30. Hvitserk und ich

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Ich machte mich auf die Suche nach Hvitserk. Wir wollten so schnell wie möglich aufbrechen, um sie zu finden.
Hvitserk war auf dem Marktplatz unterwegs und hatte sich unter das Volk gemischt.
Ich zog ihn im richtigen Moment zur Seite.
Er war sichtlich überrascht mich zu sehen.
"Rollo hat sie gefunden, wir müssen sofort aufbrechen."

Hvitserk schluckte und sah sich um, schließlich stimmte er mir zu.

Unsere Pferde wurden schon bereit gemacht und Ivars Wagen angespannt.

Wortlos sahen wir uns an, als Ivar erschien, "Wir dürfen keine Zeit verlieren.", sagte er ruhig und gab seinen Kriegern ein Zeichen mitzukommen.

Wir ritten los, bis wir nach nicht allzu langer Zeit an einer Ruine ankamen.
Es war wohl mal eine Hütte gewesen, doch der Wind und die Meer Luft hatten dem ein Ende bereitet.

Ich sprang schon von meinem Pferd ab, während es noch lief und ging auf die Ruine zu.
Die Krieger schwärmten sofort aus und machten sich auf die Suche nach den Flüchtigen.

Ich lief um die alten Steine herum, doch keine Spuren waren zu finden, was mich einerseits erleichterte.

Ich hörte von weitem Ivars zornigen Schreie, ihm nährte ich mich jetzt lieber nicht.

Ich kehrte zurück zu meinem Pferd.
Die Krieger liefen, soweit das Auge reichte herum und suchten weiterhin.
Träumend legte ich meinen Kopf gegen mein Pferd.

"Was stehst du hier nur herum?", brüllte Ivar mich an, der gerade von der alten Hütte zurückkehrte.

"Sie sind weg Ivar. Sie werden nicht einfach gegangen sein ohne ihre Spuren zu verdecken. Es ist sinnlos.", sagte ich, während ich mich umsah, "Sie können schon überall sein."

Zornig atmete Ivar aus und ließ mich stehen.
Er begab sich auf seinen Pferdewagen.
"Ihr werdet weitersuchen und sie finden.", herrschte er seine Krieger an, "Wir werden zurück nach Kattegat reiten.", er sah zu Hvitserk und mir und ritt los.

Hvitserk und ich flüsterten während des Heimritts miteinander.
"Wo denkst du sind sie?", flüsterte ich ihm zu.
"Du sagtest doch selbst, sie können schon überall sein."
Hvitserk verließ mich und ritt voraus.

"Ihr habt sie also nicht gefunden?", begrüßte König Harald uns in Kattegat.

"Nein, sie waren fort.", sagte Ivar und fuhr an ihm vorbei.

Ich stieg vom Pferd ab und übergab es einer Sklavin.
Anschließend betrat ich die Halle, nahm mir Met und legte die Beine auf einen Tisch, als wäre nichts gewesen.

"Lass das nicht Ivar sehen, Tjara.", Hvitserk ging aufgebracht an mir vorbei.
"Wieso?", ich lachte kurz und nahm die Beine vom Tisch.
Hvitserk schnitzte nervös am Tisch herum und sah kurz auf, "Wir haben sie nicht gefunden, sie sind wieder einmal geflohen. Ivar ist ungeduldig, das weißt du genau. Er wird denken, dass du froh darüber bist."

"Natürlich bin ich froh. Ivar kann von mir aus so viel morden, wie er möchte, aber er soll Ubbe verschonen. Er ist unser Bruder."

Hvitserk schüttelte fassungslos den Kopf. Ich stand auf und gab ihm einen Krug, "Vielleicht beruhigt dich das, Bruder.", sagte ich spöttisch.

Ich hörte Ivars Gehstock hinter mir auf den Boden stampfen und immer näherkommen.
Er ließ sich auf einem großen Stuhl nieder und sah von Hvitserk zu mir. Ich hielt seinem Blick stand, bis er auf mich zeigte, "Du willst sie nicht finden, Tjara. Dir ist es egal, ob wir Rache für Mutters Tod nehmen.", trotz der Enttäuschung Lagertha nicht gefunden zu haben, sprach er ruhig.
Ich sah ihn entsetzt an, "Natürlich will ich Rache, Ivar.", sagte ich laut, "Aber nur an Lagertha, an niemand anderen."

Ivar sah mich nachdenklich an, bevor er kurz auflachte, er schien meine Ansichten belustigend zu finden.
"Ich werde jeden töten, der sich mir in den Weg stellt.", er beendete das Gespräch, denn er wusste genau, dass ich auf Ubbe hinaus wollte.

Immer noch lachend entriss er mir meinen Becher und trank ihn aus.
Ausdruckslos starrte ich vor mich hin.

Ich schielte zu Hvitserk, der immer noch am Tisch herumwerkelte, danach sah ich wieder zu Ivar, der mich die ganze Zeit nicht aus den Augen verlor.
Ich seufzte kurz, nickte und gab ihm somit zu verstehen, dass ich seine Entscheidung akzeptierte, was blieb mir auch anderes übrig?

Am Abend war die große Halle wieder einmal voller Menschen, die tranken, sangen und tanzten.
Ich mischte mich unter die Leute, ein wenig Ablenkung und viel Alkohol waren keine schlechte Idee.
Der Abend verlief recht lustig, einige der Bewohner wollten mal wieder ihre Kräfte messen, doch da sie betrunken waren, war es eher ein Schauspiel des Spottes.

Es war spät in der Nacht, als die letzten Dorfbewohner sich betrunken ihren Weg aus der Halle bahnten, wobei der eine oder andere gegen Pfosten lief oder über Bänke fiel.
Hvitserk und ich waren wieder einmal sehr betrunken und machten uns nur noch über alles lustig, was passierte.

Schließlich fing Hvitserk an, einen der Männer, der über eine Bank fiel und einfach liegen blieb, mit Hühnerknochen abzuschießen.
Wir hatten so einen Spaß bei dieser Sache, bis Hvitserk bemerkte, dass unser Bruder uns die ganze Zeit beobachtete.
Ich stieß ihn lachend an und lallte, "Das wird ein Treffer."
Ich schnipste ein Stück Fleisch in Ivars Richtung, der oben auf seinem Thron saß. Das Fleisch prallte von ihm ab. Leicht genervt lächelte er kurz, "Es wird Zeit für euch schlafen zu gehen, findet ihr nicht?"

Hvitserk und ich sahen uns nur wieder lachend an, wir nahmen Ivar gar nicht ernst.
Unser Bruder war sichtlich genervt von uns, doch hätte er auch ein wenig mehr getrunken, würde er nun bei uns sitzen und den Spaß mit uns teilen.

Ivar griff nach seinem Stock und kam zu uns herunter. Er stellte sich hinter uns, "Darf es noch ein wenig Bier sein? Hvitserk, Tjara?", in unserem Rausch bemerkten wir nicht, dass Ivar dies ironisch meinte.
Hvitserk reichte seinen Becher über die Schulter, "Sehr gerne, mein lieber Bruder."

Ivar nahm den Becher entgegen und schmiss ihn schließlich gegen Hvitserks Rücken. Dieser sprang erschrocken auf.
Ich unterdrückte mir ein Lachen und legte den Kopf auf den Tisch.

Ich schloss die Augen, doch bevor ich einschlafen konnte, packte Ivar mich am Nacken und zog mich hoch, "Geh ins Bett.", sagte er angestrengt, aber bestimmend und schubste mich von sich.
Ich konnte noch nach meinem halbvollen Becher greifen und verschwand schließlich, um mich schlafen zu legen, nachdem ich den Becher geleert hatte.

Er ist mein BruderGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt