Kapitel 30

1.2K 57 5
                                        

"Ich habe keine Probleme!" Sven schien ziemlich beleidigt zu sein, als wir zum Haus zurückgingen. "Er meint es doch sicher nicht böse!" Beruhigte ich ihm. "Du hast Recht Max. Er will nur das Beste für mich. Und anscheinend auch für deine komische Freundin!" Er zeigte nach hinten, wo sich Jade gerade gegen Simon drückte, als wäre er ihr Rettungsreif. "Ich will nicht, dass er ihr weh tut!" Ich nahm Sven an der Hand und zog ihn nach drinnen. Es war keinen Strich besser, dass einzige was halbwegs auszuhalten war, war die Musik. "Trailerpark, naja, wenigstens ein bisschen Geschmack." Sven lehnte sich an den Türrahmen zum Wohnzimmer und schaute auf die Couch, wo gerade ein paar Leute Pizza aßen. "Warum liegen hier denn überall Drogen rum?" Ray trat gegen eine leere Wodkaflasche und Paulina lachte besorgniserregend.

"Ich kann Menschen einfach nicht leiden." Sven stand vor unserem Bett und zog sich gerade das T-Shirt aus. "Warum denn nicht? Du willst doch manchmal auch einfach nur deinen Spaß haben, und in Sachen Alkohol bist du auch kein Heiliger!" Lachte ich und ließ mich neben ihn in das Bett fallen. "Ich weiß, aber die haben ja wirklich gar keine Manieren! Was meinst du wie viel wir Morgen aufräumen müssen, nur weil ich so nett war und Paulina ihren Spaß gelassen habe?" Fragte er. "Naja, sie wird uns doch hoffentlich helfen!" Ich kuschelte mich an seine Brust. "Nein! Das kannst du schön vergessen, die wird morgen ihren Kater ausschlafen und wir fischen derweil den verbrannten Busch aus dem Pool!" Er lachte und küsste mich auf die Stirn.

Es kam genauso wie Sven es gesagt hatte. Paulina schlief, während wir unsere ganzen leeren Bierkisten mit Flaschen füllten, wobei sogar auffällig viele nicht kaputt waren. Dafür lagen aber in unserem Garten, in der Einfahrt und sogar im Haus, überall Scherben jeglicher Art herum. "Warte Mal, irgendjemand muss Bier mitgebracht haben! Wir hatten am Anfang zwei Kisten weniger! Und Plastikflaschen hatten wir gar keine!" Erstaunt kratzte sich Sven am Kopf und rätselte darüber, wie wir an die ganzen Flaschen gekommen waren. Währenddessen versuchte ich, die Pizza, die auf unserer Couch lag, mit möglichst wenig Brechreiz, von dort zu entfernen.

"Puh, was ist denn hier passiert?" In unserer Küche stank es unglaublich nach irgendetwas. "Das ist Gras. Aber mir wäre es lieber, wenn sie es in einem Raum geraucht hätten, in dem wir keine Vorhänge haben. Die müssen wir jetzt waschen, sonst geht der Geruch nie wieder richtig raus." Erklärte mein Freund mir. "Du hast da wohl schon ein paar Erfahrungen gemacht?" Mit hochgezogener Augenbraue und verschränkten Armen stand ich vor ihm. "Na klar, wie alt bin ich denn? Max! Komm schon! Sei bei solchen Dingen nicht so verklemmt!" Er piekte mich in die Seite und schob sich an mir vorbei, um die Gardienen abzunehmen. "Ich denke wir waschen einfach alle Gardienen, die wir so im Haus haben, dann können wir wenig falsch machen!" Schlug er vor, während er sie in den Waschkeller brachte.

"Oh, ihr seid ja schon ziemlich weit gekommen!" War das erste was ich von Simon hörte, als ich ihm die Türe öffnete und er hereinkam. Gott, ich konnte ihn noch nie leiden, aber dass er schon jetzt so nervig sein würde? "Klar, während du bei Jade geschlafen hast, waren wir fleißig!" Sven nahm ihn in den Arm und dann gingen die beiden ins Wohnzimmer. "Ok, wenn wir her den Staubsaugerrobotter fahren lassen, ist das Ding hin. Simon, du kehrst den ganzen Scheiß nach draußen, auf den Holzboden und Max räumt das derweil weg. Ich fahre das Pfand weg, immerhin bin ich der einzige, der gestern nüchtern war!" Verteilte Sven unsere Aufgaben. Dann nahm er sich die Schlüssel von Simons Auto und ging nach draußen, um die Kisten irgendwie in das Auto zu zwängen.

"Weißt du, ich finde ihr beiden gebt ein echt gutes Pärchen ab!" Simon lächelte mich an und schaute mir dabei zu, wie ich Erdnussflips vom Boden auf meine Schaufel kehrte. "Oh, danke." War das einzige was ich dazu sagte, ich wollte mich nicht mit ihm unterhalten! "Ich weiß das du mich nicht ausstehen kannst, aber ich bin gut für deinen Bruder Schrägstrich Freund. Und ich bin auch teilweise schuld daran, dass ihr eine Beziehung habt!" Er lachte und kehrte weiter den Dreck vom Teppich. "Was meinst du damit?" Er hatte mich jetzt neugierig gemacht. Was sollte er schon zu meiner Beziehung beigetragen haben? "Naja, ohne mich hätte Sven schon vor Jahren aufgehört, dich zu lieben und sich einem anderen Jungen zugewandt. Aber ich habe das heldenhaft verhindert, indem ich ihm immer wieder eingeredet habe, deine Abweisung würde nur zeigen, dass du selber schwul, aber zu feige bist es zuzugeben." Er klopfte sich auf die Brust.

"Na klar! Feige! Ich bin nicht feige!" Verteidigte ich mich. "Irgendwie schon Max! Aber ich verstehe eure Liebe sowieso nicht so ganz. Wo kommt der plötzliche Sinneswandel deinerseits her? Warum willst du auf einmal mit Sven zusammen sein? Das ergibt überhaupt keinen Sinn! Nur weil du ein schlechtes Gewissen hast, weil du ihn so angeschrien hast?" Fragte er und zog dabei eine Augenbraue nach oben. "Ich weiß es doch selbst nicht so genau! Und außerdem ist das jetzt schon ewig her und unsere Beziehung läuft super! Wir haben regelmäßig Sex, finden neue Freunde und engen uns nicht zu sehr ein." Antwortete ich ihm. "Und was, wenn Sven das nicht so sieht? Was wenn er nicht denkt, dass eure Beziehung so wunderbar ist? Weißt du, du glaubst vielleicht an die erste große Liebe und an deinen Traumprinzen, aber Sven glaubt vielleicht nicht daran." Damit lehnte er den Besen an die Wand und setzte sich auf einen unserer Küchenstühle.

"Aber warum sollte er da anderer Meinung sein als ich?" Ich folgte ihm in die Küche und setzte mich ebenfalls auf einen Stuhl. "Macht dein Vater dir das Leben zur Hölle? Weißt du überhaupt wie er sich gegenüber von Sven verhält seit ihr eine Beziehung habt? Er war ja vorher nicht so von seinem Stiefsohn begeistert, aber jetzt? Glaubst du wirklich, dass eine Beziehung, bei der der eine permanentem Druck von außen ausgesetzt ist, lange funktionieren kann?" Er stützte sich auf die Küchenablage zwischen uns. "Glaub mir, vielleicht ist es für dich noch schön, aber bald wird das alles auf dich niederstürzen!"

Genau in dem Augenblick hörte man die Haustüre klicken und jemanden hereinkommen. "Ich bin wieder da!" Sven stand fröhlich grinsend im Türrahmen zum Wohnzimmer und kam zu dann zu uns. "Und? Über was unterhaltet ihr euch so?"  

Nicht Gerade EinfachWo Geschichten leben. Entdecke jetzt