Am Abend wurde ausgiebig gefeiert.
Ich gesellte mich zu Floki, der mich kichernd anlächelte, "Du bist sehr erwachsen geworden, Tjara. Du bist deinem Bruder Ivar sehr ähnlich, das erfreut mich. Ihr habt beide den Glauben an die Götter niemals verloren."
"Du hast uns die Geschichten der Götter erzählt, Floki, das ist alles nur dein Verdienst.", sagte ich lächelnd und erhob meinen Becher, "Skål."
Nachdem Floki und ich ein nettes Gespräch über das goldene Land hatten, wurde ich ernst, "Wir wollen zurück nach England. Unser Volk wird Rache für Ivars Tod nehmen. Wir werden die Sachsen warnen und ihnen somit zeigen, dass sie uns nicht so, wie sie es bei den Rus taten, ihren Glauben andrehen können.", sagte ich mit Hass in der Stimme und sah ihn erwartungsvoll an.
Floki kicherte kurz und erhob seinen Becher, um etwas zu trinken.
Nachdenklich sah er mich an, "Ich finde es wunderbar, wie du für unsere Götter einstehst, Tjara. Ich wünsche dir und deiner Streitmacht viel Glück."
Ich biss mir auf meine Unterlippe und sah ihn an, "Heißt das, du willst nicht mit uns kämpfen?"
Floki schüttelte den Kopf, "Vielleicht werde ich wieder in das goldene Land zurückkehren.", er lächelte mich leicht an.
Ich trank meinen Met aus und sah Floki an, "Weißt du Floki. In meiner ersten Schlacht, in England, habe ich dich bewundert. Du hast gekämpft, als hättest du in deinem Leben noch nie etwas anderes getan."
Stumm trank Floki seinen Met und sah an mir vorbei. Es schien wirklich, als wenn er mit dem Kämpfen nichts mehr zu tun haben wollte.
"Ich wollte immer so kämpfen können, wie du, Floki. Meine ersten Schlachten hätte ich ohne meine Brüder gewiss niemals überlebt, ich war schwach."
Interessiert sah er nun zu mir und lachte, "Du hat mich doch schon lange übertroffen, Tjara Lothbrok. Du hast selbst Hvitserk übertroffen und mit deinem Bruder Ubbe könntest du es gewiss aufnehmen.", er musterte mich und legte seine Hand auf meine Schulter, "Du bist Tjara Lothbrok, Tjara die Willensstarke, dein Name ist bereits bekannter, als der von Björn, sogar als der von Ivar."
Ich zuckte kurz mit den Mundwinkeln, denn ich wusste nicht, was ich davon halten sollte.
Plötzlich spürte ich Hände auf meinen Schultern und blickte hinter mich. Dort stand Ubbe, der anscheinend zu viel getrunken hatte. Ernst sah er zu Floki, anschließend zu mir. Es schien, als wenn er nicht wissen würde, was er hier machte.
Langsam erhob ich mich und mein Bruder nahm seine Hände von meinen Schultern, "Du hast wohl zu viel getrunken, Ubbe.", sagte ich lachend und legte meine Hand an seine glühend warme Wange.
Ubbe starrte mich an und atmete geschafft aus.
"Leg dich schlafen, Bruder.", sagte ich und schob ihn sanft in Richtung Hinterzimmer.
Grinsend sahen Floki und ich ihm hinterher.
Einige Wochen später war es auch schon Frühling. Die meisten Vorbereitungen für die Überfahrt nach England waren getan.
Ich war auf dem Weg zum Pier, wo unsere neuen Schiffe lagen, die wir für die Reise nach England brauchten.
Träumend ging ich an den Schiffen vorbei und ließ meine Fingerspitzen über sie gleiten, als Kjell neben mir auftauchte, "Tjara, es ist Besuch für dich da."
Wie angewurzelt blieb ich stehen und sah ihn interessiert an, "Wer ist es?"
"Jarl Olafson und Jarl Sigsten", sagte er knapp, als wir schon auf den Weg zurück zur großen Halle waren.
"Was wollen sie?", fragte ich ernst.
"Sie sagten es gäbe etwas Wichtiges mit dir zu besprechen."
Ich öffnete die Tür der großen Halle, in der meine Besucher bereits standen und an der Seite meiner Wachen auf mich warteten.
"Ich grüße euch.", ruhig ging ich an ihnen vorbei und stieg die Treppen zu meinem Thron hinauf, "Was führt euch nach Kattegat?", ich musterte beide, als ich vor meinem Thron stehenblieb.
Der eine Jarl war ein älterer Mann, mit langen weißen Haaren, der andere war etwa in Ubbes Alter.
"Seid gegrüßt, Königin Tjara die Willensstarke von Kattegat.", sprach der Ältere von den beiden, "Wir sind in Euer Königreich gereist, denn wir haben viel von Euch, Euren Brüdern und Eurem Vater gehört."
Interessiert sah ich zu dem alten Mann hinunter.
"Ich bin Jarl Sigsten aus Dänemark und das ist Jarl Olafson, ebenfalls ein Jarl aus Dänemark."
Jarl Olafson verbeugte sich vor mir und begann anschließend zu sprechen, "König Tjara, wir hörten viele ruhmreiche Geschichten von euch. Ihr seid wahrlich eine große Herrscherin über eine bedeutende Stadt unseres Volkes."
Dankend nickte ich ihm zu und wartete, dass er fortfuhr.
"Wir haben uns mit Jarlen aus Norwegen, Schweden und Dänemark verbündet. Wir alle wollen jemanden, der über unser Volk herrscht, jemanden, der weiß, wie man Schlachtpläne Macht, wie man kämpft und trotzdem die Bedürfnisse des Volkes nicht vergisst."
Leicht genervt trat der alte Mann nach vorne, "Um es kurz zu machen, wir würden uns freuen, wenn ihr an der Wahl teilnehmen würdet und später als Königin der Wikinger zurück nach Kattegat kehren würdet."
Verblüfft und nachdenklich zugleich sah ich ihn an, "Warum weiß ich von diesem großen Bündnis nichts?", ich verschränkte die Arme.
Lachend sah Jarl Olafson zu mir, "Wir dachten eine große Königin, wie ihr es seid, würde sich niemals auf ein Bündnis mit uns Jarlen einlassen."
Lachend sah ich ihn an, "Gewiss.", flüsterte ich.
"Ich werde über euer Angebot nachdenken.", sagte ich nickend.
"Führt sie in die Scheune, lasst es ihnen an nichts fehlen.", sagte ich den Wachen laut.
Als meine Gäste sich umdrehen, um den Wachen zu folgen, winkte ich eine Wache zu mir, "Bewacht sie, folgt ihnen auf jeden Schritt.", flüsterte ich.
Nachdenklich setzte ich mich in meinen Thron und holte Ivars Messer hervor, "Was würdest du an meiner Stelle nun tun, Ivar?", flüsterte ich dem Messer entgegen, "In die Schlacht gegen die Sachsen ziehen, zum wohl des Volkes oder an einer Wahl teilnehmen, die sowieso Hoffnungslos scheint?", flüsterte ich.
"Bringt mir meinen Bruder!", rief ich den restlichen Wachen in meiner Halle gebieterisch zu, "Sofort!"
Ich steckte Ivars Messer weg und verschränkte die Arme, solange ich auf Ubbe wartete.
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Er ist mein Bruder
FanfictionDer legendäre Ragnar Lothbrok ist ihr Vater, doch wer ist eigentlich dieser Mann, der sie und ihre Brüder verließ, als sie noch ein kleines Kind war? Trotz der Herausforderungen, sich alleine gegen ihre Brüder durchzusetzen, ist sie herangewachsen...
