,,Ich komme nicht mit. Tut mir leid..." Warum?! ,,Warum?!", fragen mich Fog und Dylan nun gleichzeitig. Die Antwort darauf? Ich kann das nicht. Ich kann keine Luna sein, dafür bin ich zu gebrochen, zu instabil. Ich kann grosse Mengen an Menschen, oder eben auch Werwölfen, nicht ausstehen. Ich bin weder besonders nett, noch fröhlich. Was also macht mich zu einer Luna, wenn das alles Kriterien sind? Eine Luna, sollte aufgeschlossen, nett und symphytisch sein. Sie sollte ihrem Rudel beiseite stehen. Doch das alles bin ich nicht und kann ich nicht. Mein letztes Ziel für mein Leben ist es, meine Verfolger loszuwerden, die ich schon öfters gewittert habe.
Danach werde ich fortgehen. Vielleicht in die Berge, vielleicht hier her. Jedenfalls falls ich überlebe. Mein Bruder blickt mich noch immer fragend an. Wenn ich mich nicht täusche, liegt auch Trauer in seinem Blick. Ich weiss, dass er eine Antwort erwartet, doch die kann ich ihm nicht geben. Er weiss nicht, wie nah ich bereits am Abgrund gestanden habe. Wie kurz davor ich war, mein Leben aufzugeben. Doch du hast es nicht gemacht und darauf kommt es an. Wir müssen zurück zu unserem Mate. Ich weiss, dass er uns unterstützen würde. Davon träumst du wohl. Ausserdem, warst du nicht diejenige, die mir sagte, ich sollte ihn vergessen?!
Ich habe das gesagt, weil ich auch so dachte. Aber nach diesen Bildern und Dylan, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Ich spüre diese Schmerzen doch auch. Und ich weiss, dass sie mit der Zeit immer schlimmer werden. Bis wir nicht mehr können. Fog, hast du mir vorher nicht zugehört?! Ich kann keine Luna sein, begreifst du das nicht? Du weisst wie gebrochen ich bin. Nur wegen dir lebe ich noch! Darauf erwidert Fog nichts mehr. Jedoch durchbricht nun Dylan die Stille: ,,Bitte Tal. Du verschlimmerst es so nur. Ihr werdet beide daran zerbrechen. Das Rudel wird daran zerbrechen. Bitte, komm freiwillig zurück!"
Ich schüttle nur meinen Kopf. Ich kann das alles nicht. Tränen stehen mir in den Augen. Das Rudel soll nicht zerbrechen. Doch selbst wenn ich dort wäre, könnte ich nicht helfen. Warum muss alles bloss so unendlich kompliziert sein?! Hätte ich meinen Mate doch bloss nie gefunden! Ich weiss nicht, was meine Eltern hierzu gesagt hätten. Doch dank mir leben sie ja nicht mehr. Mit noch relativ fester Stimme antworte ich Dylan: ,,Geh nach Hause, Dylan. Zu deiner Mate und deinem Rudel. Ich denke, sie vermissen dich schon. Und Dylan-"
Ich zögere kurz, denn dieser eine Satz fällt mir unglaublich schwer, doch dann fahre ich fort: ,,Vergiss mich bitte. Vergesst ihr alle mich. Mach den Fehler nicht noch einmal und suche mich auf. Leb wohl..." Mit diesen Worten drehe ich mich um und gehe. Ich weiss nicht wohin, aber meine Beine tragen mich automatisch voran. Der Tränenschleier, der sich vor meinen Augen gebildet hat, nimmt mir die Sicht. Nach einer Weile merke ich, dass ich stehen geblieben bin. Ich blinzle die Tränen weg und schaue mich um. Ich stehe auf einer Lichtung. Allerdings nicht auf irgendeiner. Auf dieser Lichtung starben meine Eltern. Langsam gehe ich über das Gras.
Fast glaube ich, dunkle Blutflecken entdecken zu können, so wie sie damals in Massen auf dieser Lichtung waren. Ich schlucke schwer. Dann fällt mein Blick auf ein Gebüsch. Es ist das Gebüsch, wo ich mich versteckt habe. Ich blicke mich weiter um, bis ich den Busch entdecken kann, hinter dem sich mein Bruder damals versteckt hielt. Ich schliesse kurz meine Augen und danke ihm im Stillen, dass er Dylan das Leben rettete. Jetzt redest du schon mit Büschen? Siehst du, ohne unseren Mate werden wir ganz verrückt. Können wir nicht einfach zurück?! Ich ignoriere Fog und dränge sie so weit zurück, wie es mir möglich ist.
Auf einmal höre ich ein leises Rascheln hinter mir, jedoch kann ich keinen Geruch wahrnehmen. Blitzschnell drehe ich mich um. Vor mir steht Dylan mit einem entschuldigenden Blick. Dann spüre ich einen kleinen Stich in meinem Arm. Sofort fällt mein Blick darauf. Eine Spritze steckt in meinem Arm. Fassungslos ist mein Blick auf meinen Bruder gerichtet. Dylan hat mir eine Spritze gegeben, deren Wirkung ich nun zu spüren bekomme. Müdigkeit umfängt mich und alles dreht sich. Dann falle ich kraftlos zu Boden. Ich merke nur noch, dass mich jemand hochhebt und davonträgt. Dann spüre ich gar nichts mehr.
Ich sehe eine durchschnittlich grosse, recht kräftig gebaute, schwarzhaarige Frau. Neben ihr steht ein grosser, gut gebauter Mann mit blonden Haaren. Ich sehe sie ziemlich unscharf in dem weissen Raum, dennoch weiss ich ganz genau, wer das ist. Finja und Damien Clark, meine Eltern. Ich versuche mich ihnen zu nähern, ihnen zuzurufen, doch alles scheint vergeblich. Je näher ich kommen will, desto weiter scheinen sie sich zu entfernen. Und je lauter und verzweifelter ich sie rufe, fast schon schreie, je mehr überkommt mich das Gefühl, dass sie mich immer weniger hören. Doch plötzlich stehen sie direkt vor mir. Genauso wie ich sie in Erinnerung habe.
Mums braune Augen scheinen regelrecht zu Strahlen, als sie meinen Vater verliebt anblickt. Er lächelt sie ebenfalls überglücklich an und in seinen grün-blauen Augen kann ich ein hocherfreutes Glitzern sehen. Dann stehen wir auf einmal nicht mehr in einem weissen Raum, sondern im Wald. Jedoch stehen sie noch genauso da, wie zuvor. Glücklich und verliebt. Doch dann ändert sich das Bild. Mein Vater wird von einem mir unbekannten Mann wütend zurechtgewiesen. Ich kann ihre Worte nicht verstehen, höre auch sonst nichts. Ich kann nur sehen. Mum steht gar nicht ihm Raum. Als nächstes sehe ich hunderte von fremden Werwölfen, die alle um meinen Vater herum stehen.
Mit erhobenem Blick steht er mitten in ihnen und scheint etwas von dem Mann zu verlangen, der ihn zuvor zurechtgewiesen zu haben scheint. Ich sehe, wie sein Gegenüber wütend wird und dann meinen Vater angreift. Dieser kann sich befreien, sagt noch etwas und prescht dann durch die Werwölfe hindurch, die jedoch keine Regung zeigen. Nicht einer scheint gewillt, meinen Vater aufzuhalten. Ich sehe, wie Damien meine Mutter im Wald trifft und etwas zu ihr sagt. Dann sehe ich sie gemeinsam in Wolfsgestalt davonrennen. Das Letzte was ich von ihnen sehe ist das braun-graue Fell meiner Mutter und den schwarzen Pelz meines Vaters. Dann sehe ich nichts mehr.
Ein dumpfes Geräusch reisst mich aus dem Nichts. Stimmen. Laute Stimmen, jedoch unverständlich in meinem momentanen Zustand. Verwirrt, wie ich überhaupt in so eine Lage geraten konnte, versuche ich mich zu erinnern. Erst fällt mir nichts ein, doch dann strömen die Geschehnisse förmlich auf mich ein. Ich kann mich auf einen Schlag wieder an alles erinnern. Und kaum passierte das, kommt auch mein Körpergefühl zurück. Zunehmend werden die Stimmen lauter, doch ganz verstehen kann ich sie noch immer nicht. Unruhig versuche ich, meine Augen zu öffnen. Grelles Licht lässt mich hektisch blinzeln, doch dann haben sich meine Augen daran gewöhnt.
Noch etwas schläfrig suche ich meine Umgebung ab. Ich bin allein in einem Krankenzimmer, allerdings sieht es nicht nach Krankenhaus aus. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir, das vor diesem Haus Bäume stehen. Womöglich steht es sogar in einem Wald. Aus einem Raum, wahrscheinlich einem Nebenzimmer zu diesem, vernehme ich laute Stimmen, die ich nun auch verstehen und zuordnen kann. Ich zucke ein wenig zusammen, als ich Ascan, fast schon schreiend, höre: ,,Wie zur Mondgöttin hat sie diese Spritze, die du ihr gegeben hast, überlebt?! Ich weiss, was es war, das kannst du nicht leugnen.
Der Rudelarzt hat sie diesmal mit dir zusammen untersucht. Also weiss ich auch, was für eine Mixtur ist und in welcher Menge du sie ihr etwa verabreicht hast! Kein Mensch und auch nicht alle Werwölfe hätten das überlebt, das weisst du. Also, was ist sie? Ein Werwolf? Wenn ja, dann hast du mich angelogen und du weisst was das heisst!" Ich höre kurzes Schweigen, dann höre ich Dylan antworten, allerdings in einer etwas gesitteteren Tonlage als Ascan: ,,Ich kann und darf nichts über sie sagen. Ich habe es ihr und meinen Eltern versprochen und Versprechen halte ich. Ich habe mir, als ich jünger war, einmal geschworen, so oft es geht das zu tun, was ich für richtig empfinde. Und für mich war und ist es richtig, dass ich dir nichts über sie verrate.
Auch habe ich es für richtig empfunden, sie hier her zurückzubringen, da sie hier sicher ist. Also pass auf sie auf. Denn auch wenn du mein Alpha bist, ist sie immer noch meine Schw- schweigsame und liebenswerte Cousine!" Beinahe hätte er es verraten! Zum Glück konnte er es noch retten... hoffen wir mal, dass Ascan es ihm abnimmt. Ich richte mich nun langsam auf. Prompt, als hätte ich einen Glasschrank umgestossen, stürmen die beiden herein. Ich starre Dylan kurz an. Er hat mich hier her gebracht, weil er es für das Richtige hält. Aber was ich für das Richtige halte, scheint er wohl übersehen zu haben. Auch wenn es vielleicht nicht das Richtige ist, was du für richtig hältst?
Dylan will mir seine Hand auf meine Schulter legen, doch ich schlage sie weg. Als er vorsichtig nach meinem Wohlbefinden fragt, antworte ich ihm nicht. Nach wenigen Augenblicken, dreht er sich um und geht hinaus. Ich schätze, Ascan hat ihn rausgeschickt. Schweigen tritt in den Raum. Jedoch kein angenehmes, sondern eines, das nach Antworten verlangt. Starr blicke ich aus dem Fenster, unfähig etwas zu sagen. Am liebsten würde ich ihm in die Arme springen und nie mehr loslassen. Doch gleichzeitig will ich einfach nur weg. Weg von hier. Zurück auf die Wasserfalllichtung. Doch ich weiss Instinktiv, dass ich nun lange nicht mehr dort sein kann...
DU LIEST GERADE
The Night Wolf
WerewolfTalya (16) ist anders als andere. Sie ist eine Werwölfin. Doch sie gehört keinem Rudel an. Sie versteckt, zusammen mit ihrem Bruder, ihre Identität als Werwolf vor anderen ihrer Art. Doch als sie umziehen, trifft sie auf ihren Mate und alles ändert...
