Als wir zurück in unser Lager kehrten schmiss ich mich lachend neben Ivar, der an einem Feuer saß.
Ich legte mich in das nasse Gras und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
"Du solltest dein Gesicht waschen, kleine Schwester.", sagte Ivar besserwisserisch und deutete auf eine Wassertränke einige Schritte weg von uns.
Grinsend stand ich auf und kam seinen Wünschen nach.
"Wie ich sehe hattet ihr Erfolg.", sagte Ivar feststellen, als ich mich wieder zu ihm gestellte.
Er beobachtete die Männer und Frauen, die nach und nach wieder im Lager eintrafen.
"Es waren keine Krieger unter ihnen, alles Bauern.", sagte ich und sah mich suchend um, "Wo ist Hvitserk?", ich griff selbstverständlich nach Ivars Met und trank einen großen Schluck.
"Ich habe ihm dasselbe wie dir aufgetragen, er wird bald zurück sein.", immer noch mied Ivar meinen Blick. Seufzend legte ich meinen Kopf auf seine Schulter. Ich wollte nicht, dass es wegen eines Mannes, der mich gerne hatte so zwischen mir und Ivar war.
"Weißt du...", begann Ivar, "Du bist meine einzige Schwester. Der einzige Mensch, neben unserer Mutter, der mich immer geliebt hat, egal ob ich falsche Entscheidungen getroffen habe. Du hast mich immer geliebt, Tjara."
Ich starrte in die Flammen des Feuers und atmete ruhig aus, "Und ich werde dich immer lieben, Bruder.", flüsterte ich.
Ivar gab mir einen flüchtigen Kuss auf den Kopf.
Natürlich liebte ich Ubbe und Hvitserk auch. Sigurd gegenüber hatte ich eher immer eine Art Hassliebe empfunden, aber es war besser als nichts.
"Was würde Vater nur von uns denken?", faselte ich vor mir hin, "Er wollte gewiss nicht, dass wir alle verschiedenen Wege gehen, doch er wollte ganz sicher, dass du unser König wirst."
"Doch was ist, wenn ich sterbe, Tjara?", entsetzt sah mein Bruder mich an, "Ich bin ein kranker Mann, ich kann jeder Zeit sterben."
Lachend hob ich den Kopf, "Nein Ivar, du..."
Mein Bruder unterbrach mich, "Wenn ich sterbe wird Hvitserk ein Anrecht auf den Thron Kattegats haben. Und du wirst ihm zur Seite stehen, so wie du es immer bei mir getan hast."
Ich sagte nichts mehr und nickte nur ernst, bis ich wie aus dem nichts einen leichten Schlag auf den Rücken bekam. Hvitserk hockte neben uns und lächelte, "Drei Dörfer, Bruder.", sagte er stolz und drängte sich zwischen uns. Ich reichte ihm dem Becher, den ich bei meiner Ankunft von Ivar nahm und Hvitserk trank genüsslich.
"Ich lege mich schlafen.", flüsterte ich in die dunkle Nacht.
"Ich werde morgen mit Hvitserk und König Harald unser Schlachtfeld auswählen, du wirst hier im Lager bleiben und falls nötig für Ordnung sorgen.", sagte Ivar sanft.
"Wenn du es wünschst.", flüsterte ich, bevor ich in das Zelt verschwand und mich schlafen legte.
Diese Nacht war eisig kalt. Es regnete und ließ die Nacht laut erscheinen.
Doch am nächsten Morgen schien die Sonne, als ich den Stoff des Zeltes zur Seite drückte, um herauszukriechen.
Meine Brüder waren bereits zurück und schienen sich sicher zu sein, dass sie das perfekte Schlachtfeld gefunden haben.
Hvitserk freute sich auf die Schlacht und redete andauernd davon wieder mit mir an seiner Seite kämpfen zu können.
"Bald wird alles hier uns gehören.", sagte Ivar, der sich in das nasse Gras setzte, "Alles hier gehört uns."
"Und Harald.", ergänzte Hvitserk, der sich neben mir auf den Boden setzte.
Ivar musterte Hvitserk merkwürdig, "Nein, ich bin mir sicher die besten Tage von König Harald sind vorbei. Denkst du nicht auch, Tjara?"
Erstaunt blickte ich auf. Ich hatte den König einige Tage lang nicht mehr gesehen, vielleicht stimmte Ivars Vermutung, "Vermutlich.", sagte ich, als ich den Blick von Ivar abwand.
"Ich habe Essen für euch.", ein Sklave trat vor uns und gab uns allen eine Schale in die Hand.
Dankend nahm ich die Schale entgegen und stellte sie auf meinen Schoß.
Ivar lugte immer und immer wieder zu König Harald, der am Schach spielen war rüber, "Ich habe gerade drüber nachgedacht, dass Harald in der nächsten Schlacht fallen könnte.", sagte er gehässig, als der Sklave verschwunden war und löffelte sich das Frühstück in den Mund, "Durch wessen Hand weiß ich nicht.", fügte er noch hinzu.
"König Harald ist kein normaler Mann. Er ist stark und mächtig.", ich starrte auf mein Frühstück, ohne es anzurühren.
"Willst du so sehr König von Norwegen werden?", fragte Hvitserk skeptisch.
"Würde mich das nicht noch berühmter machen, Hvitserk?"
"Gewiss würde es das. Natürlich nur wenn das noch geht.", ich lachte meinen Bruder kurz an.
Ivar drückte mir Brüderlich seine Hand gegen den Kopf und setzte sich auf, "Die Menschen haben aufgehört von Ragnar zu sprechen. Sie wissen nicht mehr wer er war. Das macht mir Angst.", Ivar sah zwischen mir und Hvitserk hin und her, "Ja, man spricht über mich. Nicht nur die Sachsen, auch die Rus, die ganze Seidenstraße, ja, aber das genügt mir noch lange nicht.", er legte sich in das Gras und sah hinauf in den Himmel.
Seufzend schob ich mein unangerührtes Essen zur Seite und tat es ihm gleich.
"Eines Tages werde ich sterben. Ich hoffe es wird auf dem Schlachtfeld sein. Nicht als Alter schwacher Mann.", Ivar klang verträumt.
Ich drehte meinen Kopf zu ihm und musterte meinen Bruder kurz, "Wenn du stirbst, dann sterbe ich auch. Gewiss werden wir zusammen auf dem Schlachtfeld sterben."
Ivar gab mir einen leichten Schlag gegen den Kopf, "Halt den Mund.", flüsterte er.
"Odin wird mich in seiner Halle willkommen heißen und wir werden zusammen speisen."
Stille machte sich kurze Zeit breit, "Wenn man meine Knochen ausgräbt, dann will ich, dass man sagt Dies ist das Grab des ruhmreichsten Wikingers, der je auf Erden gelebt hat."
Hvitserk fing an zu lachen. Es rappelte neben mir und Ivar richtete sich entsetzt auf, "Was ist daran lustig?"
Ich setzte mich auf und sah Hvitserk neugierig an.
"Nichts, tut mir leid.", sagte er einsichtig.
Ich seufzte und verdrehte die Augen, bevor ich mich an Ivar richtete.
Doch bevor ich mein Anliegen aussprechen konnte stockte ich und sah ihn entsetzt an. Tiefeinatmend sah ich erst zu Hvitserk, dann wieder zu Ivar, "Deine Augen sind wieder leuchtend blau, Bruder.", flüsterte ich Ivar zu.
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Er ist mein Bruder
FanfictionDer legendäre Ragnar Lothbrok ist ihr Vater, doch wer ist eigentlich dieser Mann, der sie und ihre Brüder verließ, als sie noch ein kleines Kind war? Trotz der Herausforderungen, sich alleine gegen ihre Brüder durchzusetzen, ist sie herangewachsen...
