Kapitel 36

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Von Weitem nahm ich eine männliche Stimme wahr. Schließlich eine zweite. Sie schienen sich zu unterhalten. Nur wage Worte drangen in meinen schmerzenden Schädel. Was ist passiert? Träume ich? Wo ist Damian?  Kurz versuchte ich mich an seinen Geruch zu erinnern. An seine Wärme. Seine Hände auf meiner Haut, die mich beruhigend streichelten und für mich da waren, aber nichts dergleichen passierte. Zwar versuchte ich stetig, mir diesen Mann im Geiste vorzustellen, doch es war schwerer wie gedacht, da die Übelkeit in meinem Bauch größer und größer wurde.

Der metallische Geruch von Blut strömte mir unaufhaltsam in die Nase. Es war widerlich, auch wenn mir nach und nach in den Sinn kam, dass es mein Eigenes sein musste. Zugleich versuchte ich meine Finger ein bisschen zu bewegen. Schwer wie Blei fühlten sich diese an. So, als steckte ich gar nicht mehr richtig in meinem Körper. Doch prompt war da ein kleines Steinchen. Ich drückte meine Fingerkuppe drauf, aber auch diese kleine Empfindung schien weit weg zu sein. Erneut probierte ich mich zu bewegen; meine Hände über den Boden gleiten zu lassen. Irgendwie fühlte es sich an, als wären sie gar nicht mehr an meinem Körper. Ich wollte mich selbst umklammern, mich irgendwie schützen, aber wie, wenn ich mich wie eine Leiche fühlte?

Dumpfe Qualen wollten mich erneut in die Bewusstlosigkeit ziehen, obwohl ich dort gerade erst herkam. Ich konnte zwar noch nicht meine Lider öffnen, doch meine Gedankengänge wurden stetig klarer. War das richtig so? Denn schlagartig kamen die ganzen Bilder wieder zurück. Alles. Wie Zac mich aus dem Wrack zog und in ein anderes Auto verfrachtete. Wie Aiden schwerverletzt auf dem Beton aufschlug. Wie dieser Collegejunge mich in diesen Raum hineinzog und ich die Chance nutzte Damian zu erreichen. Wie mich Simon dabei erwischte und mich in ein anderes Zimmer, wenn man es so nennen konnte, brachte, und mich dort verprügelte. Es tat weh. Noch immer spürte ich den Schlagring in meinem Gesicht. Schmerzen, die ich noch niemals zuvor in meinem Leben erfuhr und dabei hielt er sich auch nicht zurück. Ich wusste, dass er mit Sicherheit auch keine Reue verspürte.

Langsam probierte ich zu schlucken, da sich meine Kehle staubtrocken anfühlte. Ich brauchte dringend etwas Flüssigkeit, aber das scherte weder Simon noch Zac. So wie es den Anschein hatte, unterhielten sich genau die beiden. Sie standen nicht weit von meinem nackten ausgekühlten Körper entfernt. Und umso mehr ich in die Wirklichkeit gerissen wurde, umso lauter drangen irgendwelche Worte in meine Ohren. Sollte ich mich womöglich bemerkbar machen? Doch was wäre dann? Schlug mich Simon erneut? War es besser den Mund erst einmal zu halten und still wie nur möglich liegen zu bleiben?

Ich entschied mich schlussendlich für Nummer zwei, ließ die Lider geschlossen und versuchte weiterhin still zu halten, was in meinem Zustand nicht wirklich schwer war. »Was ist nun? Willst du sie so liegen lassen?«, nahm ich Zacs Stimme augenblicklich wahr. »Was glaubst du denn? Oder hast du Mitleid mit ihr? Du weißt ganz genau, dass so etwas hier nichts zu suchen hat. Verstanden? Wenn du irgendwann mal den Platz deiner Schwester einnehmen willst, werde zu einem Mann und verhalte dich nicht wie ein Weichei.« Prompt hörte man Klamotten rascheln und ein Schnaufen. »Das hat damit nichts zu tun. Wenn du sie so liegen lässt, wirst du nicht viel Freude an ihr haben. Hier ist es arschkalt.«

Wollte Zac mich schützen? Daran glaubte ich nicht, aber sowie sein Bruder verhielt er sich auch nicht wirklich. Womöglich war nicht abgehärtet genug, aber wenn das so war, dann sollte ich möglicherweise auch diese kleine Chance nutzen. Wenn er sich mit mir allein im Raum befand, konnte ich ihn eventuell bequatschen; anflehen mir wenigstens meine Klamotten wieder zu bringen oder zumindest eine Decke. Vielleicht. Ja vielleicht half er mir, auch wenn das eher Nonsens war. Doch man sah, wie Simon darauf reagierte, falls er ihn erwischte. Er würde ihm genauso eine verpassen, wie noch zuvor. Die Hoffnung durfte ich aber auch nicht verlieren. Ich war noch nie eine, die das so schnell tat. In dieser Situation sah es allerdings nun ganz anders aus. Ich war müde. Endlos müde. Damian weit weg. Ich ganz allein. In dem Moment hoffte ich, wenn sie mir noch Schlimmeres antaten, es schnell ging. Sehr schnell.

Bad Temptation II - BreatheGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt