Chapter 33 - Mr. Howl

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Ich wippte den Stift hin und her und wartete nur darauf, dass die letzten Minuten endlich vergehen, um diesen stickigen Matheraum zu verlassen und um in die Pause zu gehen.
Die Gala war in weniger als einer Woche, besser gesagt schon in fünf Tagen und jeder hier redete sich den Mund über diese Veranstaltung Wund.
Als es zur Pause klingelte, stürmte jeder wie ein wildgewordenes Huhn nach draußen, während ich seelenruhig meine Sachen zusammen packte und dann als letzte den Raum verließ.
Als ich durch den Flur zur Cafeteria lief, wurde überall getuschelt und natürlich war das Thema dieser getuschelei die Gala, auch hörte ich einige Male, wie sie von mir sprachen, da ich dort singen werde.
Genervt ließ ich mich neben Shane fallen, drückte ihm einen Kuss zur Begrüßung auf die Lippen und schaute dann hasserfüllt durch die Menge.
„Was ist denn Dir über die Leber gelaufen?" fragte Norah, als sie meinen düsteren blick sah.
„Die Menschen gehen mir auf den Sack. Seit dem sie wissen was und wer wir sind wird schon die ganze Zeit getuschelt, aber jetzt, wo die Gala stattfindet, reißen sie sich wortwörtlich ihr Maul auf."
Norah schüttelte den Kopf, Shane legte eine Hand auf meinen Oberschenkel und die anderen rückten ein Stück von mir weg.
„Kyrie, beruhige dich. Du weißt was passiert, wenn du wütend bist. Vergiss nicht, du kannst erst seit drei Monaten richtig Zaubern, deine Magie ist noch zu stark und könnte jeden von uns hier umbringen."
Ich atmete tief ein und aus.
Sie wussten doch gar nicht, wieso ich so empfindlich darauf reagiere.
„Ihr versteht es nicht." sagte ich mit knirschenden Zähnen.
„Dann erkläre es uns." forderte Norah.
Ich schaute sie entgeistert an und fing zögernd an zu erzählen.
„Diese Gala...sie wird in ehren meiner Mutter gehalten und all denen, die vor und nach ihr gefallen sind."
„Deine Mutter hatte wohl einen hohen Rang in der Gesellschaft." meinte Alec.
„Sie war die Frau von eurem Alpha, ihr seid die stärksten und gefährlichsten Werwölfe auf der Welt, natürlich hatte sie einen Hohen rang." giftete ich ihn an.
„Ganz ruhig, du bist heute ja ganz schön am schießen."
„Schlechte Laune halt, jeder denkt diese Gala macht sie automatisch zu was besserem, aber dabei wissen sie nicht, wie schwer es für die Personen ist, die jemanden verloren haben und  zu wissen, dass diese Gala in Ehren zu Ihnen gefeiert wird."
Shane legte seinen Arm um mich und küsste meinen Kopf.
„Wir wissen wie schwer es für dich ist. Diese Gala wird auch zu ehren von Cara gefeiert und wir alle haben sie geliebt."
Ich nickte.
„Es ist schön, wenn man die Toten gedenkt, aber sie ziehen sie somit in den Dreck."
„Ich weiß, Schatz. Ich weiß."

Nach der Schule ging ich zum Veranstalter der Gala, um mit ihm ein ernstes Wort zu wechseln.
„Hallo, ich suche..." ich schaute auf die kleine Visitenkarte, „...Mr. Howl."
„Haben sie einen Termin vereinbart?" fragte die Sekretärin höflich.
„Nein, leider nicht, aber-"
„Es tut mir leid. Mr. Howl ist ein viel beschäftigter Mann und ohne vereinbarten Termin kann ich sie leider nicht zu ihm lassen. Ist es denn sehr wichtig? Ich könnte vielleicht noch irgendwo zwischen den anderen Terminen einen für sie erstellen."
„Ja, es ist sehr dringend. So dringend, dass ich nicht auf einen Termin warten kann.
Es geht um die Gala und ich glaub, er lässt die Tochter einer alten Freundin rein, oder?"
„Wer ist denn ihre Mutter?"
„Gabriela Sheron."
„Oh! Sagen sie das doch gleich!"
Sie tippte eine Nummer auf dem Telefon ein und redete auf irgendeiner mir fremden Sprache mit einer Person.
„Ich habe die Persönliche Sekretärin von Mr. Howl angerufen, sie können zu ihm."
„Vielen dank."
Ich lief zum Aufzug und drückte auf den Knopf mit der Zahl zehn.
Nach einigen Sekunden war ich da und traf auf eine Sekretärin, die eher wie eine Nutte aussah als eine Sekretärin, diese lächelte mich aber freundlich an und zeigte mit dem Daumen auf eine Tür.
Ich nickte ihr als dank zu und ging zur Tür, auf der in Goldenen Initialen Mr. Howl stand und klopfte.
„Herein!"
Ich öffnete die Tür und meine Kinnlade klappte runter.
„Damon?!" 
Dieser grinste breit und gab mir die Hand.
„Was guckst du so? Nicht gewusst, dass mein alter Herr Mr. Howl ist?"
„Nein, aber eher dachte ich, dass du Mr. Howl bist."
Er fing an herzhaft zu lachen und legte eine Hand auf meine Schulter.
„Du bist echt witzig, Kyrie." seine Miene veränderte sich schlagartig.
„Du hättest meinen Vater gerade sehen sollen. Als er erfahren hat, dass du mit ihm reden willst, ist er völlig ausgeflippt und ist sich sogar umziehen gegangen. Was hast du gegen ihn in der Hand?"
Ich schaute ihn schräg an.
„Ich habe nichts gegen deinen Vater in der Hand, ich will nur mit ihm über die Gala reden."
„Er lässt aber niemanden einfach so ohne Termin zu ihm ins Büro. Also, was ist da los?"
„Er kannte meine Mutter. Gabriela Sheron."
Er schaute mich schockiert an.
„Du bist ihre Tochter." flüsterte er kaum hörbar, sogar Tränen bildeten sich in seinen Augen.
„Kein Wunder wieso mein Vater so reagiert hat. Setz dich." Er blinzelte seine Tränen weg.
„Wieso reagiert jeder so empfindlich auf meine Mutter?"
„Weil sie eine Heldin war. Obwohl sie ein Mensch war, war sie...sie hatte was magisches an sich. Jeder wollte sie beschützen, auf sie aufpassen und als Kenay auf die Welt kam erst recht und dann kamst du und...das, was Gabriela mit jedem angestellt hat, hast du auch. Wir wollten euch schützen, wir wussten selbst nicht wieso, aber es war da, dieses Verlangen. Und dann...-"
„Dann bekamen wir die Nachricht, dass die Sheron's umgebracht worden sind und unsere Herzen starben mit, deine Mutter war eine Wundervolle Frau und der erste Mensch, der kein Monster in uns sah."
Ich schaute auf und erblickte Mr. Howl.
„Keiner wusste, dass ihr überlebt habt und das ist auch besser so. Die Dämonen wollten die Sherons komplett auslöschen und haben es auch fast geschafft."
Er kam auf mich zu und nahm mich fest in den Arm.
„Du...du hast die Augen deiner Mutter."
Ich lächelte und eine Träne rollte meine Wange runter.
„Ich wollte eigentlich mit Ihnen über die Gala reden."

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