28. Kapitel

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„Gehst du morgen wieder zum Selbstverteidigungskurs?" ich versuchte etwas Smalltalk mit Ida zu führen, während wir zu ihr nach Hause spazierten.

„Nein, vermutlich nicht." antwortete sie knapp.

„Warum nicht?"

„Du wolltest doch etwas Wichtiges mit mir besprechen, dann tue das bitte auch." sie wehrte sich immer noch gegen mich, aber ich würde es schon noch schaffen ihre steinerne Fassade zu durchbrechen.

„Kommst du immer gleich zur Sache?" scherzte ich lächelnd. Sie seufzte genervt und blieb still.

Ich wartete bis wir in eine ruhigere Straße einbogen, die von Einfamilienhäusern gesäumt war.

„Warum hast du mich nach unserem Kuss ignoriert?" stellte ich ihr dann die Frage, die mir seit dem Tag nicht mehr aus dem Kopf ging.

„Weil ich kein Bock auf sowas habe. Ich möchte im Moment nichts mit irgendeinem Jungen anfangen."

„Bist du lesbisch?" ich bekam leicht Panik.

„Nein." sie sah mich an, als hätte ich jetzt komplett meinen Verstand verloren. Ich atmete erleichtert aus.

„Aber ich möchte im Moment für mich bleiben. Ich habe keine Lust wieder romantische Gefühle für irgendwen zu entwickeln und mich dadurch in die Scheiße zu reiten."

Wer hat dir nur wehgetan Ida?

„Das ist ziemlich feige." sagte ich trocken.

Sie schwieg.

„Und es ist auch ziemlich egoistisch, weil du dir das hättest überlegen sollen, bevor du mich geküsst hast."

„Das ist nicht fair, Levi. Du hast mich geküsst und ich habe dich daraufhin sogar von mir gestoßen. Ich habe dir deutlich gezeigt, dass ich nichts von dir will."

„Bullshit!" ich erhob meine Stimme, weil Wut in mir hochkochte. „Du tust ja so, als hätte ich mich dir aufgezwungen. Dabei weißt du genauso gut, wie ich, dass das nicht stimmt. Du hast dich immer wieder mit mir getroffen, Ida."

„Ja, weil du Alex Freund bist. Ich wollte mit dir befreundet sein." trotzdem ich wusste das sie log, machte mich das was sie sagte wütend. Sie war so stur.

„Das mag vielleicht am Anfang so gewesen zu sein, aber jetzt hast du bereits Gefühle für mich entwickelt. Das kannst du nicht abstreiten, denn die Art, wie du mich geküsst hast, verrät dich." ich streckte selbstbewusst den Rücken durch und sah ihr fest in die Augen.

„Das ist Schwachsinn." sie hielt meinem Blick stand.

„Du willst mir also sagen, dass du nichts fühlst, wenn ich dir näherkomme?" ich machte einen Schritt auf sie zu und senkte meinen Kopf bis mein Atem auf ihre empfindsame Haut in der Halsbeuge traf. Sie bekam sofort eine Gänsehaut und ich begann zu grinsen.

Die Luft um uns herum lud sich immer weiter elektrisch auf. Es herrschte eine gewisse Spannung zwischen uns.

„Du fühlst auch nichts, wenn ich dich sanft berühre?" ich schob ein paar Haarsträhnen beiseite, sodass ihre linke Halsseite jetzt komplett unbedeckt vor mir lag. Dann strich ich vorsichtig mit meinen Fingern über ihre Haut. Sie erzitterte und ihre Lider flatterten.

„Und du fühlst auch nichts, wenn ich das hier tue?" ich senkte meine Lippen auf ihren entblößten Hals. Ich hörte, wie sie schwer die Luft einsog. In meiner Magengegend fing es an zu kribbeln. Ich verspürte Genugtuung, als ich merkte, wie sie unter meiner Berührung weich wurde. Das hier fühlte sich fast noch besser an, als einen Kampf zu gewinnen.

Sie versuchte jetzt nicht mal mehr sich dagegen zu wehren. Aber ich wollte nicht zu weit gehen, also ließ ich wieder von ihr ab.

Sofort öffneten sich ihre Augen wieder.

„Hör auf dich gegen deine Gefühle zu wehren und gib dich ihnen endlich hin." forderte ich.

„I-ich ... das kann ich nicht so einfach tun, Levi." ihre Mauern waren schon halb eingerissen, aber sie hielt sich immer noch hinter ihnen selbst gefangen.

„Doch du kannst. Denk nicht immer so viel darüber nach und mach es einfach."

„Ich habe Angst." ihre Stimme zitterte leicht.

Ich nahm ihre kleine Hand in meine und drückte sie sanft.

„Wovor?" fragte ich.

„Wieder verletzt zu werden." antwortete sie. „Ich bin noch nicht so weit, Levi. Tut mir leid."

Enttäuscht ließ ich ihre Hand wieder los.

„Ich möchte das wir weiterhin Freunde bleiben."

Ich wollte ihr sagen, dass wir nie richtige Freunde waren, aber ich tat es nicht, denn ich wollte sie nicht ganz verlieren.

„Und dann?" ich klang hoffnungsvoller, als ich mich in Wirklichkeit fühlte.

„Das werden wir dann sehen." Ida zuckte lieblos mit den Schultern.

Ich seufzte.

„Okay. Ich werde trotzdem nicht lockerlassen." erwiderte ich lächelnd. Sie warf mir einen bösen Blick zu.

„Wolltest du nicht noch zum Training?"

„Willst du mich jetzt loswerden?"

„Nein, niemals." ihre Mundwinkel zuckten belustigt. Die bedrückte Stimmung zwischen uns verschwand langsam.

„Na gut. Ich werde dann trotzdem mal los." ich holte mein Handy raus und erschrak als ich sah, wie spät es tatsächlich schon war.

„Verfickte scheiße." fluchte ich.

„Was ist denn jetzt passiert?" fragte Ida verwirrt.

„Ich werde heute zum ersten Mal zu spät zum Training kommen." erklärte ich und lief los.

„Tschüss, Levi!" rief Ida mir hinterher.

Ich drehte mich beim Rennen zu ihr um und sprintete rückwärts weiter, dabei winkte ich ihr zum Abschied lächelnd zu.

Das alles war zwar nicht so gelaufen, wie es mir gewünscht hatte, aber ich war trotzdem einigermaßen mit dem Ergebnis zufrieden.

Das war es mir sogar fast wert zu spät zu kommen.

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