Kapitel 45

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"Pscht, das wird schon wieder!" Paulina streichelte sanft über meinen Kopf und ich schaute weiterhin stur geradeaus aus dem Wohnzimmerfenster. Die Gardinen waren offen und so konnte ich den Umzugswagen sehen, in den gerade Svens gesamtes Mobiliar eingeladen wurde. "Nein, ich habs vermasselt, ich bin ein beschissener Freund!" Weinte ich und wie so oft in den letzten Tagen flossen die Tränen wie kleine Bäche über meine Wangen. "Das stimmt doch gar nicht! Ludwig ist ein Arschloch und Sven wird noch mitbekommen was er an der verloren hat und dann kommt er zurückgekrochen, glaub mir, ich kenne ihn mittlerweile." Versuchte sie mich zu trösten. Aber das half nicht wirklich. Warum hörte Sven auch auf einen Typen wie seinen Vater? Wenn er nur das glauben würde, was unsere Mutter über ihn sagte. Natürlich war er nicht gut für meinen Exfreund, wobei ich mich weigerte ihn so zu nennen, weil ich nie mit ihm schlussmachen wollte. Ohne jeden Zweifel wollte ich ihn zurück, ich hatte mich so an ihn gewöhnt, dass ich nicht mehr ohne ihn schlafen konnte. Es war so kalt und einsam unter meiner riesigen Bettdecke.

"Ich weiß das ich immer sehr gemein zu ihm war, und dass ich ihn nicht fair behandelt habe. Vielleicht ist es auch immer so rübergekommen, als hätte ich ihn nicht gemocht, aber ihr passt gut zusammen und es tut mir leid für dich." Mein Vater strich mir, ebenso wie Paulina es vorher getan hatte, über den Kopf und ballte dann kurz diese Hand zur Faust. "Aber egal was noch passiert, ich bin nicht der Typ, der andere schlägt, aber wenn der Idiot noch einen Schritt in dieses Haus geht, dann werde ich ihm beide Arme brechen." Versprach er mir und ich musste sogar kurz lächeln, bevor ich meinen Kopf wieder in das Kissen sinken ließ. "Ich weiß wie es ist, wenn man ein gebrochenes Herz hat, Max. Glaub mir, das passiert jedem Mal." Er klopfte mir aufmunternd auf den Rücken. "Du weißt das du immer mit mir reden kannst Kumpel." War das letzte, dass er zu mir sagte, bevor er aus dem Zimmer ging.

"Willst du das Ding auch irgendwann wieder ausziehen?" Silvie schaute mich etwas komisch an, als ich in die Küche kam. Als Antwort schüttelte ich nur den Kopf und schlurfte weiter in Richtung des Kühlschrankes, aus dem ich dann einen riesigen Becher mit Vanillejoghurt holte. "Aber vielleicht sollten wir den Pulli waschen? Damit du nicht anfängst zu stinken?" Schlug sie dann vor. "NEIN! Dann hört er doch auf so gut nach Sven zu riechen!" Ich zog mir den Kragen des Pullis über die Nase und roch an dem Pullover, den ich in unserer Wäsche gefunden hatte, und bevor Sven ihn mitnehmen konnte, von dort geklaut und in meinem Kleiderschrank versteckt hatte. "Ach Max, ich weiß das du ihn vermisst, aber du kannst dich doch nicht einfach in seinen Klamotten verstecken! Wie wäre es, wenn du ein paar neue Leute kennenlernst?" Schlug sie vor, aber ich schüttelte nur den Kopf und drehte mich um, um in die vollkommen andere Richtung, in die des Wohnzimmers, davonzuschlurfen.

"Du kommst aber schon bald wieder in die Schule? Ich meine, ich brauche dich!" Jade setzte sich auf die Bettkante. "Du bist jetzt schon beinahe zwei Wochen nicht zur Schule gegangen, mir tut die Hand weh, wenn ich ständig für zwei mitschreiben muss!" Sie strich mir über den Rücken. "Komm schon, ich weiß das es nicht leicht ist sowas hinzunehmen, aber du kannst nicht einfach den Rest deines Lebens im Bett verbringen!" Sie versuchte mich an meinem Arm aus dem Bett zu ziehen, aber ich lehnte mich dagegen. "Doch, kann ich." "Dann muss ich dich wohl anders aus deinem Bett holen."  

Nicht Gerade EinfachWo Geschichten leben. Entdecke jetzt