Kapitel 19

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Einige Minuten später saß ich neben Melanie, die mich verwirrt musterte. »Was soll denn das werden?« und sie zeigte auf meinen beladenen Teller. »Was denn?«, fragte ich schon fast genervt und dachte an die Worte von Aiden. Vielleicht übertrieb ich es doch etwas zu sehr in den letzten Tagen und bereute schon wieder, dass ich mir zwei Brötchen fertig gemacht hatte. »So viel ist das doch gar nicht«, probierte ich mich gleichwohl zu rechtfertigen. »Nein. Eigentlich nicht... Wenn man nicht schon den ganzen Tag gefuttert hat. Außerdem, was ist damit?« und Mel tippte auf den Rand vom Teller und ich murmelte: »Das ist doch nur Käse und ein bisschen Wurst!« Ich hatte irgendwie echt Knast und wusste nicht einmal auf was. Das kennt man doch, oder nicht? »Aber du vergiss die Tüte Gummibären in deiner anderen Hand. »Zählst du mir jetzt das Essen vor?«, murrte ich genervt, weil mir das prompt auf den Sack ging. Sonst war ihr das doch auch Wurst. 

»Kann ja nicht jeder so dürre sein, wie du!«, brummte ich. »Ey. Ich habe doch gar nichts gegen deine Figur gesagt. Du weißt genau, dass ich gern tauschen würde. Du musst ja nicht gleich ekelhaft werden!«, kam von ihr zurück und sie reckte bockig das Kinn in die Luft, schaute dann zu Thomas und riss ihn am Ärmel nach oben. Fragend sah er erst mich, dann seine Freundin an. So, als konnte er nicht ganz verstehen, was los war. »Komm wir gehen ins Bett«, sagte sie und riss ihn regelrecht aus der Küche, wobei ich nichts mehr sagen konnte. Ich war eher am Fußboden festgewachsen und starrte den beiden hinterher. Im Anschluss auf meinen Teller. Wurden hier langsam alle komisch? Ungeachtet dessen stellte ich diesen schnellstmöglich auf der Arbeitsplatte wieder ab, biss von meinem Brötchen mit ganz viel Nutella und beschloss die Packung Gummibären doch wieder in den Vorratsschrank zurückzulegen.

Als ich diesen öffnete, sah ich allerdings nicht bloß eine und beugte mich schließlich ein wenig nach hinten, in der Hoffnung, dass mich niemand entdeckte und ich ganz allein war. Es war doch nicht schlimm eine zu nehmen. Hier war genug von dem Zeug, also brauchte sich auch niemand darum zu scheren, dass ich mir etwas zum Naschen nahm. Ich schluckte und leckte mir den Mundwinkel sauber, drehte mich wieder mit der Tüte herum und beschloss sie doch mit nach oben zu nehmen. Damian würde zwar keine davon haben wollen, aber egal. Das hieß nämlich nicht, dass ich es lassen musste. Ich aß diese Dinger nämlich eigentlich selten, doch wenn ich schon sündigte, dann richtig.

Als ich vor einer Woche diesen Schrank entdecke, klaute ich mir manchmal etwas daraus, was aber kein Problem war, zumindest sagte das Aiden, der mich schon in der Nacht dabei erwischte, wie ich herumschlich. Aber es ging nicht anders. Damian brach mir mit seiner Abwesenheit das Herz. Ich konnte deswegen kaum schlafen. Dann riss ich immer die Lider nach oben und taumelte im Halbschlaf und im Dunkeln nach unten, schnappte mir eine Tüte Chips oder etwas Süßes, stolperte wieder ins Bett und konnte wenigstens so etwas meine Unzufriedenheit stillen. Also konnte man eher sagen: Frustfressen.

Nun war ich zwar nicht gänzlich verstimmt, doch ich hatte Kohldampf. Auf alles. »Wieso gönnt mir nur niemand was?«, sprach ich zu mir selbst und versuchte im Stehen alles herunterzuschlucken, was zumindest auf meinem Teller lag. Ich musste zu Damian. Er wollte aber, dass ich etwas im Magen hatte. Also musste ich mich beeilen. Was ich schließlich tat. Zu allem Übel verschluckte ich mich dabei auch noch ständig, weswegen ich leider nicht gerade schneller vorankam. »Hey! Bekommst du überhaupt noch Luft?«, erschreckte mich Aiden von hinten und sah mich kopfschüttelnd an. »Wenn ich es nicht anders denken würde, konnte man glatt sagen, du bist schwanger!«, lachte er augenblicklich und ich hielt in meiner Bewegung inne. 

Warum dachte er an so etwas? Sah das aus, als wenn ich es wäre? Das konnte definitiv nicht der Fall sein. Aber irgendwie war ich einfach nur in der letzten Zeit so verwirrt, dass es mir sogar schwer fiel zu rechnen. Nein. Ich nahm die Pille. Ich war es nicht. Das war unmöglich. Oder doch? Um Gottes Himmels Willen. Jetzt jagte er mir noch unbewusst einen richtigen Schrecken ein. Verdammt. Nein. Ich war da immer zuverlässig. Ich hatte nur, als mich Aiden anschoss keine genommen und den nächsten Tag auch nicht und dann... fuck. Es waren drei Tage. Aber ich schluckte sie seit Jahren immer regelmäßig. Sogar tagtäglich, weil ich sie durchnehmen konnte, ohne dass ich meine Periode bekam. Außerdem war es bei mir sowieso etwas komplizierter. Aber um ehrlich zu sein... Ich hatte nicht einmal drüber nachgedacht, dass trotz alledem etwas passieren konnte. Immerhin hatte ich anderes zu tun.

Bad Temptation II - BreatheGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt