicht dein Ding. Manchmal wünsche ich mir, dass du und nicht Mom gestorben wärst. Aber dann hätte ich Sven nicht kennengelernt, also wird es schon seine Richtigkeit haben." Damit ging ich aus der Küche und ließ meinen Vater, in dessen Augen man die Verzweiflung über die Worte, die ich ihm gegenüber ausgesprochen hatte, erkennen konnte, zurück.

"Was hast du bitte zu Dad gesagt, dass es ihn so aus der Bahn geworfen hat? Er hat sich seit beinahe zwei Stunden im Arbeitszimmer eingesperrt und kommt nicht raus!" Paulina riss die Tür zu meinem Zimmer auf und kaum aufgebracht zu mir, während ich nur seelenruhig auf meinem Bett saß und Netflix schaute. "Wir haben nur über Sven geredet und ich habe ihm meine ehrliche Meinung über ihn gesagt. Tut mir leid, wenn er das nicht verkraften kann, aber du weißt wie ich manchmal reagiere, wenn jemand schlecht über meinen Freund redet." Antwortete ich ihr und schaltete dann auf Pause. "Aber doch nicht sowas! Ich meine Dad weint jetzt sicher! Und du weißt das er nicht weint! Er trinkt, und das ist für keinen von uns gut, aber am wenigsten für Silvie, weil sie ihn wieder ertragen muss!" Sie setzte sich zu mir auf Bett und strich mir sanft über den Rücken.

"Ich glaube du und Sven braucht beide Mal eine Auszeit. Ihr rastet ja bei der kleinsten Sache sofort aus!" Sagte sie gedankenverloren zu mir. "Wir rasten nicht bei den kleinsten Sachen aus, sondern bei Sachen, die uns verletzen! Und dich hätte es auch verletzt, wenn Dad zu dir gesagt hätte, er würde sich wünschen du wärst nie geboren worden, vor allem wenn du sowieso das Gefühl hast, sein Leben versaut zu haben. Ich kann Sven verstehen. Und du musst auch mich verstehen. Immerhin liebe ich meinen Freund und er redet ihn immer schlecht! Das ist doch nicht fair! Er könnte uns doch einfach glücklich sein lassen, und nicht immer gegen Sven hetzen!" Beschwerte ich mich bei ihr, während sich Tränen in meinen Augen sammelten. Ich wollte doch nur, dass Dad meine Liebe akzeptierte.  

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