Talyas Pov.
Ein plötzliches Geräusch lässt mich auffahren. Müde fahre ich mir kurz mit meiner Hand über die Augen, bevor ich mich blinzelnd umblicke. Es ist alles dunkel, doch irgendetwas muss mich doch aufgeweckt haben! Nananananananana...Schaallaaalaaa... Fog? Bist du jetzt völlig durchgedreht?! Keine Antwort. Toll. Endlich werden meine Sinne schärfer und ich nehme Geräusche wahr. Ein Herzklopfen und das Läuten an der Tür. Und nun dringt auch ein Geruch durch das leicht geöffnete Wohnzimmerfenster. Maaaate! Matimate! Das ist nicht gut Fog. Wir müssen verschwinden! Und wie willst du das anstellen? Ich will übrigens nicht weg, also doch. Ich will zu ihm!
Ich denke noch kurz noch, doch bevor ich mir einen Fluchtplan ausdenken kann, höre ich ein tiefes Knurren von draussen: ,,Ich breche die Tür ein, wenn du jetzt nicht aufmachst!" Die Stimme kommt mir seltsam bekannt vor, doch ich kann sie nicht genau zuordnen. Allerdings macht sie mir Angst. Schreckliche Angst. Okay, ich sollte mich beeilen. Denn der Kandidat dort draussen scheint nicht der Geduldigste zu sein. Beweg dich! Na los! Schon gut. Eilig stehe ich vom Sofa auf und mache mich mit schnellen Schritten auf den Weg zur Tür. Von meinen Schmerzen spüre ich nun nichts mehr und auch die Müdigkeit ist verflogen.
Aber wo ist der verdammte Schlüssel?! Wie verrückt drehe ich mich im Kreis. Von draussen höre ich, wie mein Mate wieder anfängt zu knurren: ,,Ich gebe dir zehn Sekunden! Zehn." Wo ist der Schlüssel? Fog? Mhhm? Er riecht soo gut, nicht wahr? Fog ist also im Moment keine grosse Hilfe. Gut. Nachdenken. ,,Neun." Ich bin reingekommen. Habe abgeschlossen. ,,Acht." Dann habe ich den Schlüssel zurückgelegt. Er ist im Schuh! ,,Sieben." Ich bücke mich und fasse in den Schuh. Mist, der Falsche! ,,Sechs". Ich durchsuche den anderen Schuh. Endlich, der Schlüssel. Ich war noch nie so froh, einen Schlüssel gefunden zu haben.
Matimatemaaate... Ich fasse zusammen. Ein Typ, denn ich irgendwoher kenne, aber nicht weiss, wer er ist, will meine Haustür aufbrechen. Meine innere Wölfin beginnt durchzudrehen und ich verzweifle. Tolle Situation. Plötzlich reisst mich eine laute Stimme aus meinen Gedanken: ,,Drei." Verdammt. Schnell laufe ich zur Haustür und schliesse auf. Also versuche es. Ich kann irgendwie einfach nicht gut mit Schlüsseln umgehen. Wenn man sich fragt, wie das geht, ich weiss es auch nicht. Ich kann es einfach nicht so gut. ,,Zwei." Schnell versuche ich nochmal aufzuschliessen. Und diesmal klappt es auch. ,,Eins." Eilig öffne ich die Tür und erstarre fast sofort vor Angst.
Vor mir steht jemand, denn ich nur zu gut kenne. In seinen hellblauen, fast silbernen Augen erkenne ich ein Glitzern, dass ich nicht deuten kann. Er knurrt glücklich auf, als ich die Tür geöffnet hatte. ,,Mate!" Sein Knurren macht mir gleichzeitig Angst, während ich mich auch ein wenig zu ihm hingezogen fühle. Allerdings überwiegt die Angst. Endlich meldet sich Fog wieder. Oh. ER ist unser Mate. Jap. Richtig erkannt. Ich versuche mich zu bewegen, zu flüchten, doch vor Panik kann ich mich kaum bewegen. Auf einmal spüre ich die Arme meines Mates um mich. Verzweifelt denke ich über einen Ausweg nach.
Wie lautet der Auftrag? How to entkommen vor Ascan. Okay. Nachdenken... Trick 12? Und dann? Renn! Und wenn er dich einholt, mach auf ängstlichen Mensch, der keine Ahnung hat, was hier vor sich geht. Guter Plan. Erst versuche ich mich so von ihm zu entfernen, allerdings zieht er mich so nur noch fester an sich. Ich unterdrücke die aufkommende Panik und wende nun meinen geliebten Trick 12 an. Unseren Trick 12. Jaja. Wie erwartet krümmt er sich und geht zu Boden. Schnell renne ich los. Ich habe nicht allzu fest getreten, da ich meinen Plan umsetzen möchte. Äh Jaja, unseren Plan.
Gutes Ta. Und jetzt renn endlich! Hatte nichts anderes vor. Schnell drehe ich mich um und laufe los, in die Richtung des Waldes. Natürlich nicht in voller Geschwindigkeit, da das definitiv noch auffallender wäre. Schon bald nehme ich Ascans immer näherkommenden Geruch wahr. Und jetzt heisst es schauspielern! Jap. Aber warum bist du jetzt nicht mehr völlig durchgeknallt? Nun ja...Ich fühle ja eigentlich fast immer dieselben Dinge wie du. Und auch mir hat Ascan so viel Angst gemacht, dass, sobald ich ihn erkannt habe, ich nur noch Panik hatte. Das kann ich nur allzu gut nachempfinden. Ist ja auch klar.
Aber jetzt reiss dich zusammen und spiele, was das Zeug hält! Das klingt falsch. Du weisst schon, was ich meine. Also los! Jaja. Ich atme noch einmal tief ein und dann wieder aus. Ich stehe nicht weit im Wald drin. Allerdings weit genug, dass ein normaler Mensch nun nicht mehr könnte. Also beschleunige ich meinen Atem und blicke mich panisch um. Eigentlich wäre das überhaupt nicht nötig, da ich genau weiss, dass er nur noch etwa zweihundert Meter entfernt ist. Und ich weiss auch, dass er in fünf Sekunden bei mir sein wird. Also spiele ich weiter.
Sobald ich ihn sehen kann, versuche ich panisch weiter zu rennen, stolpere aber absichtlich über meine eigenen Füsse. Mit einem dumpfen Geräusch schlage ich auf dem Waldboden auf und tue so, als wäre ich ohnmächtig geworden. Ich atme sehr flach und langsam ein und aus und fast sofort schlägt mein Herz so langsam, wie ich es geplant habe. Wir schaffen das, weiter so! Sei bitte einfach still. Ich höre, wie er sich mir nähert. Mit jedem Schritt, den er näher kommt, wird es schwerer meine aufkommende Panik zu bekämpfen. Ich will weg von ihm, weit weg. Doch ich wollte auch bei ihm sein.
Ich versuche, mich nicht weiter von meinen Gefühlen verwirren zu lassen und konzentriere mich darauf, mein Herz nicht schneller schlagen zu lassen. Auch das habe ich Jahre lang geübt. Auf einmal höre ich ihn leise flüstern: ,,Scheisse!" Dann spüre ich, wie er mich hochhebt und im vollen Tempo rennt er mit mir auf den Arm los. Mein Kopf liegt auf seiner Brust, während er mich wie ein Baby durch die Gegend trägt. Wieder verwirren mich meine Gefühle. Ich will mich befreien, heulen, einfach weg von ihm. Aber da ist noch die andere Seite, die dank der Mate-Verbindung nicht mehr ohne ihn will.
Ich weiss jetzt schon, dass es schwer wird, diese neue Seite zu bekämpfen. Doch ich muss es schaffen, ohne dass sie mich zerstört. Das ist der einzig mögliche Plan, oder? Ja. Aber er darf nicht mithineingezogen werden. Ich dachte, du willst ihn nicht? Hast du nicht Angst vor ihm? Doch, und wie! Aber er ist noch immer unser Mate. Und damit wir nicht zugrunde gehen, muss ich diese Mate-Verbindung erst bekämpfen, bevor ich mich lossagen kann. Und es gibt wirklich keine andere Möglichkeit? Warum meinst du? Nun ja. Könnte er uns nicht irgendwie helfen? Wenn wir es ihm erklären, wird er es vielleicht verstehen.
Als ob. Und du sollst das Gleiche fühlen wie ich? Ich fühle so gut wie dasselbe wie du. Allerdings habe ich mehr wölfische Instinkte. Und die sagen nun mal, dass wir unseren Mate nicht aufgeben sollen. Du und deine Instinkte! Ich muss diese Verbindung bekämpfen, verstehst du das nicht? Es ist besser für uns. Wie du meinst. Ich habe meine Meinung nun gesagt. Also das alles wieder gut ist oder was? Er hat uns eigentlich getötet! Wir müssten tot sein, wären wir dass, was er denkt was wir sind. Ich habe nicht gesagt, dass wir ihm sofort verzeihen müssen und auch nicht das wir alles vergessen sollen. Aber wir sollten ihm alles erzählen. Nein. Umso mehr er weiss, umso gefährlicher wird es für ihn. Und dank dieser verdammten Mate-Sache können wir vorerst nicht mehr ohne ihn.
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The Night Wolf
WerewolfTalya (16) ist anders als andere. Sie ist eine Werwölfin. Doch sie gehört keinem Rudel an. Sie versteckt, zusammen mit ihrem Bruder, ihre Identität als Werwolf vor anderen ihrer Art. Doch als sie umziehen, trifft sie auf ihren Mate und alles ändert...
