28. König Ivar

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Ich war hin und her gerissen. Ubbe, der sagte er würde mich töten, wenn er mir auf dem Feld begegnet, hatte seinen eigenen Krieger umgebracht.

"Hvitserk!", ich schrie nach meinem Bruder, der in blickweite von einem Gegner zu Boden geschlagen wurde.
Ich fasste einen klaren Gedanken und zog ein Speer aus einem gefallenen Krieger in der Nähe. Es war meine einzige Chance, denn nun Pfeil und Bogen herauszuholen, zu spannen und abzufeuern war zu spät, es würde zu lange dauern.

Ich warf den Speer nach Hvitserks Gegner, der durchbohrt wurde und schreiend zu Boden fiel.
Schnell rannte ich zu meinem Bruder und zog ihn wieder auf die Beine.
Er sah mich verängstigt und verwirrt zugleich an.
"Du musst aufpassen, Bruder!", schrie ich ihn an.
Meine Worte wurden von den Soldaten meines Onkels, die nun das Feld stürmten übertönt.
Die gegnerische Streitmacht trat den Rückzug an.

Unsere Streitmacht fing an zu jubeln. Hvitserk und ich jubelten unserem Bruder zu, der weit oben stand, um das Feld im Auge haben zu können.

Während unsere Männer die Toten vom Schlachtfeld brachten, ging ich umher und sah mich um. Ich war froh, dass Ubbe nicht unter den Toten war.
Kurze Zeit später stieg ich den Hügel zu Ivar hinauf, der im Gras saß und hinabblickte.
Ich umarmte ihn ganz kurz und lachte, "Wir haben gesiegt Bruder. Du musst ein Gott sein.", witzelte ich.
Mein Bruder sah lachend auf den Boden, "Und jetzt werden wir nach Kattegat gehen. Wir holen uns nun was uns zusteht, Tjara."

Ivar fuhr mit seinem Pferdewagen voran, neben ihm ritten Hvitserk und ich.
Ich freute mich riesig endlich wieder nach Kattegat zurück zu kehren.
Die Dorfbewohner waren neugierig, alle waren aus ihren Häusern gekommen.
Ivar hielt seinen Wagen an und die Menschen versammelten sich um ihn herum. Selbstsicher sah er in die Menge.
"Männer und Frauen von Kattegat, ich bin Ivar der Knochenlose. Ich bin der Sohn von Ragnar Lothbrok. Ehret euren neuen König."

Die Dorfbewohner gingen auf die Knie und verbeugten sich vor Ivar.

Ich ging durch die Menschenmenge hindurch und betrat die große Halle. Ich musste lächeln, denn ich dachte an meine Mutter und an meine Kindheit mit meinen Brüdern.
Plötzlich legte jemand schwungvoll seinen Arm um mich, ich sah in das lachende Gesicht von Hvitserk der in Halle eintrat und sich kurz drehte.
Ich folgte ihm und Strich mit der Hand über die Holzwände.

Am Abend fand in der großen Halle eine Feier statt.
Natürlich würde wie immer viel getrunken, viel gelacht und sich gerauft.
Hvitserk und ich feuerten die Männer an. Es fühlte sich gut an wieder in dieser Halle zu stehen.
"Skål, Bruder.", ich sah zu Hvitserk und hob meinen Becher.
"Auf Kattegat.", Hvitserk lachte und trank.

Ich mischte mich unter die Leute und feierte mit ihnen. Von weitem hörte ich Ivar reden.
Er war ziemlich betrunken, genauso, wie König Harald.
Ich musste aufholen und kippte immer mehr in mich hinein.

Sehr betrunken gesellte ich mich zu Ivar, "König Ivar der Knochenlose, mein Bruder.", lallte ich lachend und schlug ihm auf die Schulter.
Ivar schlug lachend zurück. Wäre ich nicht so betrunken gewesen, hätte es sicher geschmerzt.
"Nun muss ich noch Lagertha töten.", flüsterte er lachend und winkte ab, "Sie ist so feige."

Uns wurde immer wieder der Met nachgekippt, bis ich an Ivars Schulter einschlief.

Am nächsten Morgen wachte ich in einem Bett auf. Ich wusste nicht genau, wo ich war und drehte mich herum. Mit einem lauten Rumsen fiel ich zu Boden.
Ich war einfach nicht mehr daran gewöhnt in einem Bett zu schlafen.

"Guten Morgen, Tjara."

Ich kniff meine Augen zusammen und sah umher. Alles war verschwommen und drehte sich leicht von rechts nach links.
Dann erblickte ich Ivar, der mit seinem Gehstock einfach so dastand.

"König Ivar.", ich grinste nicht gerade nüchtern.

"Haben wir wieder einmal zu viel getrunken?", ich hörte den Spott in seiner Stimme.

Ich nickte grinsend und sah zu ihm rauf.
"Wasch dich und komm zu mir, dort erwartet dich jemand.", mein Bruder verschwand wieder.

Ich war sehr gespannt, wer dieser jemand wohl sein könnte.
Schnell stand ich auf, was keine gute Idee war. Es drehte sich alles nur noch mehr. Ich stolperte zu einer Schale mit Wasser rüber und wusch mein Gesicht.
Meine Kleidung richtete ich und meine Waffen brachte ich an ihr an.
Meine Haare wurden von einer Sklavin hergerichtet.
Dann trat ich hinaus zu meinen Brüdern.

Ivar saß auf seinem langersehnten Thron und Hvitserk hockte neben ihm.
Vor ihnen standen einige Krieger aus den Frankenreich, sie umringten einen wichtig aussehenden Mann.
Meine Brüder und der Mann sahen mich an. Langsam ging ich auf Ivar zu und sah weiterhin den Mann an, "Onkel Rollo?", fragte ich begeistert und begann zu lachen.
"Tjara, meine Nichte.", ebenso lachend kam Rollo auf mich zu und legte seine Hände auf meine Wangen. Er sah mir tief in die Augen, "Die Augen hast du von deiner Mutter, dein Gesicht hat jedoch mehr Ähnlichkeit mit Ragnar.", er drückte mich kurz an sich.

"Aber was macht ihr hier? Hvitserk sagte, dass ihr nicht herkommen konntet."

Wir setzten uns zu viert an den langen Tisch in der großen Halle.
Rollo sagte, dass er sich mit uns verbünden wolle. Wenn Kattegat oder Paris angegriffen werden würde, sollten wir uns unterstützen.
Unser Onkel Rollo erzählte uns viele Geschichten, Geschichten von früher und Geschichten von unserem Vater.

"Lagertha lebt noch, Rollo, sie ist mit Ubbe und Björn geflohen.", Ivar sah Rollo gereizt an.

"Es wird nach ihnen gesucht.", warf Hvitserk ein.

"Ich wünsche euch viel Glück dabei.", sagte Rollo und leerte seinen Becher.

Ich sah zu Ivar, "Wann denkst du werden sie gefunden? Und selbst wenn, was werden wir mit Ubbe und Björn machen?"

Rollo sah wie ich interessiert zu Ivar.

"Ich bringe Lagertha um.", er sah mich an, "Was wir mit unseren Brüdern machen weißt du genau so gut wie ich, kleine Schwester."

Ich sah seufzend zu Boden und erhob mich.
"Es war schön euch kennengelernt zu haben, Onkel Rollo."
Ich verließ die Halle. Mulmig zumute ging ich durch das Dorf.
Alle Dorfbewohner verneigten sich vor mir, obwohl ich nur die Schwester des Königs war. Es fühlte sich trotzdem wunderbar an.

Vor einer Hütte schlugen sich zwei Jungen.
Ich blieb unmittelbar vor ihnen stehen und musste lachen. Jungen in dem Alter sind wohl alle gleich.
Als die beiden mich bemerkten standen sie erschrocken auf und stellten sich nebeneinander vor die Hütte.
Lachend ging ich an den beiden vorbei.

Wäre Floki noch in Kattegat würde mein Weg wohl zu ihm führen, ich vermisste ihn sehr, nur die Götter wussten ob er noch lebt.

Da erblickte ich ihn. Er stand an einer kleinen Fischerhütte, verschränkte die Arme und beobachtete mich, er lebte also noch.
Ich sah mich kurz um und ging zu dem Jungen in Ivars Alter herüber.

Er ist mein BruderGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt