Mel's Sicht
Drei Tage war es her, dass wir Kyra verloren haben. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass langsam wieder die Normalität einkehrte. Aber so war es nicht. Die ganze Stadt, vor allem das Rudel war niedergeschlagen. Keiner von uns wollte oder konnte es glauben, dass Kyra nie wieder mit uns zur Schule gehen würde - obwohl sie das schon längst nicht mehr gemusst hätte. Oder mit ihrer coolen Art jeden zur Weißglut bringen würde. Es gab so vieles, was uns an Kyra erinnert. Sie fehlt uns einfach so sehr... Zarek war langsam am verzweifeln, da ich kaum noch aß oder mit jemanden sprach. Dabei ging es allen von uns so. Kaum einer schlief mehr wirklich oder aß. Es schien, als würden wir alle in einer Blase feststecken, die nur aus Depression, Trauer und Eintönigkeit bestand. Kyra hatte einem jeden von uns das Leben gerettet - Zarek sogar zweimal schon und sie hat ohne zu zögern sich geopfert. Es war im endefekt nicht... fair.
Tränen liefen mir in feinen Rinnsalen die Wangen hinunter, während ich mein trauriges selbst im Spiegel beobachtete. Ich umklammerte den Kristall, den Kyra mir gegeben hatte. Ich war noch in der selben Nacht immer wieder unser Gespräch durchgegangen. Aber bis jetzt konnte ich das Blut noch nicht trinken. Ich wusste nicht was mich davon abhielt. Ob es die Erinnerung an sie waren oder einfach Feigheit - ich hatte keine Ahnung. Aber wahrscheinlich eher letzteres. Ich hatte Angst vor dem was passieren würde.
Ein leises Klopfen an der Tür holte mich aus meinen Gedanken. Victoria öffnete fast lautlos die Tür und versuchte mir ein aufmunterndes Lächeln zu schenken. Leider ein totaler Reinfall. Sie sah genau so fertig aus wie ich. Blass, dunkle Augenringe und ein Mine als würde es seit Wochen nur noch regnen. Aber wir alle sahen so aus und fühlten uns so.
"Ich wollte nur kurz nach dir sehen.", meinte sie und setzte sich auf die Kante der Badewanne. "Die anderen sind mit Lukas wieder in den Wald los." Ich ließ mich neben sie sinken.
"Okay, aber sie suchen schon seit drei Tagen nach ihr oder dem was sie... naja dann war oder so und bis jetzt war die Suche erfolglos.", antwortete ich leise. Ich hätte mir ja gerne selbst eingeredet, dass Kyra nich irgendwo da draußen war aber das wäre unmöglich. Kaden war zwei Stunden nach seinem Zusammenbruch vor drei Tagen, direkt losgezogen und hatte sie gesucht. Zarek, Lukas und die anderen hatten sich ihm einfach stumm angeschlossen, denn sie alle trugen noch einen Funken Hoffnung in sich, dass Kyra irgendwie doch noch lebte.
"Lukas hat Thunder, Crys, Lya und Lee angeboten Teil des Rudels zu werden.", sagte Victoria plötzlich.
"Dein Ernst? Haben sie angenommen?"
Sie atmete tief ein, bevor sie antwortete.
"Noch nicht - sie würden gerne, aber nur wenn Kaden auch ins Rudel kommt. Aber der lässt sich hier nicht länger als fünf Minuten mal blicken und wenn spricht auch mit niemanden."
Ich nickte. Wir alle verstanden Kadens Schmerz und auch wenn keiner von uns tatsächlich in der Lage war, das selbe zu fühlen wie er, litten wir auch und alles was wir wollten, war ihm beiseite zu stehen. Nur war er sturer als sonst.
"Was ist das?", fragte Vic fast schon flüsternd und wies mit einem leichten Kopfnicken auf den Kristall, den ich leicht umklammert hielt.
"Ähm... Kyra hat mir diese Kette gegeben.", antwortete ich. Ich hatte versprochen es niemanden zu erzählen, aber ich konnte nicht anders als sie umzulegen. Irgendwie bekam ich dann das Gefühl, dass Kyra noch am leben war und alles gut ausgehen würde. Und dieses Gefühl brauchte ich einfach. Deswegen trug ich sie offen um den Hals.
"Der Kristall ist mit Blut gefüllt oder?" Ihre Nasenflügel bewegten sich leicht und mir war sofort klar, dass sie das Blut gewittert hatte.
"Ja.", sagte ich und nahm die Kette ab, um sie in der Hand zu betrachten. "Eigentlich hatte ich ihr versprochen mit niemanden darüber zu reden, aber... ach keine ahnung. Eigentlich hätte ich schon vor Tagen das Blut trinken sollen, aber ich hab Angst."
Victoria nickte verständnisvoll. In den letzten Tagen war sie mit wirklich ans Herz gewachsen und mir eine wunderbare Freundin gewesen. Abgesehen davon, dass wir beide zusammen auf dem Bett gesessen hatten um zu weinen. Irgendwie hat uns das auf eine besondere Weise zusammengeschweißt. Und mir fehlte Lynn. Es würde mich ein paar Tage dauern bis sie und die anderen wieder da wären und Victoria brauchte genau so dringend wie ich selbst eine Freundin und Schulter zum ausheulen. Erneut liefen mir Tränen die Wangen hinunter, nur musste ich dieses Mal nicht alleine da durch. Vic war hier und dafür war ich tatsächlich auch dankbar.
"Du brauchst keine Angst haben. Kyra hatte Gründe für all ihre Taten, also vertrau darauf und trink es. Auch wenn es irgendwie ekelig ist. Ich bin nämlich da, falls irgendetwas passieren sollte.", gab Victoria von sich und drückte leicht meine Hand. Ich schluckte und drehte den Kristall einige Male zwischen den Fingern.
Langsam löste ich den Kristall aus der kleinen Verankerung und führte ihn zu meinen Lippen. Meine Hand zitterte und mein Herz pochte heftig. Genau wie Victoria gesagt hatte - ich musste Kyra vertrauen, egal wie sehr ich mich vor den Konsequenzen auch drücken wollte.
Ich setzte den Kristall an und leerte ihn mit einem Schluck. Der starke Geschmack nach Eisen ließ mich das Gesicht angeekelt verziehen. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, mich nicht gleich zu übergeben.
"Alles okay?", fragte Victoria leicht besorgt. "Du siehst gerade gar nicht gut aus."
"Ja. Das war nur wirklich sehr... ekelig.", antwortete ich darauf und verließ das Badezimmer. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es draußen bald dunkel werden würde. Victoria ließ mich nicht aus den Augen und irgendetwas sagte mir, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.
"Was ist los?"
"Mel, du wirst gerade sehr blass.", teilte sie mir mit und als ich ihr direkt in die Augen sah, schlug sie sich erschrocken die Hände vor den Mund.
"Wa...", ich beendete das Wort nicht sondern sah mich perplex im Zimmer um. Alles schien plötzlich so viel stärkere Konturen zu haben und die Farben waren kräftiger als ich es je erwartet hätte. Überstürzt stürmte ich an der Lykanerin vorbei und zurück ins Badezimmer. Als ich den Spiegel sah, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Sie leuchteten plötzlich in strahlendem Blau.
"Wow... Was passiert hier gerade?", fragte ich nach Luft ringend. Angst kroch in mir hoch und ich atmete viel zu schnell. Ich sah Victoria panisch an, doch auch sie schien langsam Angst zu bekommen.
"Verdammt Mel, wessen Blut hast du da getrunken?", fragte sie mit ernster Stimme.
"Was? Wieso?" Sie trat einen Schritt zurück und musterte mich ungläubig. Ich griff nach hinten um mich an dem Waschbecken festzuhalten, denn das Badezimmer schien sich plötzlich zu drehen.
"Weil du dich gerade verwandelst." Und genau in dem Augenblick, indem ich realisierte was Victoria gesagt hatte, schrie ich vor Schmerzen auf und krümmte mich auf dem Boden, bis alles schlagartig vorbei war. Ich hatte mich in einen Wolf verwandelt. Das, was mir nie möglich gewesen war, war gerade geschehen.
___________________________________________
Hii❤
Ich bin immer noch fix und fertig von dem letzten Kapitel... aber wir erreichen den finalen Countdown.
Noch 5 Kapitel bis zum Ende des Buches und somit der Reihe.😥☀️
Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich hab irgendwie Angst davor....
Aber, danach (also Kapitel 51 und 52) werden Epiloge sein, um das ganze wirklich zu finishen. 😂
Soweit der Plan.
LG
Jessy❤
DU LIEST GERADE
Wolfsblut - Adanyi
Werewolf~ Weißt du, was du bist? Für Melania hat sich alles schlagartig geändert und in eine völlig andere Richtung entwickelt, als erwartet. Doch ein neues Gesicht taucht in der Stadt auf und die mysteriöse Kyra scheint alles andere als normal zu sein, abe...
