Kapitel 56

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"Wie geht es jetzt mit uns weiter? Hats du irgendwelche Pläne für die Zukunft?" Sven rollte sich auf die Seite und strich mir eine Strähne aus der Stirn, die durch den Schweiß dort geklebt hatte. "Ich will das du glücklich wirst und mit dem Alkohol aufhörst." Antwortete ich und er nickte.

"Das hört sich nach einem wirklich guten Plan an. Aber was ist mit dir? Du gehst nur noch zwei Jahre in die Schule und ich möchte bald anfangen zu studieren. Ich meine, wir müssen uns das irgendwie zusammenraufen, sonst können wir gleich wieder schlussmachen, und ich glaube das will keiner von uns beiden." Er lächelte unsicher.

"Natürlich, also zumindest ich will schon mit dir zusammenbleiben." beteuerte ich. "Mir geht es genauso. Ich will dich nicht wieder verlieren!" "Sven, hast du dich eigentlich schon für ein Studienfach entschieden?" Ich zog eine Augenbraue nach oben und er lachte. "Nicht wirklich. Vielleicht Jura? Medizin? Oder Lehramt?" Schlug er vor.

"Du hast also keine Ahnung was du tun willst?" Ich musste ebenfalls lachen. "Naja, ich hab noch ein bisschen Zeit. Und ich will erst schauen wo ich hinmuss um mein Fach zu studieren." Erklärte er mir und stand dann aus dem Bett auf. "Hey, wo willst du hin?" Rief ich ihm empört nach, als er schon in der Tür stand. "Ich muss noch ein paar wichtige Dinge mit meiner Mutter klären." Damit schloss er die Tür hinter sich und ließ mich in meinem Zimmer alleine.

"Oh, du bist endlich wieder da?" Überrascht ob ich den Kopf, als Sven sich wieder neben mich in das Bett legte. Er war eine gefühlte Ewigkeit unten gewesen und mir war zwischenzeitlich verdammt langweilig geworden, sodass ich den Fernseher angeschaltet hatte, welchen Sven sofort, dass er neben mir lag wieder ausmachte.

"Nein, in Wirklichkeit ist Sven tot und ich bin ein Alien, dass die ganze Weltbevölkerung vernichten will!" Scherzte er und zog mich an sich. "Und? Wie interessant war das Gespräch zwischen deiner Mutter und dir? Reicht es, dass es mich interessieren könnte?" Fragte ich und er nickte.

"Ja, es ging um mein Studium, meine Pläne, ihre Pläne und dein Vater hat stellvertretend für dich geantwortet." Er küsste sanft meine Nasenspitze. "Und? Seid ihr auch zu einem Entschluss gekommen, der für uns alle gut ist?" Hakte ich weiter nach. Wenn Erwachsene etwas unter sich beredeten, war das normalerweise nie gut für mich.

"Naja, wie man es nimmt. Ich werde umziehen, das heißt für uns eine Fernbeziehung. Natürlich kannst du mich in den Ferien und am Wochenende besuchen, aber wenn sich deine Schulnoten verschlechtern, dann darf dein Vater dir das verbieten." Erklärte er mir und ich ließ die Zunge aus dem Mund baumeln und machte Würgegeräusche. Das war nicht fair!

"Hör auf dich darüber zu beschweren, dass ist sowieso nicht der Fall, denn ich werde ganz fleißig mit dir lernen!" Versprach er mir und kitzelte mich dann kurz. "Sven! Lass das!" Ich wand mich aus seinem Griff. "Ach Max. Ich wünschte, das Leben wäre so einfach wie ich es mir früher einmal vorgestellt hatte." Sven lehnte seinen Kopf gegen den meinen und schloss kurz die Augen.

"Komm schon, so schlimm ist es auch nicht. Hast du dir das Leben als Erwachsener wirklich vorgestellt wie ein Zuckerschlecken?" Fragte ich ihn und er nickte leicht. "Irgendwie schon. Man bekommt Geld dafür das man sich mit Idioten herumschlägt und man kann sich selbst Alkohol kaufen. Aber irgendwie läuft das alles nicht so geil im Moment." Er lachte und setzte sich dann wieder aufrecht hin.

"Aber das wird hoffentlich alles besser, wenn du endlich das machen kannst, was du wirklich willst! Ich fühle mich übrigens schlecht, dass du nur wegen mir so lange nicht damit angefangen hast, zu studieren!" Gestand ich ihm. "Das ist doch nicht so schlimm, ich habe mich selbst dafür entschieden." Beteuerte er.

Seine Brust hob und senkte sich regelmäßig als Sven eingeschlafen war. Er schien so kaputt, aber auch glücklich zu sein. Alles war auf einmal gut. Aber wie es in der Zukunft weiterging, wussten wir nicht. Ob wir diese Fernbeziehung auf die Reihe bekommen würden oder es verbauerten. Vielleicht trennten wir uns auch einfach so. Nichts war mit Gewissheit festgelegt und alles konnte passieren.

Das machte mich etwas nervös, aber es war wiederum auch ein schönes Gefühl, alles auf sich zukommen zu lassen. Dadurch brauchte ich keine Angst vor der Zukunft zu haben und musste nicht so viel darüber nachdenken, sodass ich ihm hier und jetzt leben konnte. Und war das hier und jetzt, mit Sven und meinen Freunden, meiner Familie, nicht wunderschön? 

Nicht Gerade EinfachWo Geschichten leben. Entdecke jetzt