Kapitel 32

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"Ich bin so eine schlechte Mutter! Wie kann ich nur so verdammt dumm sein? Was habe ich nur wieder angestellt? Warum sage ich sowas dummes? Ich sollte keine Kinder haben dürfen!" Silvie saß mit zitternden Händen an unserem Küchentisch, schüttelte im Sekundentakt den Kopf und immer wieder flossen ihr neue Tränen über das Gesicht. "Was soll ich jetzt nur machen?" Sie schaute hilfesuchend zu mir und ich zuckte nur mit den Schultern. Woher sollte ich denn wissen was wir machen sollten? Glaubte sie etwa ich machte mir keine Sorgen?

"Das letzte Mal warst du auch bei ihm, also wirst du auch jetzt bei ihm sein!" Murmelte ich als ich Gedankenverloren Simons Handynummer wählte und auf Lautsprecher stellte. Mein Vater hatte Silvie ins Bett gebracht, aber ich glaubte nicht, dass sie wirklich schlafen konnte. Sie machte sich immer noch sehr große Vorwürfe wegen dem was sie über Sven gesagt hatte. Natürlich wusste ich, dass sie ihren Sohn mehr als alles andere auf dieser Welt liebte, aber jeder sagte doch manchmal dumme Sachen, oder? "Ja?" Endlich hob Simon, nachdem sein Handy schon kurz davor war, den Anrufbeantworter abzuspielen, ab. "Hey Simon, ist Sven bei dir?" Fragte ich ihn. "Nein, der ist doch schon lange wieder zu euch nach Hause gefahren, zumindest hoffe ich das, nachdem er beinahe drei Stunden heulend auf meiner Couch gesessen hatte und ich ihn dazu überredet habe, wieder nach Hause zu fahren, weil sich sicher alle Sorgen um ihn machen." Antwortete er mir. "Naja, wir haben da wohl einen ziemlichen Scheiß gebaut, oder zumindest Silvie. Danke für das Gespräch, mach dir am besten keine Sorgen. Es geht ihm sicher gut." Sagte ich dann noch, und legte sofort auf. Das kam sicher etwas komisch rüber, aber ich wollte nicht länger mit ihm reden, weil mir die Tränen über die Wangen flossen.

"Sven, ich weiß das du uns immer noch böse bist, aber bitte komm zu uns heim, ich brauche dich hier und ich liebe dich und ich mache mir so große Sorgen um dich! Bitte komm einfach nach Hause, am besten gesund. Und bitte, bitte, sei uns nicht böse!" Sprach ich heulend auf den Ab meines Freundes. Es war jetzt drei Tage her das er das letzte Mal bei uns war und ich machte mir mit jeder Minute, nein in jeder Sekunde in der er sich immer noch nicht meldete, mehr Sorgen um ihn. Was war, wenn ihm etwas zugestoßen war? Wir hatten sogar schon eine Vermisstenanzeige bei der Polizei erstattet, aber daraufhin war kein einziger Tipp eingegangen. Wie konnte es denn sein, dass en Typ wie Sven von niemandem gesehen wurde? Sogar auf Facebook und Instagram hatte ich gefragt ob ihn jemand gesehen hatte, und es hatten nicht wenige Leute geliked und die Posts geteilt.

Es dauerte vier Tage, bis wir eine Rückmeldung bekamen. "Er wurde gefunden? Wo muss ich hin?" Silvie schrie beinahe das Telefon an, bevor sie sich eine Andresse auf die Hand schrieb und so schnell auflegte und zur Haustüre rannte, dass ich kaum mehr nachkam. Selbst hatte sie nur ein T-Shirt und eine labbrige Jogginghose an, aber das war ihr egal, denn sie war so froh, dass die Polizei Sven endlich gefunden hatte, dass sie sogar auf der Fahrt anfing zu weinen. "Ich hoffe nur, dass es meinem Baby gut geht!" Sie atmete kurz tief durch und stieg dann aus dem Auto aus und ging auf den Eingang der Polizeistation zu. "Denkst du es war vielleicht falsch hier her zu kommen?" Fragte sie mich, bevor sie die Türe öffnete und mir aufhielt. "Nein, er wird dir hoffentlich nicht böse sein, aber er sieht, dass er dir wichtig ist!" Ermutigte ich sie, mit einem Schulterklopfer. "Du hast recht, zumindest wird er sehen, dass er mir wichtig ist, aber glaub mir, er wird nicht mit mir reden. Wenn er sauer ist, dann redet er beinahe gar nicht mit einem." Antwortete sie mir und folgte mir in die Polizeistation.

"Was meinen sie mit, er ist nicht hier?" Schrie Silvie den Mann an und dieser hob nur beschwichtigend die Hände. "Keine Sorge, es geht ihm gut. Ich muss aber mit ihnen reden." Er bot meiner Mutter einen Stuhl an und sie setzte sich, bevor sie ihn fragte "Wo haben sie ihn gefunden?" Sie wandte sich an den Polizisten und dieser schüttelte nur den Kopf. "Ein Mann hat ihn bewusstlos auf einer Toilette in einer öffentlichen Bücherei gefunden. Die Bluttests haben ergeben, dass er zu dem Zeitpunkt beinahe vier Promille Alkohol im Blut hatte." Antwortete der Mann und schaute meine Mutter ernst an. Silvie senkte nur den Kopf und starrte auf den Boden vor sich. "Da dies laut den Akten, die wir hier haben, nicht das erste Mal war, dass es einen solchen Vorfall gab, und ihr Sohn auch schon mehrere Selbstmordversuche hatte, gehen wir davon aus, dass es wieder einer war." Er legte ihr eine Akte auf den Tisch vor sich.

"Nein, es war nicht das erste Mal." Sie nahm die Akte und schaute dann den Polizisten endlich wieder an. "Wo ist er?" Sie hatte angefangen zu weinen und ich konnte nicht anders als sie in den Arm zu nehmen. "Im Städtischen Krankenhaus. Station drei Zimmer 314." Antwortete er ihr, bevor sie aufstand und ihm die Hand gab. "Ich danke ihnen." Ich konnte ihre Stimme kaum hören, so schwach war sie. "Komm Max."


Pünktlich! Wuhu!  

Nicht Gerade EinfachWo Geschichten leben. Entdecke jetzt