Im Unterricht saß ich angespannt da, die Sache von vor einer Woche hatte ich immer noch nicht verdaut.
Cara schaute mich die ganze Zeit sorgenvoll an, doch sagte sie nichts, was auch besser so war, denn die Aggressionen waren noch immer nicht weg.
Ich atmete lauf auf, als es endlich zur Pause klingelte und ich mich in meine ruhige Ecke verkriechen konnte.
Dort lernte ich für die kommenden Klausuren, hörte ruhige Musik oder lauschte einfach den Geräuschen des Pausenhofes und der Stadt.
Shane, Cara und die Jungs machten sich sorgen, doch ich verklickerte Ihnen, dass ich einfach meine Ruhe brauchte und dann wieder zu Ihnen an den Tisch kommen würde, sobald sie Aggressionen weg waren.
Als es zum Unterricht schellte, bewegte ich mich langsam in das Gebäude, ich hatte einfach kein Bock mehr.
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In meinem Zimmer lief ich auf und ab.
Es war Vollmond Nacht, Kenay war mit den anderen beim Rudel und ich war hier, in meinem Zimmer und realisierte, dass es eine beschissene Idee war, hier zu bleiben.
Wenn ich mich in einen Werwolf verwandele, würde ich doch alles Kaputt machen!
Panisch lief ich in den Keller, da war ein Raum der leer, groß und stabil war.
Ich schloss die Tür zu, diese war aus stabilem Metall, und setzte noch einen extra Kettenschloss dran. Sicher ist sicher.
Nachdem ich mich an der Wand runter rutschen ließ, starrte ich aus dem winzig kleinen Fenster nach draußen.
Der Mond erreicht in wenigen Minuten den Höhepunkt und ich würde zum Werwolf werden.
Ich bereitete mich mental schon drauf vor, doch es passierte nichts.
Ich verspürte keine Schmerzen, nicht wie jeder Knochen bricht, keine Aggressionen und zwanzig Minuten später war ich immer noch Kyrie, immer noch in Menschengestalt.
Auch als der Mond seinen höchsten stand wieder verließ, passierte nichts.
Ich stand auf und lief auf und ab.
Was war das jetzt? Ich verwandelte mich nicht in einen Werwolf, war immer noch ein Mensch.
Es ist nichts passiert. Nichts!
Ich schloss die Kette und die Tür wieder auf und lief hoch in mein Zimmer.
Tausende Gedanken durchströmten meinen Kopf und ich verstand die Welt nicht mehr.
Um das Werwolf Gen zu aktivieren, muss man jemanden töten, das hatte ich getan, doch ich verwandelte mich nicht.
Völlig verstört legte ich mich in mein Bett und fiel in einen unruhigen Schlaf.
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Im Mythologie Unterricht beobachtete ich jede einzelne Bewegung von Mr. Mikaelson und wartete nur darauf, meine auf der Zunge brennende Frage zu stellen.
Auch er schien jede meiner Bewegungen zu beobachten und so langsam machte ich mir sorgen, dass mein Lehrer vermutlich auf mich steht. Ewwwww.
„Letzte Stunde haben wir uns über Werwölfe unterhalten. Wer kann mir was über diese Kreaturen sagen?"
Einige Schüler meldeten sich.
„Derek."
„Werwölfe verwandeln sich immer bei Vollmond."
Mr. Mikaelson nickte.
„Nikolas."
„Sie sind ziemlich aggressiv. Vor allem in der Verwandlungsphase."
Ein nicken.
„Wieso werden Menschen überhaupt zu Werwölfen?" fragte er.
„Cara."
„Sie tragen eine Art mutierten Gen in sich, was sich immer weiter vererbt, auch wenn ein Elternteil menschlich ist, da das Gen ziemlich dominant ist."
Er nickte wieder und murmelte etwas.
„Und wieso verwandeln sie nicht von Geburt an?"
Keiner meldete sich.
„Leute, ihr solltet sie Doppelseite über Werwölfe doch durchlesen."
Ein Getuschel ging durch die Menge und ich hob zaghaft meine Hand.
Mr. Mikaelson lächelte und nahm mich dran.
„Sie müssen jemanden töten, um das Gen zu aktivieren."
Er nickte anerkennend und ich hob wieder die Hand.
„Ja?"
„Ich hab eine Frage."
Mr. Mikaelson schaute mich erwartend an.
„Kann das Gen eigentlich durch einen Fehler übersprungen werden?"
Cara schaute mich skeptisch an, genauso wie andere aus dem Rudel, die ich vor kurzem kennengelernt hatte.
„Eigentlich nicht, nein. In der Mythologie steht auch nichts darüber. Interessante Frage, wieso hast du sie gestellt."
Ich knetete meine Hände unterm Tisch.
„Nur so aus Neugier. Ich hab nämlich nichts im Buch darüber finden können."
Er gab sich mit der Antwort zufrieden und führte den Unterricht weiter.
Cara warf mir weiterhin vielsagende Blicke zu, die soviel hießen wie: wir reden noch.
Nach der Schule lief ich mal wieder alleine nach Hause, da Shane und die Jungs noch Football Training hatten und Cara Ihnen zugucken wollte.
Ich erblickte Mr. Mikaelson und dachte mir nichts dabei, aber als ich auch noch auf dem halben Weg immer wieder sein Gesicht erblickte, wurde ich stutzig.
Als ich umdrehte, sah ich ihn hinter einem Baum stehen.
„Sagen Sie mal, verfolgen sie mich etwa?"
„Kyrie, beruhige dich bitte. Ich verfolge dich nicht, also nicht direkt. Ich... wir müssen miteinander reden."
Ich starrte ihn perplex an.
„Ich wüsste nicht, was ich mit meinem Mythologie Lehrer zu bereden hätte."
Ich drehte mich um und ging meinen Weg fort.
„Ich habe deine Mutter geliebt." ertönte aufeinmal eine Stimme vor mir.
Und da stand mein Lehrer, obwohl er noch vor einigen Minuten hinter mir stand.
„Wie sind sie? Und... was? Meine... meine Mutter?"
Er nickte.
„Komm, wir gehen ein Stück und ich erkläre dir alles."
Ich willigte ein und wir liefen in einen Park.
„Vor 20 Jahren habe ich deine Mutter kennengelernt. Sie hatte gerade vor einigen Wochen deinen Bruder zur Welt gebracht.
Ich war sofort von ihr angetan, ein Jahr lang blieben wir nur Freunde, bis wir... nun ja... du weißt schon."
Ich guckte angewidert weg.
„Das wollte ich nicht unbedingt wissen."
„Aber du musst es wissen, damit du es verstehst. Aufjedenfall passierte es halt, dass sie schwanger wurde. Da hatte sie es mit uns beiden beendet, da sie sich doch für Kay Sheron, Kenays Vater, entschieden hatte.
Sie wollte die jahrelange Beziehung und mittlerweile Ehe nicht hinschmeißen, also ließ sie mich abblitzen und zog weg.
Das letzte mal hatte ich von ihr gehört, als sie mir Bescheid gegeben hat, dass unser Kind auf der Welt ist, aber ich sie niemals sehen dürfe, wegen Kay."
„A-Aber Mom hatte nur mich und... und Kenay. Sie hat uns nie von einem anderen Kind erzählt."
„Weil du es bist, Kyrie. Du bist meine und Gabriela's Tochter."
Mir wich jede Farbe aus dem Gesicht.
„Das-Das kann nicht sein."
„Doch, es ist aber so. Du hast nicht aus neugier diese Frage heute im Mythologie Unterricht gestellt, sondern um herauszufinden, was mit dir nicht stimmt.
Ich weiß, was hier abgeht, dass es Werwölfe, Vampire, Hexen und noch weiteres gibt.
Ich weiß, dass du Schonmal jemanden getötet hast und dich gewundert hast, wieso du nicht zum Werwolf wurdest, wie dein Bruder.
Es liegt daran, dass du nicht das Werwolf Gen hast, da Kay nicht dein richtiger Vater war. Du, Kyrie, bist eine Hexe und die Kraft die du hast, hab ich bis jetzt noch nie bei jemanden gesehen.
Es scheint so, als ob jede Hexe, die gelebt hat, Dir ihre Kraft gegeben hat."
Ich konnte es nicht fassen.
Er lügt nicht, ich konnte es fühlen und da Ich es fühlen könnte, glaubte ich ihm.
Ich war eine Hexe.
„Ok, ich bin also eine mächtige Hexe, du bist mein Dad und alle Kreaturen der Mythologie existieren."
Eine Träne rollte meine Wange hinab.
„Aber du... du bist...bist mein Dad."
Er nickte und lächelte mich liebevoll an.
Plötzlich wurde ich sauer.
„Wieso hast du es mir nicht früher gesagt? Ich habe dich nach dem Tod von Mom und Da-, ich meine Kay, gebraucht!"
„Ich weiß. Nach ihrem Tod hab ich nach Dir gesucht, aber ich fand dich nicht und fing an zu denken, dass du mit Ihnen gestorben bist und als ich dich in der Schule sah, musste ich erst herausfinden, ob du es wirklich bist. Es tut mir so leid, Kyrie."
Ich fiel ihm um den Hals und fing an vor Freude zu weinen. Ich war nicht allein, ich hatte meinen richtigen Dad gefunden, oder besser gesagt, er mich.
„Ich verzeihe dir."
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Pretty Hell
ParanormaleNach einem schrecklichen Vorfall zieht Kyrie mit ihrem Bruder, Kenay, nach New York, um ihr Leben von neu zu beginnen. Einige Monate leben sie dort friedlich, bis nach und nach die grausame Wahrheit ans Licht kommt und die Hölle auf Erden ausbricht...
